Die Reise des FC Bayern zum erhofften Sehnsuchtsort Champions-League-Finale steht unter deutlich schwierigeren Vorzeichen als gedacht. Nach dem teuer erkauften 2:2 gegen Borussia Dortmund reisen die Münchner nicht nur mit wachsendem Tabellendruck nach Spanien, sondern auch mit erheblichen Personalsorgen in der Offensive.
Am Dienstag um 21.00 Uhr wartet im Estadio Metropolitano die wegweisende Partie gegen Atlético Madrid. In genau jenem Stadion, in dem der deutsche Meister am 5. Juni 2027 gern selbst den Henkelpott holen würde, ist diesmal vor allem Improvisation gefragt. Weil Vincent Kompany weiter krankheitsbedingt fehlt, wird erneut Co-Trainer Aaron Danks an der Seitenlinie stehen und rund um Ballon-d’Or-Gewinner Harry Kane kreative Lösungen finden müssen.
Eberl fordert Härte und „Rocky-Qualitäten“
Vor dem Abflug nach Spanien schlug Max Eberl einen kämpferischen Ton an. Der Sportvorstand beschwor angesichts der angespannten Lage vor allem Widerstandskraft und sprach von „Rocky-Qualitäten“. Die Bayern müssten einstecken können, um diese schwierige Phase zu überstehen.
Olise und Neuer zurück im Training
Vor dem Abflug gab es immerhin zwei positive Signale: Michael Olise und Manuel Neuer standen beim Abschlusstraining wieder auf dem Platz. Vieles deutet damit darauf hin, dass beide in Madrid zumindest eine Option sein könnten.
Olise hatte beim Dortmund-Spiel wegen Knieproblemen vorzeitig rausgemusst, trainierte nun aber wieder mit – allerdings mit einem Schutzverband am rechten Bein. Auch Kapitän Neuer, der das Topspiel zuletzt aufgrund einer Fußverletzung verpasst hatte, war wieder dabei.
Eberl trat bei Olise allerdings auf die Bremse. Wenn keine Gefahr bestehe und sich der Offensivspieler bereit fühle, könne man den Schritt gehen. Bestehe jedoch ein erhöhtes Verletzungsrisiko, müsse man sich einen Einsatz gut überlegen.
Große Sorgen in der Offensive
Trotz dieser kleinen Entwarnung bleibt die personelle Lage angespannt. Jamal Musiala, Luis Díaz, Ismael Saibari und Serge Gnabry fallen aus. Saibari wurde inzwischen am Fuß operiert, Gnabry laboriert an einer Muskelverletzung.
Damit droht den Bayern ausgerechnet in einer richtungsweisenden Partie ein personeller Notstand im Angriff. Umso stärker rückt plötzlich wieder Lennart Karl in den Fokus.
Danks stärkt Lennart Karl den Rücken
Der 18-Jährige musste gegen den BVB trotz der Verletzungssorgen lange auf der Bank warten und kam erst spät für Olise ins Spiel. Rund um seine Rolle war zuletzt Diskussion aufgekommen, auch weil es zwischen seinem Berater Michael Ballack und Sportvorstand Max Eberl zu einem Disput gekommen war.
Danks bemühte sich nun um Klarheit und Rückendeckung für das Talent. Der Trainerstab vertraue Karl ausdrücklich auch in solchen Partien, stellte der Co-Trainer klar. Sein später Einsatz gegen Dortmund samt Lattenschuss sei ein positives Signal gewesen.
Eberl und Kimmich geben den Ton vor
Eberl will die angespannte Personallage nicht als Ausrede gelten lassen. Der Kader sei bekannt, ebenso die Ausfälle, doch Bayern werde sich weder abmelden noch zurückziehen.
Auch Joshua Kimmich kündigte vor dem Charaktertest in Madrid an, dass die Mannschaft wieder alles reinhauen werde.
Gerade Kimmichs Rückkehr hat für die Münchner besonderes Gewicht. Nach einem privaten Trauerfall war der Mittelfeldspieler gegen Dortmund wieder dabei und führte das Team laut Eberl spürbar an. Gemeinsam mit Kane ist er nun einer der wichtigsten Fixpunkte für den schwierigen Abend in Madrid.
Atlético unter Druck – Bayern aber ebenfalls gefordert
Vor dem 4. Spieltag der Ligaphase liegt Bayern mit fünf Punkten unter Zugzwang. Atlético steht mit vier Zählern sogar noch stärker unter Ergebnisdruck, weil es im Kampf um die Top 8 und den direkten Einzug ins Achtelfinale nicht weiter an Boden verlieren will.
Die Mannschaft von Diego Simeone gilt als formstark, unbequem und körperlich robust. Spiele gegen Atlético tun meist weh – erst recht im fast 70.000 Zuschauer fassenden Metropolitano. Dort wollen nicht nur die Bayern 2027 triumphieren, auch Simeone träumt mit seinem Team vom Endspiel im eigenen Stadion.
Kane jagt Ronaldos Bestmarke
Im Mittelpunkt steht erneut Harry Kane. Der Engländer ließ gegen Dortmund ungewohnt mehrere Chancen liegen und vergab sogar einen Elfmeter. In der Champions League bleibt seine Bilanz jedoch außergewöhnlich.
In seinen vergangenen zehn Einsätzen in der Königsklasse hat Kane jeweils getroffen. Ein weiterer Treffer gegen Atlético würde ihn auf elf Spiele in Serie mit Tor bringen – und damit die Bestmarke von Cristiano Ronaldo einstellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber