Bayerns Kommunen bekommen 2027 mehr Geld – die Finanzkrise bleibt dennoch akut
Angesichts der anhaltenden Haushaltsprobleme vieler Städte, Gemeinden und Landkreise steigt der kommunale Finanzausgleich in Bayern 2027 auf einen neuen Höchststand. Der Freistaat stellt dafür 13,59 Milliarden Euro bereit. Zusätzlich kommen 1,2 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes. Entspannung bedeutet das für die kommunale Ebene jedoch nicht. Die finanzielle Lage vieler Kommunen bleibt äußerst angespannt.
Wie hoch ist das Defizit?
Nach Einschätzung des Präsidenten des Bayerischen Landkreistags, Thomas Karmasin (CSU), steuern die Kommunen erneut auf ein Gesamtminus von rund fünf Milliarden Euro zu. Damit würde sich die schlechte Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen. Bereits im ersten Halbjahr 2026 lag das Defizit bei 4,05 Milliarden Euro.
Besonders schwierig ist die Situation in den kreisfreien Städten. Zuletzt konnten 16 von 25 Städten nicht ausreichend Mittel im Haushalt bereitstellen, um ihre Kredite planmäßig zu tilgen. In Augsburg und Nürnberg führte das bereits zu Haushaltssperren. Doch auch viele kleinere Gemeinden geraten zunehmend unter Druck. Bei den Landkreisen gilt die Lage im Vergleich noch als etwas stabiler.
Warum ist die Finanzlage so kritisch?
Die finanzielle Schieflage hat sich über Jahre aufgebaut und verschärft. Kern des Problems ist, dass die Ausgaben – vor allem im Sozialbereich – deutlich schneller steigen als die Einnahmen. Besonders belastend sind Aufgaben, die den Kommunen übertragen wurden, ohne dass die Finanzierung in gleichem Maß abgesichert ist.
Kommunen und Freistaat fordern deshalb seit Langem, dass der Bund für Gesetze, die vor Ort Kosten verursachen, auch vollständig die Finanzierung übernimmt. Nach Worten von Finanzminister Albert Füracker (CSU) sorgen vor allem gesetzliche Ansprüche im Sozialbereich dauerhaft für kaum kalkulierbare Belastungen auf kommunaler Ebene.
Wie bewertet die Staatsregierung die Lage?
Füracker sprach von einer engen Schicksalsgemeinschaft zwischen Freistaat und Kommunen. Die Erhöhung des Finanzausgleichs um 756 Millionen Euro beziehungsweise 5,9 Prozent wertete er als starkes Signal. Zugleich machte er deutlich, dass Bayern damit bereits an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten gehe.
Besonders hob der Minister die höheren Schlüsselzuweisungen hervor. Dabei handelt es sich um Mittel, die die Kommunen ohne enge Zweckbindung erhalten und somit vergleichsweise flexibel einsetzen können.
Wie reagieren die Kommunen?
Thomas Karmasin bezeichnete das Ergebnis insgesamt als tragfähig und ordentlich – allerdings nur als vorübergehende Hilfe. Sinngemäß verglich er die Situation mit einem Rettungsring für einen Ertrinkenden: Man sei dankbar für die Unterstützung, könne damit aber lediglich weiter über Wasser bleiben. Ziel müsse sein, die Kommunen dauerhaft aus der Notlage herauszuführen.
Auch aus den Städten kommt Kritik. Der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr (CSU), erklärte, dass der neue Finanzausgleich die strukturellen Probleme bei Weitem nicht lösen werde. Die größten Ausgabenblöcke wüchsen ungebremst weiter.
Franz Löffler (CSU), Präsident des Bezirkstags, sagte, selbst diese hohe Summe reiche vorne und hinten nicht aus. Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) warnte zudem, dass sich manche Kommunen bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung bereits in einer Lage befänden, die einer Insolvenz nahekomme. Er forderte, politische Versprechen stärker an der finanziellen Realität auszurichten.
Wie sehen die Aussichten aus?
Die Perspektiven für Land und Kommunen bleiben durchwachsen. Nach der jüngsten Steuerschätzung entwickelt sich Bayern bei den Einnahmen schwächer als der Bundestrend. Während bundesweit höhere Staatseinnahmen erwartet werden, musste der Freistaat seine Prognose nach unten anpassen: für 2026 um 300 Millionen Euro, für 2027 um 100 Millionen Euro.
Für die Kommunen fällt der Ausblick etwas günstiger aus. Ihre Einnahmen hängen stark von der Gewerbesteuer ab. Für 2026 rechnen die Steuerschätzer gegenüber der Frühjahrsprognose mit einem Plus von 432 Millionen Euro. Für 2027 wird sogar ein Zuwachs von 879 Millionen Euro erwartet.
Was wurde konkret beschlossen?
Mehrere Punkte des Finanzausgleichs werden 2027 ausgeweitet:
- Der kommunale Anteil am allgemeinen Steuerverbund steigt von 13,3 auf 13,5 Prozent.
- Die Schlüsselzuweisungen erhöhen sich um fast zehn Prozent auf knapp 5,5 Milliarden Euro.
- Die Mittel für die Bezirke wachsen um 210 Millionen Euro auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.
Zusätzlich sind höhere Mittel unter anderem für den kommunalen Hochbau und für Krankenhausinvestitionen vorgesehen, teils finanziert aus dem Sondervermögen des Bundes. Außerdem sollen im kommenden Doppelhaushalt 250 neue Stellen an den Landratsämtern geschaffen werden.
Fazit
Der Rekordwert beim Finanzausgleich verschafft Bayerns Kommunen Luft, löst aber ihre grundlegenden Probleme nicht. Die Ausgaben steigen vielerorts schneller als die Einnahmen, besonders im Sozialbereich. Ohne strukturelle Änderungen und eine verlässlichere Gegenfinanzierung neuer Aufgaben dürfte die finanzielle Krise der Kommunen weiter anhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber