Neunjährige gesteht Manipulation an Halloween-Schokoriegel
Nach dem Fund eines Holzspießes in einem Halloween-Schokoriegel im Landkreis Hildburghausen hat ein neun Jahre altes Mädchen eingeräumt, den Gegenstand selbst in die Süßigkeit gesteckt zu haben. Warum sie das tat, ist nach Angaben der Polizei weiter unklar.
Der Vater des Kindes meldete sich am Morgen bei der Polizei, um seine Anzeige zurückzuziehen. Zuvor habe er seiner Tochter in einem ernsten Gespräch erklärt, dass der betroffene Schokoriegel als Beweisstück für die Untersuchung benötigt werde. Daraufhin habe das Mädchen gestanden, den Holzspieß eigenhändig in den Riegel gesteckt zu haben, teilte die Polizei mit.
Zunächst hatten die Behörden noch berichtet, das Kind habe den Fremdkörper entdeckt, als es am Sonntag in den Schokoriegel biss. Diesen hatte es zuvor bei einer Halloween-Sammeltour erhalten.
Der Fall aus Thüringen ist kein Einzelfall. Auch Tage nach Halloween werden bundesweit weitere manipulierte Süßigkeiten bekannt. So entdeckten Eltern in Bayern Nadeln in einem Kaubonbon und in zwei Schokoriegeln. In Baden-Württemberg wurde eine Schraube in einem Kaubonbon gefunden, auf Usedom steckte eine Büroklammer in einer Süßigkeit, und in Thüringen wurde unter anderem auch eine Stecknadel in Naschwerk entdeckt.
Kriminologen verweisen in diesem Zusammenhang auf das Phänomen des sogenannten „Halloween-Sadismus“. Lisa Natter von der Kriminologischen Forschungsgruppe beim Bayerischen Landeskriminalamt erklärte, der Begriff gehe auf den US-Soziologen Joel Best zurück. Er habe bereits in den 1980er-Jahren untersucht, dass solche Erzählungen oft wie moderne urbane Legenden weitergegeben werden und gesellschaftliche Ängste widerspiegeln – auch wenn das tatsächliche Ausmaß häufig nicht durch belastbare Daten belegt sei.
Zugleich betonen Experten, dass einzelne reale Fälle dadurch nicht infrage gestellt werden. Eine systematische Forschung zu dem Phänomen gebe es allerdings kaum, auch weil nur selten Täter ermittelt würden. Deshalb seien Aussagen über Motive bislang spekulativ. Hinter solchen Taten müsse nicht zwingend eine gezielte Schädigungsabsicht stehen. Denkbar seien laut Experten auch Provokation, Aufmerksamkeitssuche oder Nachahmung.
Dass Betroffene oder Kinder Süßigkeiten selbst präparieren, kommt ebenfalls vor. Neben dem Fall aus Thüringen gibt es inzwischen auch in Bayern zwei Fälle, in denen Kinder nach Polizeiangaben eingeräumt haben, Süßigkeiten selbst mit Gegenständen versehen zu haben. Beide sind wegen ihres Alters strafunmündig.
Auffällig ist nach Einschätzung der Ermittler die Häufung der Fälle in diesem Jahr. Allein in Bayern wurden laut einer vorläufigen Auswertung in den vergangenen drei Jahren insgesamt nur drei derartige Fälle registriert, in diesem Jahr jedoch bereits 25. Die Zahlen gelten als vorläufig, zeigen nach Angaben des Landeskriminalamts aber eine klare Tendenz.
Als mögliche Erklärung wird auch der Einfluss sozialer Medien genannt. Ein Sprecher der Polizei Essen sagte, man gehe derzeit davon aus, dass Täter Anregungen aus dem Internet erhalten haben könnten. Auch Kriminologin Natter hält es für möglich, dass Berichte im Netz Ängste verstärken und Nachahmungstaten begünstigen. Ein konkreter aktueller Social-Media-Trend sei dem BLKA allerdings bislang nicht bekannt.
Der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, vermutet, dass sich einzelne Berichte über manipulierte Süßigkeiten in sozialen Netzwerken rasch verbreiten und dadurch weitere Taten auslösen könnten.
Die Ermittlungen zu den gemeldeten Fällen dauern an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber