Arsenal wirkte nach dem Abpfiff, als hätte der Club bereits einen Titel gewonnen. Kai Havertz lief im Trainingsshirt auf den Rasen, um mit der Mannschaft zu jubeln. Matchwinner Bukayo Saka sank zu Boden, überall lagen sich Spieler in den Armen, und Trainer Mikel Arteta feierte ausgelassen mit. Das sonst eher zurückhaltende Emirates Stadium wurde zur großen Partyzone.
Nach dem überraschend klaren Sieg gegen Atlético Madrid und dem Einzug ins Finale der Champions League ist die zuvor angespannte Stimmung in Nordlondon verflogen. Plötzlich lebt sogar wieder die Hoffnung auf das Double. Fans und Profis träumen vom ersten Meistertitel seit 22 Jahren und vom ersten Triumph in Europas wichtigstem Clubwettbewerb. Im Endspiel wartet entweder Titelverteidiger Paris Saint-Germain oder der deutsche Meister FC Bayern.
„Wir kommen gerade auf das Niveau eines Spitzenvereins, der dauerhaft um die größten Titel spielen will“, sagte Arteta nach dem verdienten 1:0 gegen ein enttäuschendes Team von Diego Simeone. „Genau dort wollen wir hin – und dieses Level müssen wir halten.“
Kräftiger Stimmungsumschwung in London
Die vergangenen Tage haben die Lage rund um die Mannschaft von Nationalspieler Havertz komplett verändert. Vor kurzem dominierten noch Zweifel und Enttäuschung, weil Arsenal im Titelrennen wichtige Punkte verschenkte, im FA Cup und im Ligapokal ausschied und sich gegen Sporting Lissabon nur mit Mühe ins Halbfinale rettete. Nun ist der Optimismus zurück.
Zunächst setzte sich Arsenal überzeugend mit 3:0 gegen Fulham durch. Danach ließ Konkurrent Manchester City beim 3:3 beim FC Everton überraschend Federn. Damit haben die Gunners die Meisterschaft wieder selbst in der Hand. Zwar hat Arsenal bereits ein Spiel mehr absolviert, liegt aber fünf Punkte vor dem Team von Pep Guardiola. Drei Siege würden Havertz und seine Mitspieler noch vom Titel trennen. Und vielleicht folgt am 30. Mai sogar noch der Gewinn der Champions League.
Havertz kennt dieses Gefühl bereits. 2021 erzielte er unter Trainer Thomas Tuchel das entscheidende Tor für Chelsea zum Champions-League-Sieg. Während die Blues mehrfach im Finale standen und den Wettbewerb zweimal gewannen, fehlt Arsenal dieser Pokal noch immer. Nur einmal erreichten die Gunners bislang überhaupt das Endspiel: 2006 verlor Arsenal nach einem frühen Platzverweis gegen Torhüter Jens Lehmann mit 1:2 gegen den FC Barcelona.
Wird bei Arsenal zu früh gefeiert?
Entsprechend euphorisch fiel nun der Jubel über den zweiten Finaleinzug der Vereinsgeschichte aus. TV-Experte Wayne Rooney sah das kritisch. „Ich finde, sie feiern etwas zu viel. Feiern sollte man, wenn man wirklich etwas gewonnen hat“, sagte er bei Prime Video. „Sie haben sich diese Ausgangslage verdient, aber entschieden ist noch nichts.“
Arsenal-Profi Declan Rice hielt dagegen. „Natürlich dürfen wir diesen Moment genießen“, sagte er. „Viele unterschätzen, was wir in diesem Wettbewerb bislang geleistet haben.“
Das Momentum ist wieder da
In der Champions League ist Arsenal als einziges verbliebenes Team noch ungeschlagen. Auch in der Premier League scheint die Formkrise im Saisonendspurt vorerst überwunden. Das Momentum liegt wieder bei den Londonern, die nach drei Vizemeisterschaften in Serie endlich das Image des ewigen Zweiten loswerden wollen.
Allerdings kann in den letzten Wochen der Saison noch viel passieren – das hat der bisherige Verlauf deutlich gezeigt. Am Sonntag wartet in der Liga das Derby bei West Ham United. Die Hammers stehen auf einem Abstiegsplatz und brauchen dringend Punkte, um ihre Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren. Sollte Arsenal dort patzen, könnte die Stimmung rund um den Club schnell wieder kippen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion