Fußball

Kimmich verrät: So anders ist Nagelsmann jetzt

Im DFB-Hotel läuft die Konkurrenz-Show – und vor dem Duell mit der Elfenbeinküste wird klar, worauf es bei der WM wirklich ankommt.

18.06.2026, 09:56 Uhr

DFB-Team vor Schlüsselspiel gegen die Elfenbeinküste

Mit viel Energie ging es bei der deutschen Nationalmannschaft in Winston-Salem zur Sache. Joshua Kimmich fuhr lautstark mit dem Fahrrad zum Training auf den Uni-Campus, kurz darauf zeigte sich Kai Havertz verärgert über Rang zwei seiner Gruppe bei einer Tempo-Übung auf kleine, flach liegende Tore. Die Botschaft ist klar: Im Team zählt nur der Sieg. Nach dem deutlichen 7:1 gegen Curaçao beginnt die Weltmeisterschaft für die DFB-Auswahl nun erst richtig.

Vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) gegen die robuste und dynamische Mannschaft der Elfenbeinküste wissen Kapitän Kimmich, sein Stellvertreter Havertz und auch Antonio Rüdiger genau, worauf es ankommt. Für Rüdiger ist die Lage dabei ungewohnt: Er muss sich aktuell mit einer anderen Rolle im Team arrangieren.

Rüdiger stellt das Team über alles

Der Innenverteidiger betonte, dass ein Platz auf der Bank für keinen Profi einfach sei. In der Nationalmannschaft sei die Situation aber noch einmal anders als im Verein, weil alle dasselbe Ziel verfolgten. Damit trifft er genau den Kern von Julian Nagelsmanns Grundidee: eine eingeschworene Einheit, die als große Fußball-Familie auftritt.

Rund 1.000 Tage nach seinem Amtsantritt kann der Bundestrainer feststellen, dass dieses Konzept in den USA bislang aufgeht. Es gibt keine Verletzten, keine erkennbaren Unruhen und keinen, der sich in den Vordergrund drängt. Der Fokus liegt bei allen auf dem jeweils nächsten Spiel.

WM 2026 - Deutschland Training
Antonio Rüdiger hat bei der WM eine für ihn ungewohnte Rolle. Quelle: Federico Gambarini/dpa

TORonto als mögliches Ziel für den Achtelfinal-Einzug

Der kommende Austragungsort bietet sich fast schon für eines der typischen Wortspiele von Nagelsmann an: TORonto. Gewinnt Deutschland in Ontario gegen die Elfenbeinküste um den brandgefährlichen Angreifer Yan Diomande, wäre der Einzug in die K.o.-Runde vorzeitig perfekt. Es wäre das erste Mal seit dem WM-Titel 2014 in Brasilien, dass Deutschland wieder eine Runde der Besten erreicht.

Gute Stimmung allein reicht Kimmich nicht

Die Atmosphäre im Teamhotel Graylyn Estate ist gut. Kimmich spendierte Florian Wirtz sogar lautstarken Applaus, nachdem dieser mit einem spektakulären Salto im Hotelpool für Unterhaltung gesorgt hatte. Doch für den Kapitän ist klar, dass Harmonie abseits des Platzes nur ein Teil des Ganzen ist.

Entscheidend sei vor allem das, was auf dem Rasen entstehe. Eine Mannschaft wachse durch gemeinsame Erlebnisse im Spiel, durch Siege und positive Momente. Gemeinsame Zeit außerhalb des Trainings könne das verstärken, aber das eigentliche Zusammengehörigkeitsgefühl bilde sich im Wettkampf.

Kimmich fordert weiter höchste Spannung

Nach dem torreichen Auftaktsieg gehe es nun darum, die Spannung hochzuhalten. Das gelinge idealerweise durch intensive und inhaltlich starke Trainingseinheiten, in denen gezielt an Verbesserungen gearbeitet werde. Nach Kimmichs Einschätzung gibt es noch genug Punkte, an denen das Team feilen muss.

Nagelsmann setzt im Training konsequent auf Wettbewerbsformen. Es geht fast immer ums Gewinnen. Genau diesen Siegeswillen will der Bundestrainer verinnerlichen. Kimmich sieht dabei vor allem in der Kommunikation des Coaches eine Entwicklung: In den vergangenen Wochen und Monaten sei Nagelsmann sehr klar geworden in dem, was er wolle, erwarte und fordere.

Teamgeist soll gegen körperlich starke Ivorer tragen

Nagelsmann weiß schon länger, dass andere Nationen individuell noch stärker besetzt sind. Die bisherigen Auftritte von Frankreich, Argentinien und England haben diesen Eindruck bestätigt. Umso wichtiger wird gegen die physisch starke Elfenbeinküste das Zusammenspiel als Kollektiv sein.

Der Bundestrainer lobte das Miteinander innerhalb der Mannschaft ausdrücklich. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben funktioniere das Zusammenspiel sehr gut. Besonders hob er dabei Rüdiger hervor. Entscheidend sei, dass die Spieler gerne miteinander Fußball spielten und einen starken gemeinsamen Geist entwickelt hätten. Genau das müsse sich das Team unbedingt bewahren.

Tah gesetzt, Schlotterbecks linker Fuß gelobt

Rüdiger selbst lieferte gleich ein bemerkenswertes Beispiel für diesen Teamgedanken. Er stellte Jonathan Tah als „neuen Chef“ heraus und pries Nico Schlotterbecks linken Fuß nahezu als Gold wert. Dass ein so erfahrener und erfolgreicher Spieler seinen Konkurrenten um die Stammplätze derart offen den Vortritt lässt, ist im Profifußball eher ungewöhnlich.

Appell an die Offensive

Als zweimaliger Champions-League-Sieger bringt Rüdiger reichlich Erfahrung im Gewinnen mit. Beim nächtlichen Fernsehen im Teamhotel wurde ihm nach eigener Einschätzung noch einmal deutlich, worauf es bei diesem Turnier ankommt: Die großen Offensivstars liefern. Lionel Messi hat bereits drei Tore erzielt, Kylian Mbappé und Harry Kane jeweils zwei.

Druck wolle er auf Havertz, Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Leroy Sané zwar nicht aufbauen. Dennoch machte Rüdiger deutlich, wie wichtig die Angreifer für den weiteren Turnierverlauf sind. Seine Botschaft an die Offensive fiel eindeutig aus: Deutschland braucht ihre Tore. In Toronto bietet sich dafür die nächste Gelegenheit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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