Politik

Warum das Heer jetzt massiv auf Drohnen setzt

Panzer, Drohnen, Ostflanke: Warum das Heer in Litauen jetzt auf diese neue Kampf-Kombi setzt, erklärt General Freuding.

12.06.2026, 14:43 Uhr

Heer drängt auf schnelleren Ausbau von Drohnen und unbemannten Systemen

Das deutsche Heer will den Einsatz von Drohnen und anderen unbemannten Waffensystemen zügig ausweiten. Für die Landstreitkräfte der Bundeswehr sei vor allem das enge Zusammenwirken von Panzerverbänden und Drohneneinheiten von zentraler Bedeutung, erklärte Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding bei der Militärübung „Freedom Shield 2026“ in Litauen.

Die erst im vergangenen Jahr aufgestellte deutsche Panzerbrigade 45 übt dort erstmals Kampfhandlungen auf litauischem Boden. Nach Bundeswehrangaben sind bei dem Manöver auch 350 Drohnen im Einsatz. Freuding ließ sich unter anderem Gefechtsstände sowie Konzepte für die Nutzung der unbemannten Systeme vorstellen.

Manöver an der Nato-Ostflanke

Besonders überzeugt habe ihn die Steuerung des Drohneneinsatzes im Gefechtsstand, sagte Freuding. Zugleich machte er deutlich, dass es weiterhin erhebliches Entwicklungspotenzial gebe. Unbemannte Systeme müssten in der Truppe auf allen Ebenen deutlich stärker verankert werden.

Für die Übung auf dem Truppenübungsplatz Pabrade, rund 20 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt, wurden etwa 2.900 Soldaten und rund 800 Fahrzeuge aus acht Nato-Staaten zusammengezogen. Davon kommen 2.300 Soldaten aus Deutschland.

Brigade soll bis 2027 voll einsatzbereit sein

Die Stationierung der Panzerbrigade in Litauen war von der Bundesregierung als Antwort auf die wachsende Bedrohung durch Russland zugesagt worden. Bis 2027 soll der Verband mit 4.800 Soldaten und 200 zivilen Beschäftigten vollständig einsatzfähig sein. Derzeit sind nach Angaben der Bundeswehr etwa 1.800 Angehörige in Litauen stationiert.

"Freedom Shield 2026" - Übung der Panzerbrigade 45 Litauen
Generalleutnant Christian Freuding in Litauen Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Freuding betonte die Bedeutung des Manövers für die Abschreckung an der Nato-Ostflanke. Es handle sich um die erste eigenständige Übung der Brigade Litauen. Das zeige, dass der Aufbau des Verbandes nicht nur auf dem Papier existiere, sondern tatsächlich vor Ort voranschreite.

Sorge über russische Aufrüstung

Die sicherheitspolitische Lage bezeichnete Freuding als angespannt. Russland baue seine militärischen Fähigkeiten trotz hoher Verluste im Krieg gegen die Ukraine weiter aus.

Zudem verwies er auf Pläne Moskaus, die aktiven Streitkräfte auf 1,5 Millionen Soldaten zu erhöhen. Nach Einschätzung von Experten könne dieses Ziel noch in diesem Jahr erreicht werden. Auch nordeuropäische Nato-Partner hätten berichtet, dass Russland Mobilisierungsstützpunkte und weitere militärische Strukturen ausbaue. Deshalb nehme man die Sicherheitslage sehr ernst.

Deutschland und Niederlande stärken Nato-Präsenz im Baltikum

Deutschland und die Niederlande wollen ihr Engagement im Baltikum gemeinsam ausbauen und künftig ein neues taktisches Nato-Hauptquartier in Estland führen. Diese Aufgabe soll zur Jahresmitte das Deutsch-Niederländische Korps übernehmen.

Nach Angaben beider Verteidigungsministerien soll das zusätzliche Hauptquartier den Zusammenhalt innerhalb der Nato stärken und die Abschreckung gegenüber Russland verbessern. Das seit mehr als 30 Jahren bestehende Korps soll die Führung der Nato-Landstreitkräfte und der nationalen Truppenteile übernehmen, die in Estland und Lettland stationiert sind.

Darüber hinaus wird es für die Leitung von Übungen verantwortlich sein und im Ernstfall die Verteidigung der Ostflanke koordinieren. Bislang liegt diese Aufgabe bei einem Nato-Hauptquartier in Polen. Über ein eigenes Hauptquartier für die baltischen Staaten wird bereits seit dem Nato-Gipfel 2023 beraten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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