Klarer Auftaktsieg für Deutschland: 7:1 gegen Curaçao
Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einem deutlichen 7:1 (3:1) gegen Curaçao in das Turnier gestartet. Beim Comeback von Manuel Neuer im DFB-Tor zeigte das Team von Julian Nagelsmann vor allem offensiv viel Spielfreude und sorgte in Houston vor 68.021 Zuschauern für beste Stimmung. Nach dem Abpfiff hallte „Tage wie diese“ durchs Stadion, viele Fans schwenkten schwarz-rot-goldene Fahnen, die Mannschaft drehte geschlossen eine kleine Ehrenrunde.
Über die gesamten 90 Minuten war der Auftritt gegen den klaren Außenseiter zwar nicht durchgehend souverän, insgesamt fiel der Einstieg aber überzeugend aus. Gespielt wurde im überdachten und klimatisierten Football-Stadion bei angenehmen 22 Grad.
Felix Nmecha brachte Deutschland schon in der 6. Minute früh in Führung. Danach verlor die DFB-Auswahl jedoch zeitweise an Tempo und Konsequenz, was Curaçao überraschend zum 1:1 durch Livano Comenencia nutzte (21.). Noch vor der Pause stellte Deutschland die Verhältnisse aber wieder klar: Nico Schlotterbeck traf erstmals im Nationaltrikot zum 2:1 (28.), Kai Havertz verwandelte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Strafstoß zum 3:1 (45.+5).
Direkt nach dem Seitenwechsel sorgte Jamal Musiala mit dem 4:1 (47.) für die Vorentscheidung. Nathaniel Brown erhöhte in der 68. Minute, Joker Deniz Undav traf zum 6:1 (78.), ehe Havertz kurz vor Schluss mit seinem zweiten Tor den 7:1-Endstand herstellte (88.). Die Torhymne „Major Tom“ wurde damit zum Dauerbrenner.
Mit dem Kantersieg gelang Deutschland der zweithöchste Erfolg seiner WM-Geschichte. Nur das 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002 war noch deutlicher, gleichauf liegt nun das 7:1 gegen Brasilien aus dem Jahr 2014.
Weiterkommen früh in Reichweite
Mit dem gelungenen Auftakt ist ein erneutes Vorrunden-Aus wie 2018 in Russland oder 2022 in Katar praktisch kein Thema mehr, zumal auch acht Gruppendritte weiterkommen. Wie stark Deutschland bei dieser WM tatsächlich einzuschätzen ist, dürfte sich aber erst in den kommenden Partien gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni und Ecuador am 25. Juni zeigen.
Nagelsmann zeigte sich nach dem Spiel entsprechend erleichtert. Er freute sich nach den misslungenen Starts der vergangenen beiden Turniere besonders darüber, wie seine Mannschaft auf den zwischenzeitlichen Ausgleich reagierte. Dass Deutschland nach dem Rückschlag wieder die Kontrolle übernahm und am Ende sieben Tore erzielte, wertete der Bundestrainer als wichtiges Signal.
Manuel Neuer feiert Rückkehr und stellt Rekord auf
Für Manuel Neuer war es ein besonderer Tag. Nach zwei Jahren stand der Torhüter wieder in einem WM-Spiel für Deutschland auf dem Platz. Mit seinem 20. Einsatz bei einer Weltmeisterschaft wurde der 40-Jährige zudem Rekordtorhüter.
Vor dem Spiel hatte Neuer betont, er gehe mit positiven Gedanken und viel Energie in sein fünftes WM-Turnier. Nagelsmann hatte ihn erst kurz vor der WM wieder zur Nummer eins gemacht und Oliver Baumann, der zuvor in der Qualifikation das Tor gehütet hatte, auf die Bank gesetzt.
Nagelsmann hob vor dem Spiel besonders Neuers enorme Turniererfahrung hervor. Ein Spieler wie er könne der Mannschaft Ruhe geben, habe auf der großen Bühne schon alles erlebt und sei weiterhin einer der besten Torhüter der Welt, sagte der Bundestrainer.
Der Start für Neuer verlief allerdings nicht ideal. Beim ersten Abschluss auf sein Tor war er machtlos, weil Joshua Kimmich den Schuss von Comenencia noch unglücklich abfälschte. Später sagte Neuer, ohne die Richtungsänderung hätte er den Ball wohl gehalten. Insgesamt fiel sein Fazit zum Comeback dennoch sehr positiv aus: Er habe lange auf diesen Moment gewartet, unbedingt wieder zwischen den Pfosten stehen wollen und sich mit der Mannschaft auf dem Platz sehr gut gefühlt.
