LeBron James verzichtet auf viel Geld – und wechselt zu den Philadelphia 76ers
LeBron James hat in diesem Sommer auf eine Summe verzichtet, die die allermeisten Profisportler in ihrer gesamten Laufbahn nie erreichen würden. Statt eines deutlich lukrativeren Vertrags erhält der 41 Jahre alte NBA-Superstar für die kommenden zwei Spielzeiten bei den Philadelphia 76ers rund acht Millionen US-Dollar pro Jahr.
Wäre James nach acht Jahren bei den Los Angeles Lakers geblieben, hätte er Medienberichten zufolge insgesamt rund 100 Millionen Dollar mehr verdienen können. Dennoch entschied sich der viermalige NBA-Champion gegen einen Verbleib in Kalifornien. Für viele Beobachter ist klar: Für James steht längst nicht mehr das Geld im Mittelpunkt, sondern sein Platz in der Basketball-Geschichte.
In den sozialen Netzwerken löste der Deal unterschiedliche Reaktionen aus. Einige Kritiker warfen James vor, mit seinem Gehaltsverzicht das sportliche Gleichgewicht zu beeinflussen. Andere sahen darin ein Zeichen dafür, dass der Routinier am Ende seiner Karriere noch einmal alles dem sportlichen Erfolg unterordnet.
LeBron James denkt an sein Vermächtnis
Im Fall von LeBron James geht es längst nicht mehr um finanzielle Sicherheit. Der frühere Forbes-Bericht, wonach er als erster aktiver NBA-Profi Milliardär wurde, unterstreicht das. Diskutiert wird bei ihm fast nur noch eine Frage: Ist James der größte Spieler der NBA-Geschichte – oder doch Michael Jordan?
Einen besonderen Meilenstein setzte James bereits, als er gemeinsam mit seinem Sohn Bronny in einem NBA-Team spielte. Nun richtet sich sein Blick auf die letzten Kapitel seiner Laufbahn. In seiner 24. und 25. Saison – so weit kam vor ihm kein anderer NBA-Profi – jagt er vor allem sportischen Erfolgen hinterher.

Bei den 76ers will „King James“ seinen fünften Meistertitel holen. Jordan gewann in seiner Karriere sechs Championships, James stand dafür zehnmal in den Finals. Der Abstand in dieser Debatte ist also weiterhin ein Thema.
Seine Motivation machte James selbst deutlich: Er sei weiterhin bereit, Opfer zu bringen, hart zu arbeiten und zu kämpfen. Nach dem klaren Aus in den Playoffs soll er zwischenzeitlich sogar über ein Karriereende nachgedacht haben. Stattdessen rückt er nun noch einmal besonders in den Mittelpunkt.
Passend dazu soll seine kommende Saison filmisch begleitet werden – ein Projekt, das bereits mit der viel beachteten Jordan-Dokumentation „The Last Dance“ verglichen wird.
Kritik und Konkurrenz reagieren unterschiedlich
Nicht jeder bewertete den Wechsel positiv. TV-Experte Charles Barkley hatte schon vor der Entscheidung angedeutet, dass eigentlich nur eine Rückkehr nach Cleveland wirklich stimmig gewesen wäre. Alles andere, so sein Tenor, wirke wie ein weiterer Versuch, sich im historischen Vergleich an Jordan anzunähern.
Auch Kevin Durant äußerte sich. Der langjährige James-Rivale zog einen Vergleich zu den Golden State Warriors der Hochphase mit Stephen Curry und ihm selbst. Philadelphia verfüge nun über gleich mehrere Akteure, die regelmäßig viele Punkte erzielen könnten, und sei deshalb klar als Titelkandidat einzustufen.
Neben James verstärkten sich die Sixers in diesem Sommer auch mit Jaylen Brown von den Boston Celtics. Bereits im Kader standen Tyrese Maxey und Joel Embiid, dessen Verletzungsanfälligkeit allerdings weiter ein Unsicherheitsfaktor bleibt. In der vergangenen Saison war Philadelphia in der zweiten Playoff-Runde am späteren Champion New York Knicks gescheitert.
Die NBA ist vor allem erleichtert
Auch für die Liga selbst hatte die Entscheidung große Bedeutung. NBA-Commissioner Adam Silver wollte vor allem Planungssicherheit, nachdem sich der Prozess über Wochen hingezogen hatte. Im Juli hatte er den Druck öffentlich erhöht und darauf verwiesen, dass James’ Zukunft Einfluss auf die Spielplangestaltung habe – etwa für die Eröffnungswoche und die traditionsreichen Weihnachtsspiele.
Für die NBA zählt vor allem, dass ihr größtes Zugpferd der Liga noch mindestens ein, womöglich sogar zwei Jahre erhalten bleibt.
Aus Sicht der Liga wäre ein tiefer Playoff-Lauf der Sixers natürlich ideal. Besonders reizvoll wäre ein Finale zwischen Philadelphia mit James und den San Antonio Spurs um Supertalent Victor Wembanyama. Ein solches Duell würde sportlich wie wirtschaftlich enorme Aufmerksamkeit erzeugen.
Der klare Gewinner: Philadelphia
Am meisten profitiert von dem spektakulären Schritt ohne Zweifel Philadelphia. Mit den Verpflichtungen von Brown und James haben sich die 76ers innerhalb eines Sommers vom ambitionierten Team zum echten Anwärter auf den Titel entwickelt. Im Osten wird derzeit im Grunde nur Titelverteidiger New York ähnlich stark eingeschätzt.
Teambesitzer Josh Harris würdigte James nach der Verpflichtung als einen der größten Spieler der NBA-Geschichte und als einen der herausragendsten Athleten überhaupt. Seine Karriereleistungen seien legendär.
Ob Philadelphia den Titel wirklich angreifen kann, dürfte allerdings stark von Joel Embiid abhängen. Nur wenn der 2,13 Meter große Center gesund bleibt, erscheint ein Finalsieg gegen mögliche Gegner wie San Antonio oder Oklahoma City realistisch.
Die Sehnsucht nach einem großen Triumph ist in Philadelphia jedenfalls riesig. Die letzte Meisterschaft gewann der Club 1983, ein Finaleinzug gelang zuletzt 2001. Mit LeBron James soll sich das nun ändern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber