Bayern

Prüfungs-Hammer an Bayerns Schulen

Söder stoppt das Exen-Aus – doch an Bayerns Schulen startet jetzt die Prüfungs-Revolution. Warum KI plötzlich mitmischt.

18.06.2026, 10:00 Uhr

Bayern öffnet Schulen für neue Prüfungsformen

An Bayerns Schulen sollen künftig neben klassischen Leistungsnachweisen auch neue Prüfungsformate zum Einsatz kommen. Dazu zählen etwa Debatten, Erklärvideos, Podcasts oder E-Portfolios. Das Kultusministerium in München stellt zugleich klar, dass traditionelle Formen wie Schulaufgaben weiterhin ein zentraler Bestandteil des Bildungssystems bleiben.

Mit Beginn des neuen Schuljahres erhalten die Schulen mehr Spielraum, innovative, digitale und stärker an der Lebenswirklichkeit orientierte Formen der Leistungsbewertung einzusetzen. Nach Darstellung des Ministeriums sollen so Entwicklungen aus moderner Lebens- und Berufswelt besser im Unterricht abgebildet werden.

Auch Kompetenzen rund um Lernen und Prüfungen sollen gezielt gestärkt werden. Regelmäßige lernförderliche Rückmeldungen mit individuellen Hinweisen zum Schließen von Lücken sollen fester Bestandteil des Lernprozesses werden. Dabei dürfen und sollen Lehrkräfte auch künstliche Intelligenz einsetzen. Genannt werden etwa Lernbots, die Schülerinnen und Schüler mit gezielten Fragen beim Denken und Lernen unterstützen.

Weniger verpflichtende Leistungsnachweise

Zudem wird die Zahl der verpflichtenden Leistungserhebungen in begrenztem Umfang gesenkt. An der Realschule sind pro Halbjahr künftig nur noch mindestens zwei statt bisher drei kleine Leistungsnachweise vorgeschrieben. Am Gymnasium sinkt die Zahl der verpflichtenden Schulaufgaben in Deutsch in den Klassen 5 bis 8 sowie in Mathematik in Jahrgangsstufe 9 von mindestens vier auf mindestens drei.

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) verweist dabei auf die Folgen des digitalen Wandels und insbesondere auf den rasanten Einfluss von KI. Schülerinnen und Schüler müssten heute stärker denn je lernen, Wissen anzuwenden, Informationen kritisch zu prüfen, selbstständig zu urteilen und verantwortungsvoll mit digitalen Technologien umzugehen. Diese Fähigkeiten sollten sich nicht nur im Unterricht, sondern auch in Prüfungen widerspiegeln.

Nach Angaben des Ministeriums stützen sich die neuen, rechtssicheren Prüfungsformen auf bereits erprobte Konzepte und Schulversuche. Je nach Schulart sollen dabei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Debatten, Videos und prozessorientiertes Schreiben

Ein Beispiel ist die Realschule: Dort kann künftig auch eine Debatte als Leistungsnachweis zählen. Denkbar wäre etwa, dass eine achte Klasse eine Woche im Voraus das Rahmenthema Klimawandel erhält, sich mit Unterstützung von Chatbots auf Pro- und Contra-Argumente vorbereitet und in der Prüfungsstunde eine Streitfrage diskutiert.

Weitere mögliche Formate sind ein Erklärvideo im Stil eines YouTube-Beitrags, etwa im Englischunterricht einer Mittelschule, oder ein Podcast zu einem mathematischen Thema in der Grundschule.

Am Gymnasium soll zudem das prozessorientierte Schreiben gestärkt werden. Dabei verfassen Schülerinnen und Schüler zunächst einen Aufsatz, erhalten darauf eine Rückmeldung und überarbeiten den Text in einem zweiten Schreibdurchgang. Beide Fassungen fließen in die Note ein, ebenso die Frage, wie konstruktiv die Rückmeldungen umgesetzt wurden. Nach Vorstellung des Ministeriums soll dies ebenso wie Debattenformate stärker auf Anforderungen im Berufsleben vorbereiten.

Qualitätsanspruch bleibt, Debatte über „Exen“ geht weiter

Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, dass Bayern am bisherigen Qualitäts- und Leistungsanspruch festhält. Im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern setzt der Freistaat weiterhin stark auf traditionelle Prüfungsformen mit zahlreichen Schulaufgaben, Tests und Abfragen. Besonders die unangekündigten „Exen“ gelten unter Schülerinnen und Schülern als unbeliebt.

Neue Dynamik bekam die öffentliche Debatte durch die Petition einer Schülerin zur Abschaffung dieser unangekündigten Stegreifaufgaben. Ihr schlossen sich fast 60.000 Menschen an. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnte eine generelle Abschaffung jedoch klar ab. Später wies auch der Bildungsausschuss des Landtags die Petition mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD zurück. Die Diskussion über eine zeitgemäße Prüfungskultur hält dennoch an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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