Politik

USA kippen plötzlich CO2-Regeln für Kraftwerke

CO2-Regeln sollten das Klima schützen – doch Trump zerlegt sie in den USA jetzt Stück für Stück. Was das auslöst?

15.09.2026, 01:52 Uhr

EPA hebt Klimaregeln für Kraftwerke auf

Die US-Umweltbehörde EPA hat zentrale Vorgaben zur Begrenzung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen aus Kohle- und Gaskraftwerken aufgehoben. Wie Behördenchef Lee Zeldin bei einem G20-Ministertreffen in Houston im Bundesstaat Texas mitteilte, wird damit der Großteil der unter Ex-Präsident Joe Biden eingeführten Treibhausgasvorschriften für US-Kraftwerke zurückgenommen.

Zugleich schlug die Behörde vor, auch alle noch verbliebenen Regeln für Treibhausgasemissionen von Kraftwerken künftig aufzuheben. Die EPA begründet das damit, dass sie nach ihrer Auslegung der geltenden Gesetze nicht befugt sei, Emissionen von Kraftwerken mit Verweis auf den Klimawandel zu regulieren.

Zeldin warf den Regierungen von Barack Obama und Joe Biden vor, über mehr als 15 Jahre einen „Krieg gegen die Kohle“ geführt zu haben. Die Regierung von Präsident Donald Trump wolle diesen Kurs nun umkehren. Nach Angaben der EPA sollen Verbraucher dadurch sinkende Strompreise erleben. Zudem rechnet die Behörde damit, dass die Kohleverstromung um mehr als das Zehnfache steigen könnte.

Die aufgehobenen Emissionsvorschriften beziehen sich unter anderem auf Standards aus dem Jahr 2024. Diese verpflichteten Kohlekraftwerke dazu, ihre klimaschädlichen Emissionen drastisch zu senken. Anlagen, die die Vorgaben nicht erfüllt hätten, hätten ihren Betrieb bis 2039 einstellen müssen.

USA gehören zu den größten CO2-Verursachern

Die Entscheidung hat Folgen weit über die USA hinaus. Die Vereinigten Staaten zählen weltweit zu den größten Verursachern von Treibhausgasen; nur China stößt noch mehr aus. Nach EU-Angaben verursachten die USA im Jahr 2024 rund 5,9 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente, China kam auf etwa 15,5 Milliarden Tonnen.

Seit seinem Amtsantritt hat Trump mehrere Klimaschutzmaßnahmen zurückgenommen. Bereits im Januar traten die USA offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen aus. In dem 2015 von rund 200 Staaten geschlossenen Vertrag wurde vereinbart, die Erderwärmung gegenüber vorindustriellen Werten auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Welchen klimapolitischen Kurs die USA einschlagen, ist deshalb auch international bedeutsam. Für die Erderwärmung ist entscheidend, wie viele Treibhausgase insgesamt in die Atmosphäre gelangen – nicht, aus welchem Land sie stammen.

Kritik von Umweltverbänden, Lob aus der Kohleindustrie

Umweltverbände und frühere Fachleute der US-Regierung kritisierten den Schritt scharf. Zealan Hoover, unter Biden Berater der EPA, warnte laut der „Washington Post“, mit der Aufhebung der Emissionsstandards für Kraftwerke nehme Trump vermeidbare Asthmaanfälle, Herzerkrankungen und sogar Todesfälle in Kauf.

Das Natural Resources Defense Council kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. Die Organisation wirft der Regierung vor, Umweltverschmutzer zu begünstigen und die öffentliche Gesundheit sowie Sicherheit zu gefährden.

Rückendeckung kommt dagegen aus der Kohlebranche. Der Branchenverband America’s Power begrüßte den Schritt. Er könne dazu beitragen, die Stabilität des Stromnetzes zu sichern und Verbraucher vor höheren Kosten zu schützen – gerade in einer Zeit stark steigender Stromnachfrage durch Rechenzentren, künstliche Intelligenz und moderne Fertigung.

Trump zweifelt menschengemachten Klimawandel an

Trump stellt den menschengemachten Klimawandel seit Jahren gegen den wissenschaftlichen Konsens infrage. Bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr bezeichnete er den Klimawandel als „größten Betrug“. Den CO2-Fußabdruck nannte er eine „Lüge“, die von Menschen mit bösen Absichten erfunden worden sei.

Bereits im Februar hatte die EPA der Linie Trumps folgend Treibhausgase für unproblematisch erklärt und damit eine zentrale rechtliche Grundlage für Klimaschutzvorschriften beseitigt. Konkret wurde das sogenannte Endangerment Finding gestrichen. Seit 2009 hatte die Behörde darin wichtige Treibhausgase wie Kohlendioxid als Gefahr für die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung eingestuft.

Folgen des Klimawandels auch in Deutschland spürbar

Wissenschaftlich gelten Treibhausgase als Haupttreiber des menschengemachten Klimawandels. Seit dem späten 19. Jahrhundert haben sie laut Forschung maßgeblich zum Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur beigetragen. Der Weltklimarat IPCC verweist weltweit auf häufigere und heftigere Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren.

Auch in Deutschland sind die Folgen bereits spürbar. In diesem Sommer wurden neue Hitzerekorde gemessen, zugleich trockneten Flussbetten aus. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat sich Deutschland gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt – deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Zusätzliche Emissionen erhöhen damit auch hier das Risiko weiterer Extremsituationen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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