So viele Firmengründungen wie seit 15 Jahren nicht mehr
In Deutschland sind 2025 nach einer neuen Schätzung so viele Unternehmen gegründet worden wie zuletzt 2010. Nach Angaben des Mannheimer ZEW und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gingen rund 183.000 neue Firmen an den Start. Das entspricht einem Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei innovativen Start-ups mit Wachstumsambitionen aus. Deren Zahl stieg 2025 auf etwa 3.100 und lag damit rund 19 Prozent über dem Niveau von 2024. Insgesamt trugen vor allem kleinere Gründungen ohne Handelsregistereintrag zum Anstieg bei. Dagegen ging die Zahl der Neugründungen mit Handelsregistereintrag um 3,3 Prozent zurück.
ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk wertete die Entwicklung als ermutigendes Signal. Zugleich machte sie deutlich, dass der Aufschwung vor allem vom Kleingewerbe getragen werde. Bei größeren und kapitalintensiveren Unternehmensgründungen bleibe die Dynamik dagegen eher verhalten.
Grundlage der Auswertung ist das Mannheimer Unternehmenspanel von ZEW und Creditreform. Es enthält Daten zu mehr als zehn Millionen Unternehmen in Deutschland und bildet rund drei Millionen Firmen ab. Weil neue Unternehmen teils zeitverzögert erfasst werden, wurden die Ergebnisse hochgerechnet.
Rückenwind für Start-ups
Bei wachstumsorientierten Start-ups sieht das ZEW einen klaren Aufwärtstrend. Mehr als 45 Prozent dieser Gründungen – rund 1.400 Unternehmen – entfallen auf technologieorientierte Dienstleistungen. In diesem Bereich legte die Zahl der Neugründungen binnen Jahresfrist um 27 Prozent zu.
Als wachstumsorientiertes Start-up gilt in der Erhebung ein Unternehmen, wenn es als Kapitalgesellschaft gegründet wird, mehrere Gründerinnen oder Gründer beteiligt sind und Forschung sowie Entwicklung eine Rolle spielen.
Auch der Boom rund um Künstliche Intelligenz sorgt für zusätzliche Impulse in der deutschen Start-up-Szene. Bereits im Juli hatte der Startup-Verband für das erste Halbjahr eine Rekordzahl an Neugründungen gemeldet.
Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen
Je nach Branche zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild. Im Gastgewerbe wurden rund 20.000 Unternehmen neu gegründet – gut ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig nahm dort aber auch die Zahl der Betriebsschließungen zu.
Schwächer verlief die Entwicklung im produzierenden Bereich. Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Gründungen um 2,6 Prozent, im Fahrzeugbau sogar um 8,7 Prozent. Positiver fiel die Bilanz bei technologieorientierten Dienstleistungen aus: Dort stieg die Zahl der Gründungen mit Handelsregistereintrag um 8,5 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber