Basketball

Wie NBA Europe den deutschen Basketball verändern könnte

Milliarden, NBA-Glanz, neue Machtverhältnisse? Warum ausgerechnet Berlin und München den deutschen Basketball umkrempeln könnten.

16.06.2026, 09:27 Uhr

Bayern und Alba kämpfen um den Titel – und könnten für die NBA entscheidend werden

Im deutschen Basketball kommt es erneut zum modernen Klassiker: Bayern München und Alba Berlin spielen auch in diesem Jahr um die Meisterschaft. Vor dem dritten Finalspiel am Mittwochabend um 20.30 Uhr in Berlin steht die Serie 1:1. Neben dem Titelrennen rückt aber immer stärker ein anderes Thema in den Fokus: die mögliche Europa-Liga der NBA.

Nach den bisherigen Plänen soll die NBA Europe bereits im Herbst 2027 starten und sich als neue Spitzenklasse auf dem Kontinent etablieren. Aus deutscher Sicht gelten dabei vor allem Berlin und München als Schlüsselstandorte.

Berlin und München sind für die NBA die wichtigsten deutschen Optionen

Zwar haben auch andere Städte Interesse signalisiert, doch NBA-Europachef George Aivazoglou machte zuletzt deutlich, dass sich die Verantwortlichen in Deutschland vor allem auf Berlin und München konzentrieren.

Alba Berlin bekennt sich offen zum Interesse an der neuen Liga und plant auch eine neue Arena, bei der dieses Projekt eine Rolle spielt. Beim FC Bayern, der derzeit in der Euroleague vertreten ist, fällt der öffentliche Ton deutlich vorsichtiger aus.

Bayern-Präsident Herbert Hainer hält einen Start schon 2027 nach eigenen Worten nicht für realistisch. Zudem betonte er, ein solches Projekt könne aus seiner Sicht nur mit der Euroleague und nicht gegen sie funktionieren.

Milliardenumsätze und ein Großprojekt mit gewaltigen Investitionen

Für feste Startplätze in der geplanten Liga sollen in einer ersten Angebotsrunde Gebote im Bereich von 500 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar eingegangen sein. Die endgültigen Offerten müssen bis Ende des Monats vorliegen. Für Alba und Bayern wäre ein Einstieg in dieser Größenordnung wohl nur gemeinsam mit Investoren denkbar.

NBA und Fiba sehen im europäischen Basketball weiter ein erhebliches wirtschaftliches Wachstumspotenzial. Nach Daten von The Sports Consultancy, die der dpa vorliegen, könnten an den Standorten Berlin und München zwischen 2027 und 2036 insgesamt rund 7 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt werden, also etwa 6 Milliarden Euro.

In diese Schätzung fließen nicht nur direkte Erlöse wie Tickets, Merchandising und TV-Rechte ein, sondern auch indirekte Effekte – etwa Hotelübernachtungen von Fans oder zusätzliche Restaurantbesuche rund um die Spielorte.

Die erwartete Bruttowertschöpfung für Deutschland liegt der Prognose zufolge bei 2,8 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 2,4 Milliarden Euro. Außerdem könnten im Zusammenhang mit der NBA Europe hierzulande fast 1000 Vollzeitstellen gesichert werden.

Hinzu kommt ein weiterer bedeutender Punkt: Nach dpa-Informationen plant die NBA, mehr als 3 Milliarden US-Dollar in das Projekt zu investieren. Das Geld soll unter anderem in Marketing, den Aufbau stabiler Strukturen und in den ersten Jahren auch in den Ausgleich möglicher Verluste fließen.

Deutschland gilt als Wachstumsmarkt – aber nicht ohne Risiken

Auch der Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln sieht im europäischen Basketball einen wirtschaftlich noch nicht ausgeschöpften Markt. Aus seiner Sicht waren die bisherigen europäischen Ligen ökonomisch nur begrenzt überzeugend. Gerade deshalb sei das Vorhaben für die NBA interessant.

Breuer verweist zugleich darauf, dass Europa viele günstige Voraussetzungen mitbringt: Der Kontinent ist bevölkerungsreich, wirtschaftlich stark und in vielen Ländern tief mit Basketball verbunden. Nach Erhebungen der Plattform Global Web Index zählt Basketball in Deutschland zu den am schnellsten wachsenden Sportarten.

Gleichzeitig warnt Breuer vor überzogenen Erwartungen. Gerade in Deutschland werde es noch lange dauern, bis Basketball auch nur annähernd die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs erreiche.

Gefahr einer größeren Kluft in der BBL

Schon jetzt hebt sich vor allem Bayern München finanziell deutlich vom Großteil der Basketball-Bundesliga ab. Sollte ein Club zusätzlich in der NBA Europe antreten, könnte sich dieser Vorsprung weiter vergrößern.

Breuer sieht darin ein Risiko für die nationalen Ligen. Europäische Wettbewerbe seien für heimische Meisterschaften stets heikel – besonders dann, wenn dort deutlich mehr Geld verdient werden könne als im nationalen Spielbetrieb. Auf der anderen Seite könnte die Liga aber auch an Attraktivität gewinnen, wenn mehr internationale Topspieler nach Deutschland kämen.

Auch für deutsche Talente könnte das neue Chancen eröffnen. Spieler, die derzeit oft früh an US-Colleges wechseln, könnten länger in Europa bleiben, wenn sich sportlich und wirtschaftlich attraktivere Perspektiven ergeben.

BBL fordert mehr Ordnung im europäischen Wettbewerbssystem

Bei der Basketball-Bundesliga bewertet man das Interesse der NBA an Europa und Deutschland grundsätzlich als positives Signal. Zugleich verbindet die Liga damit die Erwartung, dass endlich mehr Klarheit und Konsolidierung in die europäischen Clubwettbewerbe kommt.

Derzeit stehen die Wettbewerbe der Fiba in Konkurrenz zu Euroleague und Eurocup. Nach Angaben der BBL laufen Gespräche über eine Lösung. Wie ein möglicher NBA-Einstieg am Ende für die Bundesliga zu bewerten ist, hängt aus Sicht von BBL-Geschäftsführer Stefan Holz maßgeblich davon ab, ob es in dieser Frage zu einer Einigung kommt.

Offene Liga mit Qualifikationsplätzen geplant

NBA und Fiba betonen bei ihrem Konzept, dass die neue Liga nicht nur aus festen Teilnehmern bestehen soll. Anders als in der derzeitigen Euroleague soll es sportliche Wege in den Wettbewerb geben.

Geplant ist, dass zehn bis zwölf Teams einen festen Platz erhalten. Weitere vier bis sechs Mannschaften sollen sich jedes Jahr neu qualifizieren können – etwa über Erfolge in der Basketball Champions League oder über ein Qualifikationsturnier. Auch diese Teams sollen an den Einnahmen der Liga beteiligt werden.

Damit würde die NBA Europe nicht nur als exklusiver Wettbewerb angelegt, sondern zumindest teilweise auch als Liga mit Aufstiegschancen in die Eliteklasse.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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