Fußball

FCA schockiert: Was Bah jetzt ertragen muss

1:1, zwei Platzverweise – doch plötzlich geht es um viel mehr: Warum Augsburgs Abend wegen Gouweleeuw und Rassismus eskaliert.

25.10.2026, 10:28 Uhr

Gouweleeuw stellt FCA-Bestmarke auf

Jeffrey Gouweleeuw hat beim 1:1 (0:0) des FC Augsburg gegen Union Berlin Clubgeschichte geschrieben. Der 35 Jahre alte Niederländer kam zu seinem 275. Bundesliga-Einsatz für den FCA und ist damit nun alleiniger Rekordspieler der Augsburger. Er zog an Daniel Baier vorbei, der zuvor 274 Erstliga-Partien für den Verein absolviert hatte.

Der Kapitän sprach nach der Partie von großem Stolz und betonte, wie viel ihm diese Marke bedeute. Auch Trainer Manuel Baum würdigte den Abwehrspieler und nannte dessen langjährige Konstanz eine „Mega-Leistung“. Seit zehn Jahren spielt Gouweleeuw für Augsburg in der Bundesliga.

Hass gegen Juma Bah sorgt für Entsetzen

Im Laufe des Abends geriet das Rekordspiel jedoch in den Hintergrund. Der FCA machte öffentlich, dass der 20 Jahre alte Verteidiger Juma Bah nach seiner Roten Karte auf Instagram rassistisch beleidigt und sogar mit dem Tod bedroht worden sei.

Der Verein zeigte sich tief betroffen. Bah sei nach Clubangaben in besonders widerwärtiger Weise attackiert worden. Zudem seien auch Mitglieder seiner Familie bedroht worden. Augsburg erklärte, man sei erschüttert über diesen Hass. Bah stammt aus Sierra Leone und ist von Manchester City an den FCA ausgeliehen.

Klare Solidarität aus Mannschaft und Liga

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Union Berlin hob die FCA-Mitteilung bei X mit einem roten Ausrufezeichen hervor und schrieb bei Instagram: „Wichtiges Statement!“ Auch weitere Bundesligaclubs äußerten ihre Unterstützung.

Aus der Augsburger Mannschaft kamen ebenfalls deutliche Zeichen der Solidarität. Torschütze Han-Noah Massengo schrieb an Bah: „Wir sind bei dir, Bruder.“ Gouweleeuw setzte mit einem klaren „NO to racism“ ebenfalls ein öffentliches Zeichen.

Rote Karten prägen die Partie

Sportlich war das Spiel lange von Platzverweisen bestimmt. Zunächst sah der frühere Augsburger Felix Uduokhai in der 19. Minute Rot, sodass der FCA über weite Strecken in Überzahl spielte. In der 63. Minute musste dann aber auch Bah nach einem groben Foul mit Rot vom Platz. Damit war der personelle Vorteil dahin.

Trotzdem ging Augsburg in Führung: Massengo traf in der 71. Minute per Kopf zum 1:0. Die Antwort der Gäste folgte jedoch schnell. Nur drei Minuten später stocherte Janik Haberer den Ball zum 1:1-Endstand ins Tor.

FCA prüft rechtliche Schritte

Der Verein kündigte an, den Vorfall nicht folgenlos zu lassen. Augsburg will Anzeige erstatten und sämtliche rechtlichen Möglichkeiten prüfen. In seiner Stellungnahme machte der Club klar, dass rassistische Beleidigungen und Bedrohungen gegen einen Spieler zugleich ein Angriff auf die Werte der gesamten FCA-Familie seien.

Der Schlusssatz der Erklärung fiel eindeutig aus: „Wir stehen geschlossen hinter Dir, Juma!“

Auch sportlich überwiegt die Ernüchterung

Schon vor Bekanntwerden der Angriffe herrschte beim FCA Frust über das Ergebnis. Augsburg ist nun seit fünf Ligaspielen ohne Sieg, nachdem die Mannschaft mit zwei Erfolgen und sogar der erstmaligen Tabellenführung stark in die Saison gestartet war.

Gouweleeuw ärgerte sich vor allem darüber, dass seine Mannschaft die lange Überzahl nicht besser genutzt hatte. Rund 44 Minuten spielte Augsburg mit einem Mann mehr. „Wir müssen das viel besser ausspielen“, lautete sinngemäß seine Kritik.

Zu seinem Rekordeinsatz kam der Innenverteidiger bereits früh, weil Calvin Brackelmann nach einem heftigen Zusammenprall mit Uduokhai verletzt ausgewechselt werden musste. Der Augsburger kam mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.

Trainer Manuel Baum zeigte sich mit dem Punkt ebenfalls unzufrieden. In Überzahl habe es seiner Mannschaft an Ideen und Kreativität gefehlt. Sportdirektor Benjamin Weber sagte zudem, aktuell gelinge es dem FCA nicht, die nötigen Ergebnisse einzufahren.

Ob bereits von einer Krise gesprochen werden könne, wollte Gouweleeuw allerdings nicht gelten lassen. Seine knappe Reaktion auf die entsprechende Frage: „Krise? Jetzt schon?“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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