USA verschieben Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Deutschland
Die Vereinigten Staaten werden nach Angaben von US-General und Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich vorerst keine weitreichenden Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationieren. Die geplante Verlegung eines sogenannten „Long Range Fires Battalion“ werde zunächst nicht umgesetzt, erklärte Grynkewich, der zugleich das für Europa zuständige US-Kommando Eucom führt.
Außerdem bestätigte er, dass der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Abzug von rund 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Europa zu einem großen Teil durch die Rückverlegung eines „Brigade Combat Teams“ erfolgen soll.
Mit Blick auf weitere Änderungen der US-Truppenpräsenz in Europa sagte Grynkewich, kurzfristig rechne er nicht mit neuen Entscheidungen. Auf längere Sicht seien jedoch weitere Reduzierungen denkbar. Als Grund nannte er den Ausbau europäischer Fähigkeiten sowie eine stärkere Eigenverantwortung Europas bei der konventionellen Verteidigung.
Trump rückt von früheren Zusagen ab
Nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 2024 sollten die USA ab 2026 wieder konventionell bestückte Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationieren, die Ziele tief in Russland erreichen können. Vorgesehen waren dabei unter anderem Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern, Raketen vom Typ SM-6 sowie neue Hyperschallwaffen.
Zuletzt hatten sich jedoch die Anzeichen verdichtet, dass die Regierung Trump diese unter Präsident Joe Biden getroffene Vereinbarung nicht umsetzen will. Vorausgegangen war ein öffentlicher Streit zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Trump.
Wortgefecht zwischen Merz und Trump
Merz hatte in einer Diskussion mit Schülerinnen und Schülern erklärt, die USA könnten den Krieg nicht rasch beenden, weil der Iran offenbar stärker sei als angenommen und Washington in den Verhandlungen keine überzeugende Strategie erkennen lasse.
Trump reagierte darauf mit scharfer persönlicher Kritik und erklärte, Merz wisse nicht, wovon er spreche. Kurz darauf stellte er den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland in Aussicht.
Auf die Frage, ob die von Biden zugesagten Tomahawk-Raketen dennoch nach Deutschland geliefert würden, sagte Merz später in der ARD, aus heutiger Sicht gebe es in den USA selbst kaum Möglichkeiten, solche Waffensysteme abzugeben.
Die Bundesregierung setzt nun darauf, Tomahawk-Marschflugkörper zumindest erwerben zu können. Zudem wird geprüft, ob ein Gemeinschaftsunternehmen deutscher und amerikanischer Firmen gegründet werden kann, um die Raketen künftig auch in Deutschland zu produzieren. Zuerst hatte darüber die Welt berichtet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion