Fußball

Liebesdrama in Belgiens Kabine: Dieser Zoff eskaliert

Seit Jahren prägen Courtois und De Bruyne Belgiens goldene Generation – doch hinter den Kulissen herrscht Eiszeit. Warum?

05.07.2026, 08:33 Uhr

Belgien vor USA-Duell: Alte Spannungen, neue Hoffnung

Nach dem spektakulären 3:2 gegen Senegal herrschte bei Belgien ausgelassene Jubelstimmung. Fast alle Spieler fielen sich in die Arme – nur zwischen Kevin De Bruyne und Thibaut Courtois war davon nichts zu sehen. In einem Video, das nach dem Spiel in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, wirkt es so, als würden sich die beiden bewusst aus dem Weg gehen.

Am Dienstag trifft Belgien im Lumen Field in Seattle erneut auf den nächsten Gegner: Co-Gastgeber USA. Courtois steht dabei zum 114. Mal für die Nationalmannschaft im Tor, De Bruyne kommt auf seinen 124. Einsatz. Sportlich zählen beide seit Jahren zu den wichtigsten Figuren des Teams – persönlich gilt ihr Verhältnis jedoch schon lange als schwierig.

Ursprung des Zerwürfnisses

Die Spannungen reichen bis ins Jahr 2013 zurück. Damals begann De Bruynes damalige Freundin Caroline Lijnen in Madrid eine Affäre mit Courtois. Später sprach sie öffentlich darüber und erklärte, sie habe sich damit für eigene Enttäuschungen in der Beziehung revanchieren wollen.

Heute spielt diese Geschichte im Privatleben der beiden keine Rolle mehr. De Bruyne ist seit 2017 mit seiner Frau Michèle verheiratet und Vater von drei Kindern. Courtois heiratete vor einigen Jahren das israelische Model Mishel Gerzig, später kam ein gemeinsames Kind zur Welt. Dennoch wirkt das Verhältnis der beiden belgischen Führungsspieler bis heute distanziert.

Warum Tielemans Kapitän ist

Auch deshalb dürfte keiner von beiden über längere Zeit das Kapitänsamt übernommen haben. Nach Vincent Kompany führte zunächst Eden Hazard die Mannschaft an. Nach einer kurzen Übergangszeit mit De Bruyne ging die Rolle schließlich an Youri Tielemans.

WM 2026 - Belgien - Senegal
Nicht De Bruyne oder Courtois wurde Kapitän, sondern Tielemans. Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

Tielemans rechtfertigt diese Entscheidung derzeit auch sportlich. Beim dramatischen Erfolg gegen Senegal war er mit seinem späten Kopfballtor zum Ausgleich und dem sicher verwandelten Elfmeter in der 125. Minute einer der entscheidenden Akteure. Zudem gilt er als Persönlichkeit, die innerhalb der Mannschaft anerkannt ist und zwischen verschiedenen Charakteren vermittelt.

Hitzige Szene im K.-o.-Spiel

Im Sechzehntelfinale lagen die Belgier zwischenzeitlich bereits zwei Tore zurück. Während der zweiten Trinkpause gerieten Tielemans und Leandro Trossard heftig aneinander. Romelu Lukaku musste einschreiten und die beiden Streithähne trennen. Danach drehte Belgien jedoch die Partie – auch dank eines starken Trossard.

Vor dem Duell mit den USA wird Trainer Rudi Garcia erneut alle Kräfte bündeln müssen. In Seattle wartet nicht nur eine spielstarke Mannschaft um Christian Pulisic, sondern auch ein Stadion mit rund 70.000 Fans im Rücken des Gastgebers. Belgien mag individuell etwas stärker besetzt sein, doch der Heimvorteil spricht für die Amerikaner. Vieles deutet auf eine völlig offene Begegnung hin.

Lukaku als entscheidender Faktor

Zu einer Schlüsselfigur ist bislang Romelu Lukaku geworden. Der 33-Jährige hatte eine schwierige Saison und war lange verletzt. Pünktlich zum Turnier ist er immerhin wieder einsatzfähig. In seinen bisherigen drei Einsätzen brachte er als Joker sofort Wucht ins Offensivspiel und steuerte zwei Treffer bei.

Auch gegen Senegal war Lukaku wichtig – nicht nur wegen seiner Präsenz auf dem Platz, sondern auch als Vermittler zwischen Tielemans und Trossard. Trainer Garcia lobte anschließend ausdrücklich, wie der Angreifer versucht habe, beide zu beruhigen.

Die Rolle als Einwechselspieler scheint Lukaku derzeit gut zu liegen. Schwieriger ist die Lage dagegen für Charles De Ketelaere, der meist in der Startelf anstelle von Lukaku beginnt. In dieser für ihn ungewohnten Aufgabe bleibt er bislang hinter den Erwartungen zurück.

Für Belgien geht es nun gegen die USA um den Einzug ins Viertelfinale – und vielleicht auch darum, trotz alter Spannungen als Team weiter zusammenzuwachsen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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