Fußball

Hammer-Bericht: Nagelsmann kündigt Rücktritt an

Nagelsmann vor dem Aus? Nach der Krisensitzung soll der Bundestrainer schon in Kürze seinen Rücktritt verkünden.

03.07.2026, 07:20 Uhr

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Trennung von Bundestrainer Julian Nagelsmann offiziell vollzogen. Vier Tage nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay erklärte der 38-Jährige seinen sofortigen Rücktritt. Als bevorzugte Nachfolgelösung rückt Jürgen Klopp nun klar in den Mittelpunkt.

Nach Angaben des DFB will die Verbandsspitze um Präsident Bernd Neuendorf nun das Gespräch mit Klopp suchen. Der 59-Jährige habe bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, den Posten zu übernehmen. Klopp arbeitet aktuell bei der WM in den USA als TV-Experte für MagentaTV und steht zudem noch bis Sommer 2029 als Head of Global Soccer bei Red Bull unter Vertrag.

Vertrag mit Nagelsmann sofort aufgelöst

Wie der Verband mitteilte, beschlossen Gesellschaftervertreter und Aufsichtsrat der DFB GmbH & Co. KG auf Vorschlag von Neuendorf einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses mit Nagelsmann. Vorausgegangen war ein vertrauliches Gespräch in der Frankfurter DFB-Zentrale, in dem der Bundestrainer selbst darum bat, von seinen Aufgaben entbunden zu werden.

Damit endete Nagelsmanns Amtszeit nach 1.015 Tagen. Sein Vertrag war erst vor der WM bis zur EM 2028 verlängert worden. Angaben zu einer möglichen Abfindung machte der DFB nicht.

Nagelsmann begründet seinen Rückzug

In einer Mitteilung des Verbandes erklärte Nagelsmann, er habe nach dem Ausscheiden intensiv nachgedacht und sich sowohl mit Vertrauten aus seinem privaten Umfeld als auch mit Verantwortlichen im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung sei ihm sehr schwergefallen, doch die Nationalmannschaft verdiene nach der großen Enttäuschung einen unbelasteten Neuanfang.

Zugleich richtete er sich an die Fans und bat sinngemäß um Entschuldigung dafür, dass die Mannschaft ihnen keine weiteren besonderen WM-Abende schenken konnte. Noch direkt nach dem Spiel in Foxborough hatte Nagelsmann einen Rücktritt ausgeschlossen und erklärt, er sei niemand, der weglaufe. Sein 37. Länderspiel als Bundestrainer war nun dennoch sein letztes.

Rückhalt schwand nach dem Paraguay-Aus

Nach übereinstimmender Einschätzung war in den Tagen nach dem Aus im Elfmeterschießen die Erkenntnis gereift, dass Nagelsmann sowohl im Verband als auch in der Öffentlichkeit kaum noch Rückhalt hatte. Das einstimmige Votum zur Vertragsauflösung unterstrich dies zusätzlich.

Mit Nagelsmann müssen auch zwei enge Mitarbeiter gehen: Die Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner verlassen den DFB ebenfalls.

Neuendorf und Völler mit lobenden Worten

DFB-Präsident Bernd Neuendorf dankte Nagelsmann für dessen Arbeit seit September 2023 und hob dessen großen Ehrgeiz sowie hohe Einsatzbereitschaft hervor. Sportdirektor Rudi Völler, der Nagelsmann einst als Wunschlösung und Nachfolger von Hansi Flick zum DFB geholt hatte, stellte sich ebenfalls hinter den scheidenden Bundestrainer.

Völler betonte, Nagelsmann übernehme Verantwortung und stelle die Nationalmannschaft über die eigene Person. Zugleich bezeichnete er ihn als exzellenten Trainer, der seinen Weg erfolgreich weitergehen werde.

Auch Rettig hört auf – Völlers Zukunft offen

Klar ist inzwischen auch: Geschäftsführer Andreas Rettig wird den DFB zum Jahresende verlassen. Seinen auslaufenden Vertrag verlängert der 63-Jährige aus persönlichen Gründen nicht.

Offen blieb zunächst, wie es mit Völler weitergeht. Der 66-Jährige gilt als enger Vertrauter Nagelsmanns und steht noch bis zur EM 2028 unter Vertrag. Welche Rolle er in einer möglichen neuen sportlichen Führung spielen könnte, ist derzeit unklar.

Klopp jetzt erster Ansprechpartner

Klopp gilt seit Tagen als logischer Nachfolger – nun hat der DFB dies selbst untermauert. Allerdings handelt es sich nach Verbandsangaben zunächst um Gespräche, nicht um konkrete Vertragsverhandlungen. Zu klären wären unter anderem die sportliche Ausrichtung, Vertragslaufzeit, Gehalt, die Zusammensetzung eines Trainerteams und die Frage, welche Personen im sportlichen Bereich bleiben oder gehen.

Dass Klopps Vertrag bei Red Bull ein unüberwindbares Hindernis darstellt, wird im Umfeld des DFB derzeit offenbar nicht erwartet. Nach seinem Abschied vom FC Liverpool scheint der frühere Erfolgscoach zudem wieder offen für eine Rückkehr auf die Trainerbank zu sein.

Klopp hatte den Job des Bundestrainers in der Vergangenheit mehrfach als große Ehre bezeichnet und nie grundsätzlich ausgeschlossen. Sportlich bringt er ein herausragendes Profil mit: Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister, mit dem FC Liverpool gewann er die Premier League und 2019 die Champions League.

Debüt am 24. September gegen die Niederlande?

Das nächste Länderspiel der deutschen Mannschaft findet am 24. September in den Niederlanden statt. Es ist der Auftakt in die Nations League, weitere Gegner bis Jahresende sind Griechenland und Serbien.

Ob dort bereits Klopp auf der Bank sitzt, ist die zentrale Frage. Der frühere Liverpool-Coach machte nach dem Paraguay-Spiel deutlich, wie groß die Aufgabe ist: Deutschland müsse wieder zu „Fußball-Deutschland“ werden – und dafür müsse man nun entschlossen handeln.

Auch die Niederlande stehen nach ihrem frühen WM-Aus vor einem Neuanfang und sollen sich von Ronald Koeman trennen. Das mögliche Debüt eines neuen Bundestrainers bekäme damit sofort besondere Brisanz.

DFB zieht diesmal schneller Konsequenzen

Mit der raschen Trennung von Nagelsmann hat der DFB im Vergleich zu früheren WM-Enttäuschungen deutlich schneller reagiert. Nach dem Vorrunden-Aus 2018 in Russland durfte Joachim Löw zunächst weitermachen, auch Hansi Flick blieb nach dem frühen Ausscheiden 2022 in Katar zunächst im Amt.

Diesmal entschied sich der Verband nur wenige Tage nach dem nächsten WM-Rückschlag zu einem klaren personellen Schnitt – in der Hoffnung, die Nationalmannschaft mit Blick auf die EM 2028 sportlich neu aufzustellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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