Fußball

Klopp und Kakerlaken: So irre wird das WM-Finale

Nur noch Tage? Im Bundestrainer-Krimi um Jürgen Klopp nimmt alles Fahrt auf – sogar der Plan für die Enthüllung steht schon.

19.07.2026, 12:38 Uhr

Klopp steht vor Zusage als Bundestrainer – Einigung mit Red Bull erzielt

Deutschland ist offenbar nur noch wenige Schritte von der Verpflichtung eines neuen Bundestrainers entfernt. Jürgen Klopp hat kurz vor dem WM-Finale selbst deutlich gemacht, dass seine Übernahme der Nationalmannschaft unmittelbar bevorsteht. Nach eigenen Angaben gibt es mit Red Bull bereits eine Einigung über seinen Ausstieg aus der eigentlich bis 2029 angelegten Aufgabe als globaler Fußballchef.

Eine offizielle Unterschrift und die Präsentation auf dem DFB-Campus in Frankfurt stehen zwar noch aus, doch der Zeitplan ist klar umrissen: Spätestens am Freitag soll der Wechsel vollzogen werden. Voraussetzung bleibt, dass bei den letzten vertraglichen und formalen Schritten keine neuen Hürden auftauchen.

Klopp spricht selbst über den Stand

Vor seinem letzten Experten-Einsatz für MagentaTV rund um das WM-Endspiel in East Rutherford sprach Klopp ungewöhnlich offen über den Stand der Dinge. Er erklärte, mit Red Bull eine Regelung gefunden zu haben, die er selbst als sehr großzügig bezeichnete. Gleichzeitig betonte der 59-Jährige, dass noch nicht alles endgültig abgeschlossen sei.

Nach seinen Worten laufe zwar noch die abschließende Abstimmung, insgesamt bewege sich aber alles klar in Richtung einer Verkündung. Damit lieferte Klopp selbst den bislang deutlichsten Hinweis darauf, dass er die deutsche Nationalmannschaft übernehmen wird.

Präsentation in Frankfurt rückt näher

Der Masterplan sieht vor, dass der Deal in den kommenden Tagen offiziell gemacht wird. Die Vorstellung soll auf dem DFB-Campus in Frankfurt stattfinden. Klopp sagte dazu sinngemäß, dass zwar noch nichts entschieden sei, man von einer Bekanntgabe aber nicht mehr weit entfernt sei.

Nebenbei zeigte sich Klopp auch genervt von den zahlreichen Informationen, die zuletzt aus den Verhandlungen nach außen gedrungen waren. Ohne Details zu nennen, deutete er an, dass einige Indiskretionen aus dem Umfeld seines künftigen Arbeitgebers gekommen sein könnten.

Gespräche mit Red Bull abgeschlossen

Ein zentraler Schritt ist bereits erledigt: Das klärende Gespräch mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff hat stattgefunden. Dabei ging es um Klopps Abschied aus seiner bisherigen Rolle und um die vertragliche Ausgestaltung des Wechsels.

Mit der Einigung auf dieser Ebene ist die größte Hürde offenbar genommen. Nun richtet sich der Blick auf die letzten Formalitäten zwischen Klopp und dem DFB.

Zustimmung der DFB-Gremien steht noch aus

Bevor der Wechsel offiziell vollzogen werden kann, müssen die zuständigen Gremien der DFB GmbH und Co. KG zustimmen. Nach den Statuten des Verbandes ist dafür eine Sitzung von Aufsichtsräten und Gesellschaftern notwendig, die in der Regel digital stattfindet.

Der DFB äußerte sich auf Anfrage weiter zurückhaltend und verwies darauf, dass eine endgültige Entscheidung erst von den zuständigen Gremien getroffen werde. Eingeladen wird die virtuelle Sitzung von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der den Verband bislang sachlich durch die Krise führt.

DFB unter Druck nach dem WM-Aus

Beim Verband wächst der Wunsch nach schnellen positiven Schlagzeilen. Das frühe Scheitern bei der WM wirkt noch immer nach. Besonders schmerzhaft war das Zwischenrunden-Aus gegen Paraguay, das das schnelle Ende von Julian Nagelsmann als Bundestrainer besiegelte.

Auch beim WM-Finale in New Jersey blieb der DFB auffallend unsichtbar. Aus der Verbandsspitze war niemand als Gast von FIFA-Präsident Gianni Infantino vor Ort, auch Bernd Neuendorf fehlte. Auf internationaler Bühne wirkte der deutsche Fußball damit erneut bemerkenswert abwesend.

Zwischen Kakerlaken, Krisensymbolen und Neustart

Abseits des Platzes blieb zuletzt vor allem die Geschichte über Kakerlaken im DFB-Teamhotel in North Carolina hängen. Mit dem sportlichen Scheitern hatte das zwar wenig zu tun, als Symbol für den Zustand des deutschen Fußballs taugt die Episode aber dennoch.

Die Distanz zur Weltspitze ist derzeit offensichtlich. Während Argentinien um Lionel Messi erneut seine Turnierstärke unter Beweis stellte, ringt Deutschland mit grundlegenden Fragen zu Struktur, Mentalität und Qualität.

Klopp kennt die Größe der Aufgabe

Klopp hatte schon kurz nach dem deutschen Scheitern erkennen lassen, wie groß die Aufgabe sein würde. Damals sagte er, auf den künftigen Bundestrainer warte eine Menge Arbeit. Rückblickend wirkte diese Einschätzung bereits wie eine Vorwegnahme seiner eigenen Mission.

Ihm ist bewusst, wie riskant und anspruchsvoll der Job ist. Zugleich machte er deutlich, dass viel Zeit nicht bleibt: Bis zum nächsten Länderspiel in den Niederlanden sind es nur rund 60 Tage. Dann soll er bereits auf der deutschen Trainerbank sitzen.

Klinsmann spart nicht mit Kritik

Jürgen Klinsmann fand für den Zustand der Nationalmannschaft besonders deutliche Worte. Der frühere Bundestrainer sprach von einem Absturz ins Mittelmaß und sagte, Deutschland sei inzwischen irgendwo verloren angekommen. Teilweise müsse man sich dafür sogar schämen.

Vor allem den Spielern stellte er ein hartes Zeugnis aus. Aus seiner Sicht fehlten Widerstandskraft, Leidensfähigkeit und die Bereitschaft, sich Respekt zu verschaffen. Als Gegenbeispiel nannte er Argentinien, das aus seiner Sicht bei diesem Turnier gezeigt habe, wie man mit letzter Konsequenz und großem Willen auch enge Spiele auf seine Seite ziehe.

Klinsmann traut Klopp jedoch zu, genau diese Haltung wieder zu wecken. Er halte ihn für den richtigen Typen, um einen echten Neuanfang einzuleiten, weil er Energie, Klarheit und die Fähigkeit mitbringe, Menschen mitzunehmen.

Lahm fordert das Ende von Sonderlösungen

Auch Philipp Lahm hat seine Erwartungen an den wohl neuen Bundestrainer klar formuliert. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung forderte der Weltmeister-Kapitän von 2014 mehr Klarheit und Ordnung.

Nagelsmann habe aus seiner Sicht zu viel experimentiert und Spieler zu oft auf ungewohnten Positionen eingesetzt. Deutschland dürfe keine Sonderwege mehr gehen, sondern müsse sich stärker an den Anforderungen des internationalen Spitzenfußballs orientieren. Genau dorthin soll Klopp die Nationalmannschaft nun zurückführen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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