Teutenberg holt WM-Gold in Shanghai, Friedrich gewinnt Keirin-Silber, Kluge/Augenstein holen Bronze
Tim Torn Teutenberg hat sich bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften in Shanghai den Titel im Ausscheidungsfahren gesichert und dem deutschen Team damit einen goldenen Schlusspunkt beschert. Der 24-Jährige aus Köln setzte sich souverän vor dem Dänen Tobias Hansen und dem Belgier Jules Hesters durch.
Nach seinem Triumph griff sich Teutenberg die Deutschland-Fahne und feierte auf dem Holzoval ausgelassen. "Unglaublich. Dafür bin ich hierhergekommen. Ich wollte unbedingt das Ausscheidungsfahren gewinnen. Das ist immer mein bestes Rennen. Ich war bei der EM schon oft erfolgreich, aber nie bei der WM. Ich bin sehr glücklich, dass es nun mit dem Titel geklappt hat", sagte er nach dem Rennen.
Für Teutenberg war es bereits die zweite Medaille bei diesen Titelkämpfen, nachdem er am Samstag im Omnium Bronze geholt hatte. Das Ausscheidungsfahren gilt seit Jahren als seine Spezialdisziplin. In der Konkurrenz, bei der alle zwei Runden der letzte Fahrer ausscheidet, war er stets hervorragend positioniert und spielte am Ende seine Sprintstärke gegen Hansen aus. "Er ist ein schneller Typ. Als er beschleunigt hat, habe ich alles gegeben, was ich hatte. Ich hatte Angst, dass er auf den letzten Metern noch vorbeizieht", sagte Teutenberg.
Der Allrounder hatte bereits 2023 und 2025 EM-Gold im Ausscheidungsfahren gewonnen, dazu kam in diesem Jahr EM-Silber. Nun folgte auch der erste WM-Titel in dieser Disziplin. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Los Angeles gilt Teutenberg damit als feste Größe im deutschen Bahnteam. Auch im Madison gehört er zu den Kandidaten, nachdem er 2024 gemeinsam mit Roger Kluge in dieser olympischen Disziplin den EM-Titel geholt hatte.
Dass Teutenberg in Shanghai noch einmal zulegen konnte, ist bemerkenswert: Hinter ihm liegt bereits eine lange Straßensaison. Der 24-Jährige war schon im Januar bei der Tour Down Under in Australien am Start, fuhr im Frühjahr die Klassiker und absolvierte beim Giro d’Italia seine erste Grand Tour. "Das war eine relativ lange Saison mit vielen Renntagen, aber ich bin da mit einer guten Form rausgekommen", sagte er.
Der Name Teutenberg hat im Radsport ohnehin Gewicht. Vater Lars war selbst Profi und mehrfach deutscher Meister, auch Onkel Sven und Tante Ina-Yoko feierten viele Erfolge. Schwester Lea Lin gehörte bei der WM ebenfalls zum Aufgebot. In der kommenden Saison will sich Tim Torn Teutenberg zunächst weiter auf der Straße etablieren, ehe er 2027 für das belgische Traditionsteam Soudal Safety Jogger fahren wird. Langfristig träumt er auch von seiner ersten Tour de France.
Am Schlusstag der WM sorgte auch Lea Sophie Friedrich für einen weiteren deutschen Erfolg. Die achtmalige Weltmeisterin gewann im Keirin Silber und musste sich in einer Millimeter-Entscheidung nur Alina Lysenko geschlagen geben, die als neutrale Athletin startete. Bronze ging an die Britin Emma Finucane.
Zum Abschluss sammelte die deutsche Mannschaft noch eine weitere Medaille ein: Altmeister Roger Kluge holte gemeinsam mit Moritz Augenstein Bronze im Madison. Das deutsche Duo belegte hinter Dänemark und Portugal Rang drei. Für den 40 Jahre alten Kluge war es ein weiterer Beleg seiner Klasse, nachdem er schon vor 18 Jahren in Manchester seine erste WM-Medaille gewonnen hatte. Bundestrainer Lucas Schädlich sagte über ihn: "Er hat seinen Platz nicht als Alterspräsident verdient, sondern aufgrund von Leistungen."
Damit beendete das deutsche Team die Titelkämpfe in China mit insgesamt neun Medaillen, darunter zwei goldene, und belegte Rang vier im Medaillenspiegel. Für ein weiteres Highlight hatte bereits am Samstag Pauline Grabosch mit ihrem Sieg im 1.000-Meter-Zeitfahren gesorgt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber