Fußball

Klopp zum DFB? Warum Red Bull den Bundestrainer bestimmt

Klopp steht beim DFB offenbar vor der Unterschrift: In New York fiel die Grundsatzeinigung – doch eine brisante Hürde bleibt.

12.07.2026, 13:19 Uhr

Klopp vor Wechsel zum DFB: Grundsatz-Einigung in New York

Jürgen Klopp steht offenbar kurz davor, die deutsche Nationalmannschaft zu übernehmen. Während der laufenden WM war der 59-Jährige eigentlich als TV-Experte im Einsatz, doch nun scheint sich daraus direkt die Vorbereitung auf seine womöglich wichtigste Aufgabe zu entwickeln: Deutschlands Auswahl wieder an die Weltspitze heranzuführen.

Nach Gesprächen mit der DFB-Spitze in New York deutet alles darauf hin, dass Klopp deutlich mehr Einfluss erhalten würde als sein Vorgänger Julian Nagelsmann. Eine grundsätzliche Verständigung über eine Zusammenarbeit bis zur WM 2030 soll bereits erzielt worden sein. Ganz abgeschlossen ist der Deal aber noch nicht, denn ein entscheidender Partner muss zustimmen: Red Bull.

DFB und Klopp erzielen Einigung über zentrale Vertragsinhalte

Bei einem mehrstündigen Treffen in einem Hotel nahe dem John-F.-Kennedy-Flughafen kamen DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, Klopp und dessen Berater Marc Kosicke zusammen. Das Gespräch verlief nach Angaben des Verbandes konstruktiv.

Der DFB teilte anschließend mit, dass man sich über wesentliche Eckpunkte eines möglichen Vertrages verständigt habe. Die Verhandlungen sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Damit scheint die Nachfolge von Nagelsmann in eine entscheidende Phase zu gehen. Allerdings steht die Einigung unter einer klaren Bedingung: Auch Klopps aktueller Arbeitgeber Red Bull muss dem Wechsel zustimmen.

Red Bull hält den Schlüssel in der Hand

Klopp ist derzeit noch bis 2029 als "Head of Global Soccer" an Red Bull gebunden. Deshalb liegt die letzte Entscheidung nicht allein beim DFB und dem Trainer selbst, sondern maßgeblich auch bei Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.

Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke
«Eckpunkte»-Einigung mit Klopp: Bernd Neuendorf (l) und Hans-Joachim Watzke haben in New York ihr Ziel erreicht. (Archivbild) Quelle: Tom Weller/dpa

Damit bekommt Mintzlaff in den Verhandlungen eine zentrale Rolle. Für Red Bull wäre ein solcher Schritt ein großer Prestigegewinn, schließlich würde Klopp trotz eines möglichen DFB-Amtes weiterhin mit dem Konzern in Verbindung gebracht.

Klopp hatte sich in der Vergangenheit positiv über Mintzlaff geäußert und betont, dass diesem der deutsche Fußball wichtig sei. Bemerkenswert ist zudem, dass Mintzlaff nach dem WM-Debakel 2022 bereits Teil jener Task Force war, die beim DFB Reformen anstoßen sollte.

Diskussion über Klopps Verbindung zu Red Bull

Als möglicher Ausweg gilt ein Modell, bei dem Klopp auch während seiner Tätigkeit als Bundestrainer als Markenbotschafter für Red Bull erhalten bleibt. Genau dieser Gedanke sorgt jedoch beim Amateurbereich des DFB für Skepsis. Dort wird befürchtet, dass ein Unternehmen zu viel Einfluss auf die Nationalmannschaft bekommen könnte.

Entscheidend ist am Ende aber die Haltung der zuständigen DFB-Gremien. Die Gesellschafterversammlung und der Aufsichtsrat der DFB GmbH & Co. KG müssen einen Vertrag mit Klopp absegnen. Nach Informationen aus dem Verband unterstützen wichtige Landesverbandsvertreter die Pläne von Neuendorf weiterhin.

Der DFB-Präsident hält die Gremien fortlaufend auf dem Laufenden und soll für die Gespräche mit Klopp einen großen Handlungsspielraum erhalten haben – wenn auch nicht ohne Grenzen.

Zustimmung von Red Bull wird zeitnah erwartet

Nun richtet sich der Blick auf die endgültige Entscheidung aus dem Red-Bull-Lager. Es wird damit gerechnet, dass bald Klarheit herrscht. Auch Mintzlaff soll nach New York reisen, wo sich Klopp derzeit aufhält.

Sollte die Einigung zustande kommen, hätte die Verpflichtung eines Bundestrainers mit Namen Jürgen erneut eine bemerkenswerte New-York-Geschichte: Schon 2004 führte der DFB in der US-Metropole entscheidende Gespräche mit Jürgen Klinsmann, bevor dieser das Nationalteam übernahm.

Klinsmann beschreibt das Profil des Bundestrainers

Ausgerechnet Klinsmann lieferte während der WM nun eine treffende Beschreibung dessen, was ein Nationaltrainer mitbringen müsse. Sein Kernpunkt: Wer diesen Posten ausfüllt, ist vor allem ein Menschenmanager.

Genau darin sehen viele eine besondere Stärke Klopps. Sowohl bei Borussia Dortmund als auch beim FC Liverpool bewies er, dass er Mannschaften formen, Spieler entwickeln und Teams zu Erfolgen führen kann. Seine Fähigkeit, aus Gruppen eine geschlossene Einheit zu machen, gilt als eines seiner größten Pfunde.

Viele offene Fragen vor Klopps möglichem Start

Bis Klopp tatsächlich mit der Nationalmannschaft arbeiten könnte, vergehen allerdings noch einige Wochen. Danach würde in Herzogenaurach die Vorbereitung auf die ersten Länderspiele nach der WM beginnen. Das Programm hätte es direkt in sich: vier Spiele innerhalb von zehn Tagen gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland.

Dann wird sich zeigen, welche Schlüsse Klopp aus seinen WM-Beobachtungen gezogen hat. Vor allem mit Blick auf die EM 2028 stellen sich zahlreiche Fragen:

  • Wie soll der Perspektivkader aussehen?
  • Welche erfahrenen Spieler jenseits der 30 bleiben wichtig?
  • Welche Rolle spielen Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger oder Serge Gnabry?
  • Wer wird Kapitän?
  • Wer geht als Nummer eins im Tor in die neue Phase?

Welchen Fußball würde Klopp spielen lassen?

Ebenso spannend ist die sportliche Ausrichtung. Viele erwarten, dass Klopp der DFB-Elf wieder mehr Intensität, Pressing und schnelles Umschaltspiel geben würde – statt eines oft behäbig wirkenden Ballbesitzfußballs.

Nach dem WM-Aus Deutschlands hatte Klopp bereits deutlich gemacht, dass der deutsche Fußball an einem Wendepunkt angekommen sei. Es brauche grundlegende Veränderungen, sagte er damals noch in seiner Rolle als Fernseh-Experte. Vieles spricht nun dafür, dass er diese Veränderungen schon bald selbst anstoßen könnte – als neuer Bundestrainer.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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