Wenn Titelverteidiger Argentinien an diesem Dienstag sein nächstes WM-Spiel gegen Ägypten bestreitet, reist Lionel Messi mit einer kleinen Erinnerung aus der vorherigen Runde nach Atlanta: einer Beule am Kopf. Im dramatischen Sechzehntelfinale gegen Kap Verde war der argentinische Superstar mit dem Kopf gegen das Knie eines Gegenspielers geprallt.
Das Mal am Kopf stand sinnbildlich für einen Abend, an dem der große Favorit nur knapp einer Blamage entkam. Der WM-Neuling Kap Verde brachte den Weltmeister beim 2:3 nach Verlängerung an den Rand einer historischen Sensation.
Messi nimmt es mit Humor
Nach dem Schlusspfiff war der Schmerz zwar noch da, die Stimmung bei Messi aber schon wieder deutlich besser. Mit einem Lächeln kommentierte der 39-Jährige, dass er auf dem Platz hart attackiert werde, die Gegenspieler danach aber sein Trikot haben wollten. Spieler aus Kap Verde fingen ihn noch im Stadion in Miami ab, um Erinnerungsfotos mit ihm zu machen.
Erfahrung als Trumpf oder Problem?
Der holprige Start in die K.-o.-Phase wirft vor dem Achtelfinale gegen Ägypten (18.00 Uhr/MESZ) erneut eine alte Frage auf: Ist Argentinien bei diesem XXL-Turnier mit 48 Mannschaften und einem möglichen Weg über acht Spiele bis zum Titel zu sehr auf die Weltmeister von 2022 fixiert? Im Kader stehen neun Profis, die älter als 30 sind, während kein Stammspieler jünger als 25 ist.
Das kann als Risiko gelesen werden. Es kann aber auch genau die Erfahrung sein, die in schwierigen Momenten wie gegen Kap Verde den Ausschlag gibt.

Auffällig ist jedenfalls, dass Argentinien nicht mit der Wucht und Intensität Frankreichs auftritt. Auch die spielerische Präzision Spaniens erreicht das Team nicht. Messi sprach die Probleme nach dem Spiel ungewöhnlich offen an: Argentinien habe den Gegner nicht gut genug unter Druck gesetzt, die Mannschaftsteile hätten zu weit auseinander gestanden und Kap Verde deshalb immer wieder freie Räume gefunden.
Viel hängt an Messi
Bemerkenswert bleibt, wie stark das Team weiterhin von Messi abhängt. Dabei fehlt es im Angriff eigentlich nicht an Qualität: Julián Álvarez soll vor dem Turnier ein Angebot von Real Madrid über 150 Millionen Euro erhalten haben, Lautaro Martínez führte Inter Mailand mit 17 Saisontoren zur italienischen Meisterschaft. Doch neben Messi treten selbst solche Namen oft in den Hintergrund.
Sieben der bisherigen elf argentinischen Turniertore gehen auf das Konto des Kapitäns. Im Vergleich zu Cristiano Ronaldo wirkt die Situation in Argentinien dennoch anders: Während in Portugal mitunter der Eindruck entsteht, einige warteten auf dessen Rücktritt, wird Messi im eigenen Team nach wie vor gefeiert. Rodrigo De Paul sagte, man genieße jeden einzelnen Tag, an dem man mit ihm zusammenspielen dürfe.
Nächstes Highlight: Messi gegen Salah
Auch daran zeigt sich, wie eng diese Mannschaft nach dem WM-Triumph in Katar und den Copa-America-Erfolgen 2019 und 2024 zusammengerückt ist. Trainer Lionel Scaloni blieb nach dem Krimi gegen Kap Verde entsprechend ruhig. Er betonte, man müsse das Positive sehen: Seine Mannschaft habe Charakter und Qualität gezeigt und höre nie auf, weiterzumachen. Die Zeitung Pagina12 schrieb vor dem Duell mit Ägypten optimistisch: Die Weltmeisterschaft habe gerade erst begonnen.
Mit Ägypten wartet nun ein Gegner, der zwar nicht ganz den Überraschungsgeist von Kap Verde verkörpert, dafür aber über mehr individuelle Klasse verfügt. Im Mittelpunkt steht vor allem Mohamed Salah. Der 34 Jahre alte Liverpool-Star wurde nach dem Weiterkommen gegen Australien gefragt, welchen Spieler seiner Generation er bei dieser WM am stärksten einschätze — Messi, Ronaldo, Harry Kane oder Neymar. Seine Antwort kam sofort: Messi.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber