Fußball

Freiburg dreht durch: Platzsturm nach Final-Coup

Historischer Freiburg-Coup! Die Bilder nach Braga sagen alles – doch im Finale wartet jetzt der wohl größte Brocken.

08.05.2026, 06:14 Uhr

Kurz vor Mitternacht schallte in der Freiburger Kabine der Partysong „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“. Da hatten die Profis des SC Freiburg ihren historischen Coup mit den Fans längst ausgiebig gefeiert. Für Doppeltorschütze Lukas Kübler war es ein „unglaublicher Abend“, für Nicolas Höfler fühlte sich alles „surreal“ und „brutal“ an.

Platzsturm nach dem Schlusspfiff

Nach einer weiteren denkwürdigen Europapokal-Nacht hat Freiburg zum ersten Mal überhaupt ein internationales Finale erreicht. Durch das mitreißende, in der Schlussphase aber noch einmal spannende 3:1 (2:0) gegen Sporting Braga im Halbfinal-Rückspiel der Europa League kannte die Begeisterung am Donnerstagabend keine Grenzen.

Die Fans stürmten nach dem Abpfiff den Rasen, Spieler, Trainer und Anhänger feierten gemeinsam. Maximilian Eggestein sagte, diese Bilder hätten eindrucksvoll gezeigt, „wie besonders und geschlossen dieser Verein ist“. Höfler sprach von einem Abend, den man sich vor ein paar Jahren kaum hätte vorstellen können.

Auch Trainer Julian Schuster zeigte sich bewegt. Es bedeute ihm „sehr, sehr viel“, die vielen glücklichen Menschen zu sehen, sagte der 41-Jährige. Er wisse, dass die Fans mit dem Verein auch schon ganz andere Zeiten erlebt hätten.

Finale in Istanbul gegen Aston Villa

Im Endspiel am 20. Mai in Istanbul trifft Freiburg auf den englischen Spitzenclub Aston Villa und geht wohl als Außenseiter in die Partie. „Wenn man im Finale steht, will man es auch gewinnen“, sagte Kübler. Die Vorfreude beim Sport-Club ist dennoch riesig.

Für Höfler ist das Duell die größte Partie der Vereinsgeschichte – nicht nur für die Mannschaft, sondern für die ganze Stadt. Das Märchen des SC Freiburg bekommt damit seine bislang größte Bühne.

Auch Kompany und Thioune verneigen sich

Der Finaleinzug sorgt nicht nur in Freiburg für Bewunderung. Vincent Kompany, Trainer des FC Bayern München, bezeichnete die Arbeit der Breisgauer als beispielhaft. Daniel Thioune von Werder Bremen sagte sogar: „Jeder Verein in Deutschland wünscht sich, ein bisschen Freiburg zu sein.“

Während andere deutsche Clubs international bereits ausgeschieden sind, vertritt nun ausgerechnet der SC Freiburg den deutschen Vereinsfußball bis zum Ende im Europapokal. Den zusätzlichen festen fünften Startplatz für die Champions League muss die Bundesliga nach dem Finaleinzug von Rayo Vallecano in der Conference League zwar den Spaniern überlassen. Freiburg selbst kann sich mit einem Titelgewinn in Istanbul aber noch erstmals für die Champions League qualifizieren.

Frühe Rote Karte ebnet den Weg

Schon jetzt ist die Saison für den Sport-Club außergewöhnlich – international sogar die erfolgreichste der Vereinsgeschichte. Vor allem die Heimstärke der Freiburger und die frühe Rote Karte gegen Bragas Mario Dorgeles wegen einer Notbremse in der 7. Minute ebneten den Weg ins Finale.

Zu den Matchwinnern zählten Lukas Kübler mit seinen Treffern in der 19. und 72. Minute, Johan Manzambi mit einem sehenswerten Tor kurz vor der Pause (41.) sowie Torhüter Noah Atubolu, der in der hektischen Schlussphase mehrfach stark parierte.

Besonders bemerkenswert: Sämtliche Heimspiele des SC in dieser Europa-League-Saison wurden gewonnen. Das Stadion wurde in Europa endgültig zur Festung.

Schuster führt die Entwicklung nahtlos fort

Großen Anteil am Erfolg hat Trainer Julian Schuster, der Christian Streich im Sommer 2024 beerbte und dessen Arbeit bislang nahtlos fortsetzt. Bereits in der vergangenen Spielzeit verpasste Freiburg unter Schuster die erstmalige Champions-League-Teilnahme nur knapp. Nun steht der Verein, 33 Jahre nach dem ersten Bundesliga-Aufstieg, zum ersten Mal in einem europäischen Endspiel. Das Motto „Road to Istanbul“ ist Realität geworden.

Schuster stellte den Erfolg aber nicht in den Mittelpunkt seiner Person. Auf der Tribüne freuten sich mit Joachim Löw und Vorgänger Christian Streich zwei prägende Figuren des Vereins mit. Es seien Menschen, die den SC entscheidend mitgeprägt hätten, sagte Schuster. Er hoffe, dass sie wüssten, welchen Anteil sie an diesem gemeinsamen Erfolg hätten.

Schon immer ein bisschen anders – und längst größer geworden

Freiburg galt lange als besonderer Club: gute Jugendarbeit, Bodenständigkeit, Demut – und immer ein wenig anders als die anderen. Früher waren die Breisgauer der Verein mit dem alten Dreisamstadion, mit Volker Finke und später mit dem „ewigen“ Christian Streich. Es ging mal runter in die 2. Liga, dann wieder hinauf.

Inzwischen ist der SC in neue Dimensionen vorgestoßen. Das neue Stadion, kluge Entscheidungen der Verantwortlichen Oliver Leki, Jochen Saier und Klemens Hartenbach sowie mehrere millionenschwere Transfers haben den Verein sportlich und wirtschaftlich vorangebracht. So klein sind die Freiburger längst nicht mehr.

Joachim Löw nannte den Sport-Club einen „Vorbildverein in jeder Beziehung“. Dass auch künftig Leistungsträger verkauft werden, gehört beim SC inzwischen zum Modell. Nach Transfers wie denen von Nico Schlotterbeck oder Ritsu Doan, die jeweils mehr als 20 Millionen Euro einbrachten, könnten im Sommer erneut namhafte Abgänge folgen – etwa bei Noah Atubolu oder Johan Manzambi.

Nach Rückschlägen die große Antwort

Dabei hatte Freiburg zuletzt auch schwierige Wochen hinter sich. Dem dramatischen Halbfinal-Aus im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart vor zwei Wochen folgten drei weitere sieglose Spiele. Im Saisonendspurt schienen den Badenern zwischenzeitlich die Körner auszugehen.

Nach dem bitteren 1:2 im Hinspiel in Braga drohte sogar noch der zweite Finaltraum zu platzen. Doch Freiburg schlug im Rückspiel mit Wucht zurück – auf dem Platz und auf den Rängen. Der Sieg war auch wegen der Begleitumstände einer der emotionalsten in der Vereinsgeschichte.

Krönung vor prominenten Augen?

Nun wartet in Istanbul Aston Villa – und womöglich auch ein prominenter Zuschauer. Der britische Thronfolger Prinz William, bekennender Aston-Villa-Fan, dürfte beim Finale auf der Tribüne sitzen. Aus Freiburger Sicht wäre es die perfekte Bühne für die größte Krönung der Clubgeschichte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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