Merz will Partnerschaft mit Singapur vertiefen
Zum Beginn seiner viertägigen Reise durch Asien setzt Bundeskanzler Friedrich Merz auf engere Beziehungen zu Singapur. Der CDU-Politiker traf am Morgen Ortszeit in dem wohlhabenden und dicht besiedelten Stadtstaat nahe dem Äquator ein, der als bedeutender Knotenpunkt für den Handel in Südostasien gilt.
In Singapur will Merz bei der renommierten „Singapore Lecture“ die Leitlinien der deutschen Indopazifik-Politik vorstellen. In dieser Vortragsreihe haben in der Vergangenheit bereits bekannte Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Chinas Präsident Xi Jinping und die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen.
Geplant sind zudem Treffen mit Premierminister Lawrence Wong und Präsident Tharman Shanmugaratnam. Neben wirtschaftlichen Themen dürfte auch die angespannte Sicherheitslage im Indopazifik zur Sprache kommen, insbesondere mit Blick auf Chinas Territorialstreitigkeiten mit Nachbarländern. In einer gemeinsamen Erklärung wollen beide Staaten einen Arbeitsplan zur weiteren Ausgestaltung ihrer strategischen Partnerschaft festhalten.
Orchidee als diplomatische Ehrung
Wie schon bei Olaf Scholz und Angela Merkel wird auch Friedrich Merz in Singapur eine besondere Auszeichnung erhalten: Eine Orchidee, die Nationalblume des Landes, soll seinen Namen tragen. Diese Geste ist bei Staatsgästen mit hohem Rang üblich. Meist entsteht dafür eigens eine neue Kreuzung aus zwei Orchideenarten.
Bereits benannt wurden unter anderem eine „Dendrobium Angela Merkel“, eine „Renanthera Olaf Scholz“ sowie eine „Dendrobium Frank-Walter Steinmeier“. Auch internationale Persönlichkeiten wie Prinzessin Diana, Margaret Thatcher und Japans Kaiser Akihito wurden auf diese Weise geehrt. In Singapur ist dieses Vorgehen als „Orchideen-Diplomatie“ bekannt.

Enge wirtschaftliche Verflechtungen
Deutschland und Singapur arbeiten seit Jahren eng in den Bereichen Wirtschaft, Verteidigung und Forschung zusammen. Nach Angaben der Bundesregierung sind fast 2.400 deutsche Unternehmen in Singapur aktiv und sichern dort rund 45.000 Arbeitsplätze. Das bilaterale Handelsvolumen beläuft sich auf 11,8 Milliarden Euro pro Jahr.
Deutschland ist damit Singapurs wichtigster Handelspartner in Europa. Umgekehrt rangiert Singapur unter den deutschen Partnern in Südostasien auf dem vierten Platz.
Weniger Abhängigkeit von China
Nach Singapur stehen für Merz noch Japan und Südkorea auf dem Reiseplan. Es ist bereits seine dritte Asienreise als Kanzler. Die Region hat für die deutsche Wirtschaft große Bedeutung.
Schon im Januar hatte Merz ein außenwirtschaftliches Signal gesetzt: Anders als Olaf Scholz und Angela Merkel reiste er zunächst nach Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, und erst einige Wochen später nach China. Damit machte er deutlich, dass Deutschland seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern will – sowohl bei Exporten als auch besonders bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen.
Auch die aktuelle Reise steht im Zeichen dieser Diversifizierung. Aus Regierungskreisen hieß es vorab, sie sei als Investition in die Beziehungen zu den Staaten der Region zu verstehen – und zugleich in ein gemeinsames Verständnis internationaler Ordnung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber