Neuer feiert starkes WM-Comeback mit neuen Bestmarken
Manuel Neuer ist zurück im Tor der deutschen Nationalmannschaft und hat bei seinem WM-Comeback sofort weitere Rekorde aufgestellt. Beim 7:1 gegen Curaçao in Houston bestritt der Keeper des FC Bayern sein 20. Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Mit 40 Jahren ist er außerdem der älteste deutsche Spieler, der jemals bei einer WM eingesetzt wurde.
Damit zog Neuer mit Frankreichs Hugo Lloris als Rekordtorhüter bei WM-Endrunden gleich. Lloris hatte ihn bei der WM 2022 in Katar durch den Finaleinzug der Franzosen zwischenzeitlich überholt, seine Karriere im Nationalteam aber inzwischen beendet.
Nach dem gelungenen Comeback genoss Neuer die Ehrenrunde vor den jubelnden deutschen Fans. Bei MagentaTV sagte er: „Entweder liebt man den Fußball oder nicht und deshalb ist es was ganz Besonderes für mich, jetzt auch dieses Turnier zusammen mit der Mannschaft gestartet zu haben.“
Auch sportlich fiel sein Fazit positiv aus. In der ARD erklärte Neuer nach dem Auftakt: „Jeder wünscht sich immer einen guten Start. Gerade in so einem Turnier ist es wichtig, dass wir gut gestartet sind, dass wir die Spielfreude an den Tag gelegt haben.“ Er habe jeden Tag auf diesen Moment gewartet. „Ich wollte unbedingt zwischen den Pfosten spielen. Es hat sich gut angefühlt, mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen.“
Gegentor als kleiner Makel
Ganz makellos verlief der Abend für Neuer dennoch nicht: Der erste Schuss von Curaçao auf sein Tor führte direkt zum zwischenzeitlichen 1:1. Folgen hatte das Gegentor am Ende allerdings nicht.
Neuer ärgerte sich über die Szene dennoch. „Wenn er nicht abgefälscht wird, habe ich ihn. Ich hätte ihn gern gehalten“, sagte der Keeper. Ansonsten wirkte er in der über weite Strecken einseitigen Partie so, als sei er nie weg gewesen, stand häufig weit vor seinem Tor und strahlte viel Ruhe aus.
Fünfte WM-Teilnahme auf einer Stufe mit Matthäus
Schon beim Aufwärmen wurde Neuer in Houston von den deutschen Fans lautstark gefeiert. Mit seiner nunmehr fünften WM-Teilnahme zieht er mit Lothar Matthäus gleich. Kein anderer deutscher Nationalspieler war bei mehr Weltmeisterschaften dabei.
Für diesen Meilenstein trägt Neuer einen sogenannten Legacy-Aufnäher auf dem Trikot. Mit dieser neuen Ehrung zeichnet die FIFA Spieler aus, die an fünf Weltmeisterschaften teilgenommen haben.
Seit der WM 2010 war Neuer bei jedem Turnier Deutschlands Nummer eins. Matthäus liegt bei den WM-Einsätzen mit 25 Partien allerdings weiter vor ihm. Um diesen Rekord noch zu übertreffen, müsste Deutschland mindestens das Viertelfinale erreichen – und Neuer in jeder Begegnung spielen.
Rückkehr nach dem Rücktritt bleibt Diskussionsthema
Inzwischen steht Neuer bei 125 Länderspielen. Nach der Heim-EM 2024 hatte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Für die WM in den USA holte Bundestrainer Julian Nagelsmann den erfahrenen Torhüter jedoch zurück.
Die späte Rückkehr sorgte für Diskussionen, weil Oliver Baumann dadurch erneut nur die Rolle des Ersatzkeepers einnehmen musste. Die kurzfristige Nominierung hatte viele kritische Stimmen ausgelöst.
Zusätzliche Brisanz bekam die Personalie, weil Neuer zuletzt wegen einer Muskelverhärtung in der linken Wade die WM-Tests gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) verpasst hatte. In diesen Partien stand Baumann im Tor.
Nagelsmann begründete die Rückholaktion vor allem mit Neuers enormer Erfahrung. Auch innerhalb der Mannschaft wurde im WM-Quartier in Winston-Salem zuletzt immer wieder die besondere Aura des Torwarts hervorgehoben. Der Münchner ist zudem der einzige verbliebene Weltmeister von 2014 im aktuellen DFB-Kader.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber