Jürgen Klopp und sein Trainerteam verfolgten den letzten Formtest ihrer 44 ausgewählten Nationalspieler nicht mehr live im Stadion, sondern vor zahlreichen Bildschirmen. Was der neue Bundestrainer dabei an Spielfreude, Toren und Aufbruchsstimmung sah, dürfte ihn in seinem mutigen Neustart bestärkt haben. Frische DFB-Gesichter wie Younes Ebnoutalib und Derry Scherhant machten mit Treffern auf sich aufmerksam. Zwei Kader, vier Länderspiele – der Umbau beginnt.
Auch bei Spielern, die noch die enttäuschende WM-Phase unter Vorgänger Julian Nagelsmann erlebt hatten, scheint Klopp bereits neue Energie freigesetzt zu haben. Jamal Musiala sprach nach seinem ersten 90-Minuten-Einsatz inklusive Tor für den FC Bayern von sehr positiven Eindrücken: Die Gespräche mit Klopp seien intensiv gewesen, Stimmung und Energie überzeugend.
Noch bevor die ersten Profis aus dem 24-Mann-Aufgebot für die erste Länderspielwoche am Sonntag in Herzogenaurach eintrafen, hatte Klopp bereits eines der Holzhäuser auf dem Adidas-Gelände bezogen. Der 59-Jährige fiebert seinem Start als DFB-Cheftrainer entgegen, der es mit vier Nations-League-Spielen direkt in sich hat: in den Niederlanden, zweimal gegen Griechenland und dazu gegen Serbien. Nach vielen Vorgesprächen zeigte er sich erfreut darüber, wie groß die Motivation der Spieler sei, das Nationaltrikot zu tragen.
Der Klopp-Effekt zeigt sich schon bei den Neulingen
Vor allem bei den Debütanten sorgte die überraschende Nominierung offenbar sofort für zusätzlichen Schub. Freiburger Außenstürmer Derry Scherhant sprach nach seiner starken Leistung beim 2:2 in Frankfurt von einem fast surrealen Gefühl. Allein die Berufung zur Nationalmannschaft habe ihm noch einmal einen extra Push gegeben.

Für Klopp zählt vor allem die aktuelle Leistung. Schon bei der Bekanntgabe seines ungewöhnlich großen, auf zwei Gruppen verteilten Startkaders hatte er klargemacht, dass jeder für das nächste Spiel bereit sein und zeigen müsse, wie viel ihm der Einsatz für Deutschland bedeutet.
Zugleich betonte Klopp, dass er die Tür für aktuell nicht berücksichtigte Spieler keineswegs dauerhaft schließe. Einer der bekanntesten Namen auf dieser Liste ist Deniz Undav. Der Angreifer zeigte sich nach der Niederlage Stuttgarts gegen Dortmund deutlich enttäuscht über seine vorerst ausbleibende Einladung.
Undav reagiert trotzig und kämpferisch
Der 30-Jährige machte nach einem weiteren torlosen Spiel und seiner Auswechslung klar, dass er die Entscheidung zwar getroffen hinnehme, aber nicht lange lamentieren wolle. Er werde weiterarbeiten und alles geben. Angesichts seiner starken Bilanz im DFB-Team – drei WM-Tore und insgesamt neun Treffer in 13 Länderspielen – hatte Undav mit einer Nominierung gerechnet und diese Zahlen als eine Art Sicherheit gesehen.
Nun müsse er sich eben erneut beweisen, sagte er kämpferisch. Wenn er sich bis November wieder aufdränge, werde der Bundestrainer sehen, welcher Typ Spieler er sei.
Pascal Groß beendet seine DFB-Karriere
Klopp setzt auf Spieler mit Leidenschaft für die Nationalmannschaft. Genau dieses Feuer will er mit vielen neu eingeladenen Perspektivspielern mit Blick auf die EM 2028 und die WM 2030 wieder entfachen, um Deutschland langfristig zurück zu Turniererfolgen zu führen.
Für Pascal Groß spielt diese Zukunft auf dem Platz jedoch keine Rolle mehr. Nach Torwart Manuel Neuer und Abwehrspieler Antonio Rüdiger hat auch der 35-Jährige seine Laufbahn im DFB-Trikot beendet. Der Brighton-Profi erklärte, für ihn sei nach der Weltmeisterschaft Schluss gewesen. Nun sei es an der Zeit, der nächsten Generation alles Gute zu wünschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber