Fußball

Nach Sperre zurück: Vuskovic wird zum HSV-Hoffnungsträger

HSV am Boden – doch ausgerechnet jetzt sorgt Vuskovics emotionales Comeback kurz vor Sperr-Ende für Hoffnung und Rätsel.

14.09.2026, 13:42 Uhr

Vuskovic-Rückkehr lenkt beim HSV kurzzeitig von der Krise ab

Der Hamburger SV kann für einen Moment seine derzeitige sportliche Misere ausblenden. Am Dienstag um 15.00 Uhr steht für Mario Vuskovic ein besonderer Schritt an: Rund zwei Monate vor dem Ende seiner Dopingsperre darf der Kroate erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. Weil Verein und Fans seit Jahren auf diesen Augenblick warten, hat Trainer Merlin Polzin die Einheit ins Volksparkstadion verlegt.

Comeback überlagert den Fehlstart vorerst

Eigentlich gäbe es beim HSV nach dem desaströsen Saisonbeginn dringend andere Baustellen. Nach dem 0:5 bei RB Leipzig stehen die Hamburger mit null eigenen Treffern, zwölf Gegentoren und dem letzten Tabellenplatz da. Trotzdem rückt die Rückkehr des 24 Jahre alten Innenverteidigers die angespannte Lage zumindest für einige Stunden in den Hintergrund.

Polzin hatte bereits vor dem Leipzig-Spiel betont, dass keine große Inszenierung geplant sei. Wichtig sei vielmehr, Vuskovic einen wertschätzenden Empfang zu bereiten. Vor allem freue sich der Abwehrspieler darauf, wieder Zeit mit der Mannschaft in Kabine, Kraftraum und auf dem Trainingsplatz zu verbringen.

Erstmals zurück nach fast vier Jahren

Für Vuskovic wird der 15. September 2026 ein besonderer Tag. Seit dem 15. November 2022 war ihm jegliches Mannschaftstraining untersagt, nachdem bei einer Trainingskontrolle Erythropoetin (Epo) in seinem Urin festgestellt worden war. Der Kroate weist die Vorwürfe bis heute zurück.

Der Fall sorgte weit über Hamburg hinaus für Diskussionen. Der HSV stellte sich öffentlich hinter seinen Spieler, Verantwortliche begleiteten ihn auch bei juristischen Terminen. Zudem entfachte der Fall eine Debatte über die angewandten Nachweismethoden. Am Ende blieb es jedoch bei einer vierjährigen Sperre.

RB Leipzig - Hamburger SV
Enttäuschung in Leipzig: Der HSV verliert schon wieder hoch. Quelle: Jan Woitas/dpa

Solidarität mit "Free Vuskovic"

Ganz verschwunden war Vuskovic aus dem Umfeld des HSV in dieser Zeit nie. Immer wieder zeigten Fans und Mitspieler ihre Unterstützung, etwa mit Trikots seiner Rückennummer 44 und dem Schriftzug "Free Vuskovic". Er hielt Kontakt zur Mannschaft, besuchte Spiele im Stadion und feierte 2025 den Bundesliga-Aufstieg von der Tribüne aus mit.

Aus dem damaligen Team sind mit Daniel Heuer Fernandes, Bakery Jatta und Miro Muheim noch drei Weggefährten im Kader.

Auch sein Bruder Luka entschied sich wohl nicht zuletzt wegen dieser Verbindung zum HSV in der vergangenen Saison für ein Leihgeschäft von Tottenham nach Hamburg. Er trug ebenfalls die Nummer seines Bruders und hatte großen Anteil am Klassenerhalt. Der Wunsch, beide gemeinsam im HSV-Trikot auf dem Feld zu sehen, erfüllte sich allerdings nicht. Luka spielt inzwischen für Brighton in der Premier League.

Ein ungewöhnlicher Neustart

Ob und wann Mario Vuskovic wieder Bundesliga-Niveau erreichen kann, ist offen. Während der Sperre hielt er sich in seiner Heimat Split mit individuellem Training fit, unter anderem mit Josko Vlasic, dem früheren kroatischen Zehnkampfmeister und Vater von Hochsprung-Olympiasiegerin Blanka Vlasic.

Polzin bescheinigte ihm zuletzt einen sehr fitten und dynamischen Eindruck. Dennoch bleibt die Aufgabe außergewöhnlich: Vier Jahre ohne Mannschaftstraining, ohne Spielpraxis, ohne eingespielte Abläufe und ohne regelmäßige Zweikämpfe – ein solcher Rückweg ist im Bundesliga-Kontext bislang praktisch einmalig.

Hinzu kommt die mentale Seite. Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt bezeichnete Vuskovic im "Kicker" als außergewöhnlichen Charakter, der vieles mitbringe, um diese Situation zu meistern. Gleichzeitig warnte er davor, die Rückkehr nur als sportliches Experiment zu betrachten. Im Mittelpunkt müsse der Mensch stehen.

Defensivprobleme machen die Lage beim HSV brisant

Bevor Vuskovic überhaupt wieder in einem Pflichtspiel eingesetzt werden darf, muss er noch zwei Monate warten. Das erste mögliche Spiel nach Ablauf der Sperre am 15. November wäre ausgerechnet das Nordderby beim SV Werder Bremen. Dass er dann bereits einsatzbereit ist, erscheint jedoch kaum realistisch.

Dabei könnte der HSV einen starken Innenverteidiger derzeit dringend gebrauchen. Vor dem 0:5 in Leipzig hatte die Mannschaft bereits eine Woche zuvor mit 0:5 gegen Mainz 05 verloren.

Torhüter Daniel Heuer Fernandes forderte nach dem erneuten Debakel mehr Stabilität und Ruhe im Defensivverhalten. Es dürfe nicht passieren, erneut fünf Gegentore zu kassieren. Auch wenn die Abwehr zuletzt teils chaotisch wirkte, versuchte Kapitän Nicolai Remberg, wenigstens einige positive Ansätze aus den Spielen mitzunehmen.

So bleibt Vuskovics Rückkehr vorerst vor allem eines: ein Hoffnungsschimmer in schwierigen Zeiten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen