Nürnberger Dokumentationszentrum eröffnet nach Umbau eine deutlich erweiterte Ausstellung
Nach fünf Jahren Sanierung und Neugestaltung nimmt das Nürnberger Dokumentationszentrum seine neue Dauerausstellung zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Betrieb. Auf rund 1.600 Quadratmetern ist die Präsentation erheblich gewachsen und setzt inhaltlich neue Akzente.
Ab Freitag läuft zunächst ein Probebetrieb, die offizielle Eröffnung ist für November geplant. In den kommenden Monaten sollen Technik, didaktische Angebote und inklusive Vermittlungsformate gemeinsam mit dem Publikum erprobt und weiter verbessert werden.
Historischer Ort mit Blick auf die Gegenwart
Die Ausstellung zeichnet mit etwa 500 Originaldokumenten, 250 Objekten sowie zahlreichen Bild- und Medienelementen Geschichte und Bedeutung des Reichsparteitagsgeländes nach. Zugleich sollen Besucherinnen und Besucher immer wieder Verbindungen zur Gegenwart herstellen.
Neu ist unter anderem ein umfangreicher Bereich zur Nutzung des Geländes im Zweiten Weltkrieg. Dabei werden auch aktuelle Forschungsergebnisse zu Zwangsarbeit und Deportationen aufgegriffen.
Objekte sollen nicht als NS-Devotionalien wirken
Zu den Exponaten zählen unter anderem ein Spaten des Reichsarbeitsdienstes, ein hölzerner Reichsadler, Scheinwerfer von der Zeppelintribüne und Fahnen aus der NS-Zeit. Sie verdeutlichen, wie die Nationalsozialisten das große Areal im Südosten Nürnbergs zur Inszenierung ihrer Macht einsetzten.
Nach Angaben des Zentrums ist es das erste Mal, dass in dieser Form mit Originalobjekten gearbeitet wird. Die Kuratorinnen legten jedoch großen Wert darauf, die Stücke so zu präsentieren, dass sie nicht verklärt oder wie Erinnerungsstücke an das Regime wirken. So werden Fahnen gefaltet gezeigt, der Reichsadler liegt zerlegt in einer Vitrine.

Transparenz bei Quellen als Antwort auf Fälschungen im Netz
Ein zentrales Element der neuen Schau ist der offene Umgang mit historischen Quellen. Bei Fotos und Dokumenten wird jeweils kenntlich gemacht, aus welchem Bestand das Original stammt. Markierungen und Lupen sollen nachvollziehbar machen, welche Erkenntnisse sich etwa aus Aufnahmen zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Nürnberg oder zur Deportation jüdischer Menschen gewinnen lassen.
Das Dokumentationszentrum will damit bewusst Vertrauen schaffen. Hintergrund ist auch die wachsende Zahl gefälschter historischer Bilder, Dokumente und Videos im Internet, die zunehmend mit Hilfe künstlicher Intelligenz verbreitet werden. Solche Fälschungen sorgten für Verunsicherung und könnten Zweifel an historischen Tatsachen insgesamt verstärken.
Reichsparteitagsgelände prägt Nürnberg bis heute
Zwischen 1933 und 1938 nutzten die Nationalsozialisten Nürnberg für ihre mehrtägigen Reichsparteitage. Nach Angaben der Kuratorin kamen in dieser Zeit rund eine Million Menschen in die Stadt, um an Aufmärschen, Paraden und Appellen teilzunehmen oder diese zu verfolgen.
Schauplatz war ein rund elf Quadratkilometer großes Gelände, das jedoch weitgehend unvollendet blieb. Fertiggestellt wurden im Wesentlichen nur das Zeppelinfeld und die Haupttribüne, die bis heute erhalten sind.
Nach Angaben der Stadt besuchen jedes Jahr etwa 300.000 Menschen aus dem In- und Ausland das Areal, um sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Weil es kaum noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, gewinnen die erhaltenen Bauten als historische Zeugnisse weiter an Bedeutung.
Ausbau zum Lernort bis 2030 geplant
Die Stadt Nürnberg will das Gelände deshalb bis Ende 2030 zu einem umfassenden Lernort weiterentwickeln und zugleich die sanierungsbedürftigen Bauwerke sichern. Vorgesehen sind unter anderem eine Ausstellung im Inneren der Zeppelintribüne sowie ein Besucherzentrum im Bahnhof Dutzendteich, der einst von den Nationalsozialisten genutzt wurde.
Für die Maßnahmen auf dem Zeppelinfeld und an der Kongresshalle stellen Bund und Freistaat Bayern insgesamt 127,5 Millionen Euro bereit. Die Kongresshalle soll künftig als Kulturstandort mit Ateliers, Ausstellungsflächen und einer Ausweichspielstätte für das Staatstheater genutzt werden. Die entsprechenden Förderbescheide sollen am Freitag symbolisch überreicht werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion