Lahm fordert nach WM-Enttäuschung umfassende Analyse
Philipp Lahm sieht nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM großen Handlungsbedarf. Der frühere Weltmeister-Kapitän sagte am Rande der BMW International Open, dass nach drei verpassten Achtelfinals bei Weltmeisterschaften in Serie grundsätzlich alles hinterfragt werden müsse. So sprach er davon, über alle Beteiligten nachdenken zu müssen. Das Aus im Elfmeterschießen der ersten K.-o.-Runde gegen Paraguay habe ihn besonders getroffen – so fassungslos sei er selten gewesen.
Für Lahm zählt vor allem Kontinuität
Aus Sicht des langjährigen Nationalspielers ist Beständigkeit ein zentraler Erfolgsfaktor im Fußball. Ebenso wichtig sei eine klare Vorstellung davon, wie eine Mannschaft auftreten wolle. Deutschland habe eine solche Linie früher über lange Zeit gehabt, derzeit fehle sie aber seit geraumer Weile. Deshalb müsse nun genau geklärt werden, wie die Nationalmannschaft künftig offensiv und defensiv spielen solle.
Lahm verwies zudem darauf, dass alle drei Teams aus der deutschen Gruppe später bereits im Sechszehntelfinale ausgeschieden seien. Auch das spreche nicht für die Qualität der Gruppe. Für ihn steht deshalb im Mittelpunkt, zuerst die grundlegende Frage zu beantworten, welchen Fußball Deutschland überhaupt spielen will.
Vorbilder: Spanien, Frankreich und Argentinien
Der 42-Jährige empfahl einen Blick auf die führenden Fußballnationen. Bei Spanien, Frankreich und Argentinien erkenne man seit Jahren eine klare Spielidee und einen wiedererkennbaren Stil. Lahm äußerte sich dazu in Eichenried bei München, wo er auch über ein gemeinsames Projekt des Golfturniers mit der Philipp-Lahm-Stiftung zugunsten von Kindern sprach.

Bei der Aufarbeitung des WM-Misserfolgs müsse der DFB zunächst die künftige sportliche Ausrichtung festlegen. Erst danach könne entschieden werden, ob das aktuelle Trainerteam dafür die richtige Besetzung sei oder ob es Veränderungen brauche. Diese Entscheidung liege letztlich beim Verband. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte zuletzt betont, seinen Vertrag bis 2028 erfüllen zu wollen.
Keine konkrete DFB-Rolle geplant
Auf die Frage nach einer möglichen Zukunft als DFB-Funktionär reagierte Lahm zurückhaltend. Derzeit suche er keine neue Aufgabe. Zwar wolle er grundsätzlich nichts ausschließen, im Moment sei er mit seinem Leben jedoch zufrieden, wie es sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber