Das Wort Krise wollen sie bei Borussia Dortmund nach dem dritten Spiel ohne Sieg weiter nicht gelten lassen. Nach dem ernüchternden 0:0 bei Union Berlin versuchte Nationalspieler Waldemar Anton, die Lage herunterzuspielen. Von einer Krise wollte er nicht sprechen, vielmehr sammle die Mannschaft gerade gemeinsam eine schwierige Erfahrung.
Noch offensiver suchte Sportdirektor Ole Book nach etwas Positivem in der aktuellen Ergebnisschwäche. Aus seiner Sicht steckt darin sogar die Chance, als Team zu lernen, sich zu entwickeln und gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen. Genau diese Einladung müsse die Mannschaft nun annehmen.
BVB-Offensive: Es fehlt der Mut
Aus Dortmunder Sicht bleibt zu hoffen, dass dieser Lernprozess schnell greift. Denn schon am Dienstag um 18.45 Uhr wartet in Aserbaidschan bei Champions-League-Neuling Sabah FK die nächste wichtige Aufgabe. Vor allem offensiv muss der BVB wieder gefährlicher werden. Zuletzt blieb die Mannschaft ungewohnt harmlos. Lars Ricken, Sportgeschäftsführer des Clubs, zeigte sich darüber irritiert: Weder in Bodö noch nun in Berlin habe Dortmund getroffen – ungewöhnlich für diese Mannschaft.
Nach Ansicht der Verantwortlichen fehlt aktuell vor allem der Mut im Spiel nach vorne – und womöglich auch der Glaube an die eigene Durchschlagskraft. Book machte deutlich, dass Tiefenläufe und gefährliche Räume nur dann konsequent bespielt werden können, wenn die Mannschaft auf dem gesamten Feld mutiger agiert. Auffällig sei, dass Dortmund gerade dann besseren Fußball zeige, wenn der Druck wachse – etwa nach einem Rückstand oder wenn gegen Spielende die Zeit davonlaufe. Genau an diesem Punkt müsse das Team ansetzen.
Wie lange fällt Karetsas aus?
Auch Trainer Niko Kovac vermisst derzeit die nötige Schnelligkeit und Präzision. Dazu kommt die Sorge um Konstantinos Karetsas, der in Aserbaidschan wohl erneut fehlen dürfte. Der 18-Jährige verletzte sich gegen Union kurz nach seiner Einwechslung am Sprunggelenk und musste gestützt vom Platz humpeln.
Kovac zeigte sich vor allem mitfühlend. Für den jungen Griechen sei die Situation besonders bitter, weil er seit seinem Wechsel nach Dortmund bislang kaum Glück gehabt habe. Bereits im Spiel gegen Villarreal war Karetsas nach Kreislaufproblemen zusammengebrochen und auf einer Trage vom Feld gebracht worden. Nun droht ihm die nächste Zwangspause.
Vom Polarkreis nach Aserbaidschan: Dortmunds wilde Reise
Während der BVB an seinen Schwächen arbeitet, bleibt kaum Zeit für echte Erholung. Der Reiseplan ist eng, die Belastung hoch: Mittwoch spielte Dortmund noch am Polarkreis in Norwegen, Samstag in Berlin und Dienstag geht es bei Temperaturen von mehr als 20 Grad schon in Aserbaidschan weiter.
Ricken schilderte nach dem Spiel in Berlin den aufwendigen Ablauf: erst zurück nach Hause, dann nur wenige Stunden Ruhe und anschließend wohl mit Zwischenstopp weiter nach Aserbaidschan, weil die Reichweite des Flugzeugs nicht ausreiche. Für die Dortmunder ist es derzeit eine regelrechte wilde Reise.
Keine Ausreden erlaubt
Trotz aller Strapazen will beim BVB niemand die vielen Flüge und kurzen Erholungsphasen als Ausrede gelten lassen. Anton stellte klar, dass auf dem Platz niemand mehr danach frage, ob man nur fünf oder sieben Stunden geschlafen habe oder müde sei. Von Beginn an sei allen klar gewesen, dass ein anstrengender Reiseplan bevorstehe. Sein einfaches Rezept für die kommenden Tage: viel schlafen, viel trinken.
Nach inzwischen drei enttäuschenden Auftritten wächst der Druck auf Borussia Dortmund weiter. Für Book ist klar, dass die Mannschaft in Aserbaidschan beweisen muss, dass der schwache Champions-League-Auftritt in Norwegen nur ein Ausrutscher war. Kommt die nächste Enttäuschung hinzu, dürfte es immer schwieriger werden, das ungeliebte K-Wort noch zu vermeiden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber