Fußball

Und jetzt, Nagelsmann? Das harte Leben als Ex-Bundestrainer

Nach dem WM-Debakel steht Nagelsmann wohl vor dem DFB-Aus. Doch welcher überraschende Job wartet jetzt auf ihn?

03.07.2026, 05:39 Uhr

Julian Nagelsmann steht nach dem Scheitern mit der Nationalmannschaft vor einem langen Sommer. Vieles spricht dafür, dass es ihn irgendwann wieder mit dem Mountainbike in die Berge zieht. Dort oben findet der 38-Jährige Ruhe, Abstand und Erholung – weit weg von einer Fußballwelt, die er selbst schon als voller absurder Wendungen erlebt hat. Ein Ort mit besonderer Bedeutung für ihn ist der Ochsenälpeleskopf in den Ammergauer Alpen.

Das Allgäu als Rückzugsort und Ort der Inspiration

Auch im Allgäu hatte sich Nagelsmann im vergangenen Spätsommer vor dem Start in die WM-Qualifikation mit seinem Trainerstab zurückgezogen. Das dort entwickelte Konzept erwies sich rückblickend allerdings als wertlos.

Wenn der größte Schmerz verarbeitet ist, könnte ihm die Bergwelt trotzdem neue Impulse geben. Vieles deutet darauf hin, dass er sich trotz seines vergleichsweise jungen Traineralters neu orientieren muss. Dass Nagelsmann Bundestrainer bleibt, erwartet kaum noch jemand.

"Ein Leben ohne Ziele ist nicht erstrebenswert", sagte Nagelsmann zu Beginn der WM-Mission. "Deshalb finde ich es gesund, Ziele zu haben."

Offen ist nun, welches Ziel nach dem DFB folgen kann. Für Rudi Völler steht trotz des Misserfolgs fest, dass Nagelsmann ein Trainer der Spitzenklasse ist. Noch in der Nacht des Scheiterns in Foxborough nannte ihn der DFB-Sportchef einen "absoluten Toptrainer".

Vieles spricht für eine Rückkehr in den Klubfußball

Naheliegend ist, dass Nagelsmann wieder in den Vereinsalltag zurückkehrt. Den DFB-Job hatte er ursprünglich nur für neun Monate bis zur Heim-EM 2024 übernehmen wollen. Später schien ihm die Rolle aber zunehmend zu gefallen – auch wegen der großen Einflussmöglichkeiten.

Trotzdem halten viele Beobachter ihn im Kern für einen geborenen Vereinscoach. Die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz, das permanente Entwickeln einer Mannschaft und das ständige Antreiben reizen ihn offenbar mehr als alles andere. Eine lange Auszeit passt daher kaum zu seinem Naturell.

In Deutschland gibt es kaum eine passende Lösung

Nach seinem schnellen Aufstieg über Hoffenheim und Leipzig landete Nagelsmann bereits beim FC Bayern – höher geht es im deutschen Klubfußball kaum. Eine Rückkehr nach München erscheint derzeit unrealistisch. Jeder andere Bundesligist wäre sportlich eher ein Schritt nach unten – vielleicht mit Ausnahme von Borussia Dortmund. Dort ist der Trainerposten mit Niko Kovac allerdings prominent besetzt.

Der Blick geht ins Ausland – aber auch dort ist Geduld nötig

Deshalb richtet sich der Blick fast automatisch ins Ausland. Sprachlich wäre das kein Problem, Nagelsmann spricht fließend Englisch. Doch auch international sind viele Topadressen bereits vergeben. Real Madrid setzt auf José Mourinho, Manchester City auf Enzo Maresca, der FC Liverpool auf Andoni Iraola. Xabi Alonso arbeitet inzwischen beim FC Chelsea.

Ein sofortiger Neustart muss dennoch nicht die beste Lösung sein. Nach einem Mammutprojekt wie einer WM-Mission kann eine kurze Pause sinnvoll sein. Pep Guardiola zog sich nach seinem Ende beim FC Barcelona einst für ein Jahr nach New York zurück.

Frühere Bundestrainer zeigen sehr unterschiedliche Wege

Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick erfüllte sich nach seinem Aus als Bundestrainer mit dem FC Barcelona eine besonders prominente Aufgabe. Nur wenige ehemalige DFB-Coaches kamen nach ihrer Zeit mit der Nationalmannschaft sofort wieder bei einem Klub dieser Größenordnung unter.

Franz Beckenbauer half später noch einmal beim FC Bayern aus – allerdings war sein Fall ohnehin außergewöhnlich. Auch Jürgen Klinsmann bekam nach seiner DFB-Zeit noch die Chance in München, erfolgreicher verlief für ihn später aber die Arbeit als Nationaltrainer der USA.

Jupp Derwall wechselte nach dem EM-Aus in den 1980er Jahren zu Galatasaray Istanbul und wurde dort hoch geschätzt. Berti Vogts zog es nach einem kurzen Intermezzo bei Bayer Leverkusen weiter nach Kuwait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan.

Auch Oranje könnte zu einer überraschenden Option werden

Joachim Löw, der letzte deutsche Weltmeistertrainer, hat seit 2021 keinen neuen Job übernommen. Ein so langer Rückzug ist bei Nagelsmann allerdings nur schwer vorstellbar.

Eine sportlich reizvolle und politisch brisante Möglichkeit gäbe es dennoch: Die Niederlande suchen nach ihrer eigenen WM-Enttäuschung einen neuen Bondscoach als Nachfolger von Ronald Koeman. Besonders pikant wäre, dass Oranje in der Nations League bereits am 24. September auf die deutsche Nationalmannschaft treffen würde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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