Traumstart durch Nmecha, dann kurzer Bruch
Dabei begann die Partie aus deutscher Sicht nach Wunsch. Nmecha traf nach einem Doppelpass mit Florian Wirtz bereits in der 6. Minute. Es war das früheste deutsche WM-Tor seit Philipp Lahms Treffer beim Turnier 2006. Zunächst kontrollierte Deutschland Ball und Gegner, doch dann ließ die Intensität spürbar nach.
Nach dem Ausgleich wirkte das DFB-Team kurz verunsichert, diskutierte viel und verlor etwas den Rhythmus. Erinnerungen an die Fehlstarts gegen Mexiko 2018 und Japan 2022 kamen auf, doch diesmal fing sich die Mannschaft rechtzeitig.
Schlotterbeck trifft, Sané bleibt unglücklich
Deutschland antwortete mit mehr Druck und erspielte sich mehrere Chancen. Schlotterbeck traf nach einer Ecke von Nathaniel Brown zum 2:1 und sorgte damit für Erleichterung. Es war sein erster Treffer für die Nationalmannschaft, den er mit seinem typischen Muskel-Jubel feierte. Auch Aleksandar Pavlovic und Leroy Sané hatten gute Möglichkeiten.
Vor allem Sané stand dabei erneut im Fokus. Der Offensivspieler vergab nicht nur eine große Chance, sondern blieb auf der rechten Seite insgesamt blass. Damit dürfte die Diskussion über seine Rolle im Team weitergehen.
Positiv fiel dagegen Nathaniel Brown auf. Der Frankfurter Linksverteidiger, einer von fünf WM-Debütanten im deutschen Kader, zeigte eine starke Leistung und unterstrich damit seinen wachsenden Ruf. Laut „Bild“ soll sogar ein Wechsel zum FC Bayern für eine Ablöse von mehr als 50 Millionen Euro im Raum stehen.
Havertz vom Punkt sicher, Musiala legt direkt nach
Kurz vor dem Halbzeitpfiff erhöhte Havertz per Foulelfmeter auf 3:1, nachdem Nmecha zu Fall gebracht worden war. Für Havertz war es der fünfte verwandelte Strafstoß im sechsten Versuch im Nationaltrikot. Nmecha war damit einer der auffälligsten deutschen Spieler der ersten Hälfte und nach seiner Verletzungspause sofort wieder ein wichtiger Faktor.
Mit der Führung im Rücken spielte Deutschland nach der Pause deutlich sicherer. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn traf Musiala nach Zuspiel von Kimmich aus spitzem Winkel zum 4:1. Für den technisch starken Offensivspieler könnte dieses Tor auf dem Weg zurück zu alter Form besonders wichtig sein. Nagelsmann nahm ihn später vom Feld. Eine Verletzung lag nach Angaben des Bundestrainers nicht vor; Musiala habe sich bei der Auswechslung nur „sympathisch beschwert“.
Brown und Undav treffen ebenfalls
Spätestens mit dem 4:1 war die Partie entschieden. Im Trainerduell zwischen dem 38 Jahre alten Nagelsmann und dem 78-jährigen Dick Advocaat setzte sich damit der jüngste Coach des Turniers klar gegen den ältesten durch.
Sané ließ in der 63. Minute noch eine weitere gute Gelegenheit aus. Effektiver war Brown, der nach Vorarbeit des eingewechselten Deniz Undav das fünfte Tor erzielte. Danach durfte sich auch Undav selbst noch in die Torschützenliste eintragen. Nagelsmann nutzte die klare Führung außerdem, um Spielern wie Antonio Rüdiger und Leon Goretzka noch Einsatzzeit zu geben.
Brown sprach anschließend von einem unbeschreiblichen Gefühl, gleich in seinem ersten WM-Spiel getroffen zu haben. Die sieben Tore täten der Mannschaft gut, sagte er, verwies aber auch darauf, dass das Gegentor unnötig gewesen sei und man an den eigenen Schwächen arbeiten müsse.
Enttäuscht zeigte sich dagegen Curaçaos Trainer Dick Advocaat. Die Höhe der Niederlage habe seine Mannschaft nicht erwartet, sagte der frühere Bondscoach, betonte aber zugleich die Qualität der Deutschen. Für das kleine Land sei schon die WM-Teilnahme außergewöhnlich, nun hoffe man im zweiten Spiel auf eine Steigerung.
Den Schlusspunkt setzte erneut Havertz mit dem 7:1. Damit legte Deutschland einen erfolgreichen ersten Schritt hin – ob daraus mehr als nur ein gelungener Start wird, müssen allerdings erst die nächsten Gruppenspiele zeigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion