Ein Vorfall vom vergangenen Wochenende beschäftigt Manuel Baum offenbar weiterhin sehr. Der Trainer des FC Augsburg berichtete, dass die Mannschaft einen Tag nach dem frustrierenden 1:1 gegen Union Berlin zusammenkam, um über die massiven Anfeindungen gegen Juma Bah zu sprechen. Der 20-jährige Abwehrspieler und seine Familie wurden im Netz rassistisch beleidigt und sogar mit dem Tod bedroht. Der FCA reagierte noch am Samstagabend, verurteilte die Kommentare scharf und kündigte eine Anzeige an.
Solche Attacken können Spieler schwer treffen. Baum hofft jedoch, dass die Geschehnisse das Team in Augsburg eher noch enger zusammenbringen. Am Sonntag, so schilderte er, hätten Spieler, Trainerstab und Sportdirektor Benni Weber gemeinsam klargemacht, dass Wegsehen keine Option sei und man geschlossen hinter Bah stehe. Besonders beeindruckt zeigte sich Baum von der Reaktion des Verteidigers: Bah habe mit einem Lächeln in der Kabine gesessen, weil er gespürt habe, wie deutlich sich der Verein vor ihn stelle.
Baum hofft auf positive Wirkung bei Bah
Schon am Dienstag wartet auf die Schwaben die nächste Aufgabe: In der zweiten Runde des DFB-Pokals tritt Augsburg um 18.00 Uhr bei Drittligist SG Sonnenhof Großaspach an. Beim FCA besteht die Hoffnung, dass Bah aus den schlimmen Erlebnissen sogar zusätzliche Kraft ziehen kann. Baum kündigte an, das Gespräch mit dem von Manchester City ausgeliehenen Verteidiger zu suchen, um herauszufinden, ob ihn der Rückhalt im Verein womöglich noch stärker mache und ihm zusätzliche Sicherheit gebe.
Die schnelle und klare Haltung des Clubs direkt am Samstagabend lobte der Trainer ausdrücklich. Das Vorgehen des Vereins sei aus seiner Sicht "echt bemerkenswert" und "wirklich herausragend" gewesen.
Nach seinem Platzverweis gegen Union ist Bah in der Bundesliga wegen rohen Spiels für zwei Partien gesperrt, im Pokal ist er jedoch einsatzberechtigt. Sicher fehlen wird dagegen Calvin Brackelmann. Der Verteidiger zog sich im Spiel gegen Union eine Kopfverletzung zu und befindet sich nun im vorgeschriebenen Gehirnerschütterungsprotokoll. Damit fällt er nicht nur für Großaspach aus, sondern auch für das Bundesligaspiel am Samstag gegen Freiburg.
Augsburg muss noch weitere Ausfälle fürchten
Auch darüber hinaus könnte die personelle Lage beim FCA angespannt bleiben. Baum sprach von weiteren muskulären Problemen im Kader. Bei einigen Spielern sei noch offen, ob ein Einsatz verantwortbar sei oder ob man lieber kein Risiko eingehe.
Dabei hatte Augsburg bei der Auslosung eigentlich eine günstige Aufgabe erwischt. In der zweiten Runde geht es gegen einen Drittligisten. Gerade deshalb betonte Sportdirektor Weber nach dem fünften Spiel in Serie ohne Sieg die Bedeutung des Wettbewerbs. Augsburg sei klarer Favorit, sagte er sinngemäß. Nun gelte es, sich rasch zu erholen und das enttäuschende Ergebnis vom Wochenende abzuhaken. Der Pokal sei schließlich die schnellste Chance, als Verein etwas Besonderes zu erreichen.
Der Weg nach Berlin ist für Baum klar
Trainer Baum sieht das ähnlich und blickt mit Vorfreude auf den Wettbewerb. Mit einem Lächeln rechnete er vor, dass bis zum Finale in Berlin nur noch vier Spiele fehlen würden. Augsburg wolle den kürzesten Weg dorthin entschlossen angehen und im Pokal mit voller Energie auftreten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber