Kommt Papst Leo XIV. nach Deutschland?
Vor zwei Jahrzehnten führte Papst Benedikt XVI. eine Reise in seine bayerische Heimat. Dort war er geboren worden, aufgewachsen und hatte später als Theologieprofessor sowie als Erzbischof gewirkt. Sein Nachfolger Franziskus hingegen machte nie einen Besuch in der Heimat Benedikts. Nun richtet sich der Blick auf Leo XIV., der seit Mai 2025 Papst ist.
Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister ist überzeugt, dass eine Deutschlandreise des neuen Papstes auf große Zustimmung stoßen würde. Nach seiner Einschätzung könnte ein solcher Besuch ein wichtiges Zeichen setzen, dass die katholische Kirche in Deutschland wieder stärker im Zusammenhang der Weltkirche wahrgenommen wird.
Franziskus habe zur Kirche in Deutschland ein eher belastetes Verhältnis gehabt, sagte Sautermeister. Der frühere Papst sei ihr gegenüber kritisch gewesen. Das habe sich unter anderem in seinen Vorbehalten gegenüber dem Synodalen Weg gezeigt. Mit seiner Bemerkung, Deutschland brauche keine zweite evangelische Kirche, habe er diese Skepsis deutlich gemacht.
Chance auf neues Verhältnis zwischen Rom und Deutschland
Nach Ansicht des Theologen könnte ein Besuch von Leo XIV. helfen, die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Kirche in Deutschland zu verbessern. Spannungen könnten abgebaut und Missverständnisse geklärt werden. Schon vor seiner Wahl zum Papst habe sich der damalige Kardinal Prevost im Umgang mit den deutschen Bischöfen offen für Austausch und Gespräche gezeigt.

Zugleich bescheinigt Sautermeister dem neuen Papst eine große kulturelle Offenheit. Leo XIV. habe wichtige soziale und globale Fragen im Blick, darunter Künstliche Intelligenz, die Macht großer Technologiekonzerne, Bildung, Gerechtigkeit, Frieden, den Schutz der Schöpfung sowie den Umgang mit Missbrauch.
Der Experte geht davon aus, dass der Papst bei einer Deutschlandreise einige dieser Themen aufgreifen würde. Ebenso dürfte der in Deutschland eingeschlagene synodale Reformprozess eine Rolle spielen. Dabei wäre es aus seiner Sicht entscheidend zu zeigen, dass dieser Weg mit dem weltweiten synodalen Prozess der Kirche vereinbar ist.
Der Synodale Weg war von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Reaktion auf den Missbrauchsskandal angestoßen worden.
Leo XIV. kennt Deutschland bereits aus früheren Jahren: Als Generalprior des Augustiner-Ordens war er mehrfach hier, unter anderem bei den Augustinern in Würzburg. Eine offizielle Einladung in die Bundesrepublik liegt ebenfalls schon vor: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Papst bereits nach Deutschland eingeladen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber