Politik

Umfrage-Schock: AfD vorn, Kleine holen auf

AfD weiter klar vorn in Sachsen-Anhalt – doch ausgerechnet ein Detail der neuen Umfrage könnte ihren Machtplan platzen lassen.

30.07.2026, 11:09 Uhr

AfD bleibt vor der Landtagswahl deutlich stärkste Kraft

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in den Umfragen weiterhin klar vorn. Im aktuellen Sachsen-AnhaltTREND von Infratest dimap, erhoben im Auftrag von MDR, WDR, Magdeburger Volksstimme und Mitteldeutscher Zeitung, kommt die Partei erneut auf 41 Prozent. In Sachsen-Anhalt wird die AfD als rechtsextrem eingestuft.

Neben AfD, CDU, Linken und SPD hätten laut der Erhebung auch die Grünen mit 5 Prozent Chancen auf den Einzug in den Landtag. Das würde eine Alleinregierung der AfD rechnerisch unwahrscheinlicher machen.

Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze verliert im Vergleich zur letzten Umfrage im Mai zwei Punkte und erreicht 24 Prozent. Sie regiert derzeit mit SPD und FDP. Dahinter folgen die Linke mit 13 Prozent und die SPD mit 7 Prozent. Für die Sozialdemokraten ist das etwas entspannter als zuletzt, als sie teils nur um die Fünf-Prozent-Marke lagen.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) käme auf 4 Prozent und würde damit aktuell an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die mitregierende FDP wird wegen zu schwacher Werte nicht gesondert ausgewiesen.

Für die Umfrage wurden laut Infratest dimap 1.149 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt zwischen dem 23. und 28. Juli telefonisch und online befragt. Die Erhebung gilt den Angaben zufolge als repräsentativ.

Schulze spricht von offenem Rennen

Ministerpräsident Schulze wertete die Zahlen als positives Signal. Aus seiner Sicht zeigt die Umfrage, dass keine Partei sicher über eine Mehrheit verfügt und es am Ende auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinauslaufen könnte. Nun müsse um jede Stimme gekämpft werden.

Zugleich sagte der CDU-Politiker, der Wahlkampf sei in den vergangenen Wochen durch Themen aus Berlin und das Handeln der Bundesregierung stark erschwert worden. Sollten diese Schlagzeilen den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt nicht länger überlagern, könne die CDU aus seiner Sicht noch mehr Unterstützung gewinnen.

SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann bezeichnete das Ergebnis für seine Partei als Grundlage für die verbleibenden Wochen bis zur Wahl. Eine stabile Regierung aus der demokratischen Mitte werde es in Sachsen-Anhalt nur mit einer starken SPD geben, betonte er. Bis zum Wahltag wolle seine Partei um jede Stimme kämpfen.

Grüne und Linke sehen Rückenwind

Die Grünen bewerteten die neuen Zahlen als Antrieb und Motivationsschub. Bundesvorsitzender Felix Banaszak erklärte, je mehr Parteien in den Landtag einziehen, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, desto unwahrscheinlicher werde es, dass die AfD an Regierungsmacht und damit an Einfluss auf Polizei, Justiz und Schulen gelangt.

Die hohen Zustimmungswerte für die AfD nannte Banaszak bedrückend und Ausdruck großer Unzufriedenheit. Zugleich warnte er vor den Gefahren für das Land.

Für die Grünen tritt in Sachsen-Anhalt Susan Sziborra-Seidlitz als Spitzenkandidatin an. Sie zeigte sich zuversichtlich und betonte mit Blick auf die knappe Lage, entscheidend sei vor allem, wer die Fünf-Prozent-Hürde überspringt – nicht nur, wer vorn liegt.

Auch die Linke zeigte sich zufrieden. Eva von Angern erklärte, ihre Partei werde alles daransetzen, damit rechte Politik keine Wirkung entfalten könne.

Unzufriedenheit mit der Landesregierung wächst

Nach Angaben von Infratest dimap ist die Unzufriedenheit mit der Landesregierung aus CDU, SPD und FDP weiter gestiegen. Nur noch 29 Prozent der Befragten äußerten sich mit deren Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden.

Rechnerisch könnte die CDU Mehrheiten nur zusammen mit SPD und Linken oder gemeinsam mit der AfD organisieren. Die Landes-CDU hat jedoch bekräftigt, weder mit der Linken noch mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen. Solche möglichen Bündnisse stoßen auch in der Bevölkerung mehrheitlich auf Skepsis.

Bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung anführen sollte, liegen AfD und CDU fast gleichauf. 44 Prozent sprechen sich für eine von der AfD geführte Regierung aus, 43 Prozent für eine Führung durch die CDU.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze konnte seine Bekanntheit zwar deutlich steigern, doch nur 29 Prozent sind mit ihm zufrieden. Mit seinem AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund zeigen sich 35 Prozent zufrieden.

AfD auch bei Parteikompetenz klar vorn

Auch bei der zugeschriebenen Parteikompetenz liegt die AfD deutlich vor allen anderen. 36 Prozent trauen ihr am ehesten zu, die wichtigsten Aufgaben in Sachsen-Anhalt zu lösen. Das sind fünf Punkte mehr als in der vorherigen Umfrage. Die CDU folgt mit 16 Prozent und verliert damit zwei Punkte.

Wahl am 6. September

In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Wie alle Wahlumfragen sind auch diese Zahlen mit Unsicherheiten verbunden. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren die Gewichtung der erhobenen Daten. Umfragen spiegeln daher nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognose für das tatsächliche Wahlergebnis.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen