Fußball

Ja, ich will: Klopp spricht plötzlich Klartext

Klopp sagt Ja zum DFB – doch der Deal hat es in sich: Macht, Millionen, Verträge und ein brisantes Kopfkino bremsen noch.

05.07.2026, 13:12 Uhr

Klopp signalisiert Bereitschaft für den DFB-Job

Während in den USA auch über die glamouröse Promi-Welt um Taylor Swift und Travis Kelce gesprochen wird, setzte Jürgen Klopp in New York ein deutliches sportpolitisches Signal. Auf einer Dachterrasse bekannte sich der frühere Liverpool-Coach im Interview mit MagentaTV grundsätzlich zum Amt des Bundestrainers.

Der 59-Jährige sagte, er sei inzwischen wieder voll aufgeladen und bereit für eine neue Aufgabe. Klopp begleitet die Weltmeisterschaft trotz des deutschen Ausscheidens weiterhin als TV-Experte und machte dabei keinen Hehl daraus, dass ihn eine Rückkehr an die Seitenlinie reizt.

Konkrete Detailverhandlungen mit der DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat es bislang noch nicht gegeben. Das Duo will aber zeitnah in die USA reisen, um persönlich mit Klopp zu sprechen.

Vieles deutet auf Klopp als Nagelsmann-Nachfolger hin

Obwohl Klopps Vertrag als globaler Fußballchef bei Red Bull noch nicht aufgelöst ist, verdichten sich gut eine Woche nach dem nächsten WM-Fehlschlag der Nationalmannschaft die Hinweise auf ihn als Wunschlösung.

Ein früherer, locker klingender Klopp-Satz über Julian Nagelsmann wirkt inzwischen fast prophetisch. Nach Nagelsmanns Aus läuft alles darauf hinaus, dass Klopp zum Nations-League-Start am 24. September in den Niederlanden die nächste DFB-Elf betreuen könnte.

Dass der DFB in seiner Mitteilung zur Trennung von Nagelsmann die Suche nach einem neuen Bundestrainer praktisch direkt mit Klopp verknüpfte, hatte viele irritiert. Inzwischen wirkt das eher wie ein abgestimmter Schachzug: Verband und Topkandidat positionieren sich bereits sichtbar zueinander.

Das teure Klopp-Paket beginnt mit Red Bull

Der zentrale Knackpunkt bleibt Klopps aktuelle Bindung an Red Bull. In New York sprach er das Thema offensiv an und machte deutlich, dass ein sauber geregelter Abschied Voraussetzung für einen Wechsel wäre.

Für den DFB dürfte ein Engagement Klopps teuer werden – ohne dass der Verband seine finanziellen Grenzen aus dem Blick verlieren darf. Zwar winken ab 2027 zusätzliche Einnahmen durch den neuen Ausrüster Nike, doch auch damit wäre ein Gesamtpaket mit Klopp kein Selbstläufer.

Klopp deutete an, dass bereits erste lose Kontakte stattgefunden haben. Dabei verwies er in Richtung Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Dessen Rolle dürfte entscheidend sein, wenn es um die Modalitäten einer Trennung geht.

Mintzlaff gilt als harter Verhandler. Beim Wechsel von Julian Nagelsmann von Leipzig zum FC Bayern wurde einst eine Ablöse von mehr als 25 Millionen Euro fällig. Im Fall Klopp könnte allerdings auch das übergeordnete Interesse am deutschen Fußball eine Rolle spielen. Mintzlaff gehörte schließlich selbst zur DFB-Taskforce, die nach dem WM-Debakel 2022 Reformen anstoßen sollte.

Passend dazu äußerte sich Klopp auch bei ServusTV aus dem Red-Bull-Medienumfeld und betonte, Red Bull müsse aus der Angelegenheit ordentlich herauskommen.

Vertrag bis 2028 – oder gleich ein Projekt bis 2030?

Schnell und ohne Hürden dürfte eine Einigung nicht gelingen. Auf die Frage, was bis zu einer möglichen Unterschrift noch fehle, antwortete Klopp knapp: Zeit.

Nach allem, was derzeit zu hören ist, geht es womöglich nicht nur um einen Vertrag bis zur EM 2028. Auch eine Perspektive bis zur WM 2030 steht im Raum – ausdrücklich auch als Signal für einen echten Neuanfang.

Dabei geht es nicht nur um Laufzeit, sondern auch um Zuständigkeiten und Einfluss. Offen ist unter anderem, ob Klopp vertraute Wegbegleiter aus seiner Vereinszeit einbinden möchte, etwa Peter Krawietz oder Pepijn Lijnders. Ebenso stellt sich die Frage, wie groß sein Mitspracherecht über die Trainerrolle hinaus ausfallen soll.

Auch die Zukunft von Rudi Völler steht zur Debatte

Mit der Personalie Klopp ist offenbar auch die weitere Rolle von Sportdirektor Rudi Völler verknüpft. Der 66-Jährige will dem Vernehmen nach in einem direkten Gespräch mit Klopp ausloten, ob beide gemeinsam an einem neuen DFB-Projekt arbeiten können.

Sollte es dafür keine tragfähige Basis geben, wären offenbar auch Konsequenzen auf dieser Position denkbar. Völlers Zukunft ist damit Teil der größeren Neuaufstellung.

Klopp selbst machte deutlich, dass die Probleme des deutschen Fußballs nicht allein an der Person Julian Nagelsmann festzumachen seien. Es brauche intensive Gespräche, weil die Schwierigkeiten tiefer lägen.

Zugleich wehrte er sich gegen die Erwartung, als eine Art Messias automatisch alle Probleme zu lösen. Der deutsche Fußball befinde sich an einem Wendepunkt, sagte Klopp sinngemäß – und grundlegende Veränderungen seien nötig.

Leidenschaft als Leitbild einer neuen DFB-Mannschaft

Wie ein Team unter Klopp aussehen könnte, ließ er bereits anklingen. Im Zentrum stünde absolute Leidenschaft – als Haltung für Spieler, Trainerstab und das gesamte Umfeld.

Eine solche Neuausrichtung würde auch die Nationalspieler um Kapitän Joshua Kimmich in die Pflicht nehmen. Klopp skizzierte damit weniger eine schnelle Imagekorrektur als vielmehr einen kulturellen Umbau.

Der WM-Aufenthalt in den USA scheint in ihm zudem neue Lust auf den Traineralltag geweckt zu haben. Die Spiele vor Ort zu verfolgen, empfinde er wie eine Fortbildung, sagte Klopp. Unabhängig von seiner nächsten Station nehme er wertvolle neue Eindrücke mit.

Adidas-Vertrag offenbar kein Hindernis

Intern beim DFB wird ein weiteres Thema offenbar gelassen gesehen: Klopps noch laufender Werbevertrag mit Adidas, also dem Konkurrenten des künftigen DFB-Ausrüsters Nike. Die langfristig vereinbarte Zusammenarbeit soll zum Jahresende auslaufen und gilt daher nicht als ernsthaftes Hindernis.

Mertesacker bringt sich ebenfalls ins Gespräch

Neben der dominierenden Trainerfrage geraten andere Personalien derzeit zwar in den Hintergrund, doch auch dort gibt es Bewegung. Per Mertesacker signalisierte offen, dass er sich eine Aufgabe beim DFB gut vorstellen könne.

Der Weltmeister von 2014 und langjährige Nachwuchsleiter beim FC Arsenal sagte als ZDF-Experte, er wolle dem deutschen Fußball gern etwas zurückgeben, falls dies gewünscht sei.

Hintergrund ist auch, dass DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig den Verband zum Jahresende verlassen wird. Nach Medienberichten soll es mit Mertesacker bereits erste Sondierungen gegeben haben – noch vor der jüngsten Entwicklung rund um Nagelsmann und Klopp.

Fest steht: Die kommenden Tage dürften für den DFB richtungsweisend werden. Entscheidend ist nun, ob Klopp, Red Bull und der Verband bei Trainerfrage, Machtverteilung und personeller Neuordnung einen gemeinsamen Weg finden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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