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Dieser Piks schützt dich vor Wiesn-Grippe

Kaum startet die Wiesn, husten alle? Warum ein kleiner Piks Ihr Erkältungsrisiko im Bierzelt deutlich senken kann.

08.09.2026, 04:00 Uhr

Zum Oktoberfest steigt auch das Risiko für Atemwegsinfekte

Kaum beginnt in München die Wiesn, häufen sich auch Husten, Schnupfen und Heiserkeit. In den dicht gefüllten Festzelten finden Erkältungsviren ideale Bedingungen, um sich schnell zu verbreiten.

Wer das Ansteckungsrisiko beim Feiern senken möchte, kann laut Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, mit Impfungen vorsorgen. Vor allem ein Schutz gegen Covid-19 und Influenza könne sinnvoll sein. Der Herbst sei daher nicht nur die Zeit der Volksfeste, sondern auch die klassische Saison für Auffrischungsimpfungen.

Kampagne „München impft“ startet im September

Um besser über Atemwegsinfektionen und bestehende Impfangebote zu informieren, starten das LMU Klinikum, das TUM Klinikum und das Münchner Gesundheitsreferat im September die Initiative „München impft“.

Nach Angaben von Spinner ist nicht einmal jede dritte Person, für die eine Grippeimpfung empfohlen wird, tatsächlich dagegen geschützt. Dadurch steige das Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Spinner selbst lasse sich gegen Influenza und Covid-19 impfen und betont, dass er so sowohl sich selbst als auch seine Patientinnen und Patienten schütze. Die Wiesn möge er sehr – umso wichtiger sei für ihn der Impfschutz.

„Wiesn-Grippe“ ist meist keine echte Grippe

Allerdings kursieren auf dem Oktoberfest viele Erreger, gegen die es keine Impfung gibt. Dazu zählen unter anderem Rhino-, Adeno- und Enteroviren sowie bekannte saisonale Coronaviren. Spinner erklärt, dass die sogenannte Wiesn-Grippe in den meisten Fällen gar keine Influenza sei. Vielmehr handle es sich um einen Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch Menschenmengen, wenig Schlaf, kühle Temperaturen und Alkoholkonsum begünstigt würden.

Covid-19 spielt bei schweren Fällen die größte Rolle

Bei ernsteren Atemwegsinfektionen während der Wiesn entfällt laut Spinner der größte Anteil meist auf SARS-CoV-2. Im Unterschied zur klassischen Grippe sei Covid-19 nicht auf die kalte Jahreszeit beschränkt, sondern zirkuliere das ganze Jahr über. Gerade weil in den Festzelten viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, sei das Risiko einer Ansteckung dort besonders hoch.

Unabhängig vom Oktoberfest empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Corona-Impfung vor allem für Menschen ab 75 Jahren, für Personen mit erhöhtem Risiko und für Beschäftigte in der Pflege.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Impfschutz

Influenza und das RSV-Virus spielen nach Einschätzung von Spinner bei Erkrankungen rund um die Wiesn nur eine untergeordnete Rolle. Beide Erreger nähmen in der Regel erst ab Ende November stärker zu und erreichten ihren Höhepunkt meist im Januar.

Trotzdem könnten durch das internationale Publikum und das Gedränge in den Zelten auch schon während des Oktoberfests einzelne Grippefälle auftreten. Deshalb sei der Frühherbst ein guter Zeitpunkt, um sich auf die kommende Grippesaison vorzubereiten. Besonders empfohlen werde die Impfung Menschen mit Vorerkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge oder bei Krebs.

RSV: Vor allem für Ältere und Säuglinge gefährlich

Eine unmittelbare größere RSV-Welle auf der Wiesn erwartet Spinner zwar nicht. Wer zur empfohlenen Zielgruppe gehört, sollte die Impfung dennoch rechtzeitig einplanen. Derzeit seien nur rund 20 Prozent der Menschen geimpft, denen dieser Schutz angeraten werde.

RSV kann insbesondere für Säuglinge und ältere Menschen problematisch werden. Die STIKO empfiehlt die RSV-Impfung für Erwachsene ab 75 Jahren sowie für Menschen ab 60 Jahren mit schweren Grunderkrankungen.

Atemwegsinfekte können auch Herz und Kreislauf belasten

Spinner weist zudem darauf hin, dass Atemwegsinfektionen nicht nur Husten oder Fieber verursachen. Sie aktivieren das Immunsystem stark und führen zur Ausschüttung zahlreicher Entzündungsstoffe. Dadurch können sich Blutgefäße verengen, was das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen kann.

Impfaktion in München

Im Rahmen der von einem Impfstoffhersteller unterstützten Aktion „O’zapft is – aber bitte Grippe-geimpft!“ werden am 8. und 9. September in der Marien Apotheke am Sendlinger Tor Influenza-Impfungen für Erwachsene ab 18 Jahren angeboten. Auch Christoph Spinner wirkt an der Aktion mit.

Wiesn-Start am 19. September – Millionen Gäste erwartet

Das Oktoberfest beginnt in diesem Jahr am 19. September. Erwartet werden wieder rund sechs Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, möglicherweise auch mehr. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2023 mit 7,2 Millionen Gästen.

Dass in 216 Jahren Wiesn-Geschichte erst das 191. Oktoberfest stattfindet, hat historische Gründe: Rund zwei Dutzend Mal fiel das Volksfest aus – unter anderem wegen Kriegen, Krankheiten und Inflation. Zuletzt musste die Wiesn 2021 und 2022 wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Bereits im 19. Jahrhundert verhinderten zudem zweimal Cholera-Ausbrüche das Fest.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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