Neuer comebackt ins WM-Aufgebot
Manuel Neuer steht zwei Jahre nach seinem Rücktritt wieder im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte den Rekordkeeper des FC Bayern für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada – und machte bei der Präsentation des 26er-Kaders in der Futsal-Arena auf dem DFB-Campus in Frankfurt sofort klar: Neuer ist als Nummer eins eingeplant.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Nagelsmann dabei nicht nur sportlich. Mit bunten Socken im Zuckerstangen-Look zog er bei der Kader-Show die Blicke auf sich. Die pikante Pointe: Das Paar hatte er einst ausgerechnet von Oliver Baumann geschenkt bekommen – also jenem Torwart, den er nun kurz vor dem Abflug nach Nordamerika wieder hinter Neuer einordnet.
Nagelsmann verweist auf Neuers Aura und Weltklasse
Nagelsmann begründete die spektakuläre Kehrtwende offensiv. Neuer gebe einer Mannschaft Sicherheit, sagte der Bundestrainer. Dazu komme sein Weltklasse-Niveau, sein Name und die Wirkung auf Gegner. Jeder wisse, welche Aura ihn umgebe. Deshalb plane man mit ihm als Stammtorwart – und aus Sicht des Bundestrainers ist diese Entscheidung die richtige.
Was sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet hatte, ist damit offiziell. Noch zuletzt hatte Nagelsmann Fragen zu Neuer öffentlich eher umschifft, nun lieferte er eine ausführliche Erklärung für die Rückholaktion des langjährigen DFB-Kapitäns.
Baumann muss zurückstecken
Damit muss Oliver Baumann die Rückstufung kurz vor Turnierbeginn hinnehmen. Der Hoffenheimer galt lange als klare WM-Nummer eins, nachdem er in der Qualifikation im zweiten Halbjahr 2025 ein verlässlicher Rückhalt gewesen war. Nagelsmann sprach selbst von einem „Schlag“ für den 35-Jährigen.
Gleichzeitig lobte er Baumann ausdrücklich. Er sei ein absoluter Teamplayer, ein starker Charakter und werde die Mannschaft nicht im Stich lassen. Falls Neuer Probleme bekomme, traue er Baumann jederzeit eine herausragende Leistung zu. Baumann ist damit klar als 1b eingeplant. Als dritter Torwart gehört Alexander Nübel vom VfB Stuttgart zum offiziellen Aufgebot.
Auch Urbig reist als vierter Keeper mit
Weil bei Neuer trotz all seiner Klasse Alter und Verletzungsanfälligkeit ein Thema bleiben, plant der DFB zusätzlich mit Jonas Urbig. Der Bayern-Torwart reist als Trainingstorwart und vierter Schlussmann mit zur WM, steht aber nicht auf der offiziellen Kaderliste. Möglich wird dieses Novum durch die FIFA-Regeln.
Die Skepsis rund um Neuers Fitness bleibt bestehen. Der 40-Jährige wird aktuell noch von einer Wadenblessur begleitet, die auch kurz vor dem DFB-Pokalfinale des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart eine Rolle spielt.
Nagelsmann und das Team sind „mega heiß“
Nagelsmann bekräftigte zugleich seinen hohen Anspruch an das Turnier. Nach dem EM-Aus hatte er das Ziel Weltmeistertitel offensiv ausgegeben – und hält daran fest. Alle Mannschaften wollten Weltmeister werden, sagte er, und jeder nominierte Spieler habe die Verpflichtung, diesen Anspruch auch auf dem Platz zu zeigen.
Die Vorfreude sei groß, betonte der Bundestrainer. Er selbst und auch die Mannschaft seien „mega heiß“ auf das XXL-Turnier in Nordamerika. Bis zum Finale am 19. Juli in East Rutherford soll die DFB-Auswahl möglichst lange im Wettbewerb bleiben.
Nagelsmann räumte außerdem ein, wie belastend die Nominierung gewesen sei. Die Auswahl sei schwieriger gewesen als das Turnier selbst, sagte er sinngemäß. Gerade die Absagen seien in mehreren Fällen unangenehm gewesen.
Neuer ist der letzte Weltmeister von 2014
Mit Neuers Rückkehr steht auch fest: Er ist der einzige verbliebene Rio-Weltmeister im deutschen WM-Kader. Matthias Ginter vom SC Freiburg, der ebenfalls noch zum Kreis von 2014 gehörte, wurde nicht berücksichtigt.
Für Neuer ist es ein weiteres Kapitel in einer außergewöhnlichen DFB-Laufbahn. Von der WM 2010 bis zur EM 2024 stand er bei allen großen Turnieren im deutschen Tor. Mit 124 Länderspielen ist er Deutschlands Rekordkeeper, sein größter Erfolg bleibt der WM-Titel 2014 in Brasilien.
Lange hatte eine Rückkehr fast als ausgeschlossen gegolten. Nagelsmann wollte ursprünglich mit Marc-André ter Stegen als Nummer eins in das Turnier gehen. Mehrere schwere Verletzungen des Barcelona-Keepers veränderten die Lage aber grundlegend. Neuer selbst hatte seinen Rücktritt einst auch in der Erwartung erklärt, dass ter Stegen dauerhaft übernehmen würde.
Kommunikation und Debatten um die Torwartfrage
Rund um die Torwartentscheidung hatte es viele öffentliche Debatten gegeben. Immer wieder war gefordert worden, bei der WM müsse der beste deutsche Torwart spielen. Einzelne Weltklasseleistungen Neuers in der Champions League hatten diese Diskussion zusätzlich befeuert.
Nagelsmann wollte nicht behaupten, dass sein öffentliches Vorgehen in der Debatte immer perfekt gewesen sei. Mit seiner Kommunikation sei er insgesamt aber weiter im Reinen. Nach zuletzt vielen Spekulationen richtet sich der Fokus nun auf das Turnier.
Vorbereitung startet in Herzogenaurach
Die unmittelbare WM-Vorbereitung beginnt in der kommenden Woche mit einem viertägigen Trainingslager in Herzogenaurach. Am 31. Mai folgt in Mainz das Testspiel gegen Finnland. Zwei Tage später reist die Nationalmannschaft nach Chicago weiter, wo am 6. Juni gegen Co-Gastgeber USA die Generalprobe ansteht.
In der Gruppenphase spielt Deutschland am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, am 20. Juni in Toronto gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni in East Rutherford gegen Ecuador. Während der Weltmeisterschaft bezieht die DFB-Auswahl ihr Quartier in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina.
Kimmich führt das Team an
Angeführt wird das deutsche WM-Aufgebot von Kapitän Joshua Kimmich. Zu seinen Stellvertretern zählen Kai Havertz und Antonio Rüdiger, die nach längeren Verletzungspausen rechtzeitig wieder in Turnierform kommen sollen. Auch Felix Nmecha hat trotz seiner Verletzung den Sprung in den Kader geschafft.
Hinzu kommt Jamal Musiala, den Nagelsmann nahezu auf Weltspitzenniveau einordnet. Der Bundestrainer sagte, Musiala gehöre für ihn schon mit „95 Prozent“ zu den besten Spielern des Planeten. Der jüngste Spieler im Aufgebot ist Bayern-Talent Lennart Karl. Der 18-Jährige bringt bereits die Erfahrung aus zwei Länderspielen mit und zählt zu den auffälligsten Nachwuchskräften im deutschen Team.
El Mala doch nicht dabei – Beier und Amiri rücken hinein
Entgegen vorherigen Meldungen aus Köln fährt Said El Mala nicht zur Weltmeisterschaft. Der 19 Jahre alte Angreifer des 1. FC Köln hat noch kein Länderspiel absolviert, hatte sich mit seinen Leistungen aber Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht.
Dafür berief Nagelsmann mit Maximilian Beier und Nadiem Amiri zwei Spieler, die in diesem Jahr bislang nicht berücksichtigt worden waren. Kein Platz blieb dagegen für Tom Bischof vom FC Bayern. Matthias Ginter erhielt ebenfalls keine Einladung.
Sieben Bayern-Spieler – und Rückendeckung für Sané
Auffällig ist zudem die Vereinsverteilung im Kader: Der FC Bayern stellt mit sieben Spielern den größten Block, dahinter folgen der VfB Stuttgart und Borussia Dortmund mit jeweils vier Profis.
Nagelsmann verteidigte außerdem die Nominierung von Leroy Sané. Der Offensivspieler werde zwar kontrovers diskutiert, bringe aber Qualitäten mit, die für das Turnier wichtig sein können. Der Bundestrainer traut sich zu, Sané so zu erreichen, dass am Ende der WM mehr positive als negative Stimmen über ihn zu hören sein werden. Zum Start des Turniers dürfte Sané eher aus einer Herausforderer-Rolle kommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion