Dreitägige Feuerpause schützt Moskauer Feierlichkeiten
Unter dem Schutz einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Militärparade zum 9. Mai in Moskau ohne Zwischenfälle abgehalten. Befürchtete ukrainische Drohnenangriffe auf die Feierlichkeiten blieben nach Kremlangaben aus. Die zwischen den Kriegsparteien vereinbarte Feuerpause soll bis zum 11. Mai gelten.
Russland begeht am 9. Mai den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Wegen der angespannten Sicherheitslage verzichtete Moskau diesmal erneut auf die übliche große Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer schwerer Militärtechnik.
Putin zeigt sich auf dem Roten Platz siegessicher
Vor Tausenden Soldaten und internationalen Gästen gab sich Putin überzeugt, dass Russland auch den Krieg gegen die Ukraine gewinnen werde. Auf dem Roten Platz sagte er in scharfem Ton, Russlands Sache sei gerecht, das Land stehe zusammen, und der Sieg sei immer auf seiner Seite gewesen und werde es auch bleiben.
Zugleich stellte er den Krieg in den historischen Zusammenhang des Zweiten Weltkriegs. Die russischen Streitkräfte würden in der Ukraine vom Vermächtnis der sowjetischen Siegergeneration getragen, sagte Putin. Zudem warf er dem Westen vor, eine aggressive Macht gegen Russland zu unterstützen. Die Hilfe der Nato-Staaten für die Ukraine beschrieb er als Teil dieser Konfrontation.
Zweifel am angeblichen Vormarsch Russlands
Putin behauptete zudem, Russlands „Helden“ rückten trotz westlicher Unterstützung für die Ukraine weiter vor. Daran bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Auch kremlnahe Militärblogger stellen diese Darstellung inzwischen infrage und vermuten, dass der Präsident von der eigenen Militärführung unzutreffend oder geschönt informiert wird.
Tatsächlich gilt die Lage an der Front weiterhin als weitgehend festgefahren. Keine der beiden Seiten konnte zuletzt einen entscheidenden Durchbruch erzielen. Die vom Westen, darunter besonders von Nato-Staaten wie Deutschland, unterstützte Ukraine setzt dem russischen Angriff weiter erheblichen Widerstand entgegen. Wie Putin seine Kriegsziele im inzwischen fünften Jahr der Invasion erreichen will, ist bisher nicht erkennbar.
Berichte über neue Verstöße gegen die Waffenruhe
Trotz der Feuerpause werfen sich beide Kriegsparteien erneut Verstöße vor. Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte die Ukraine, ungeachtet der Vereinbarung russische Stellungen und zivile Objekte mit Drohnen und Artillerie angegriffen zu haben. Genannt wurden unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und Belgorod sowie im Süden Tschetschenien und die Regionen Stawropol und Krasnodar.
Eine Bestätigung dafür aus Kiew gab es zunächst nicht. Allerdings beklagte auch der ukrainische Generalstab nach Beginn der Waffenruhe russische Angriffe, vor allem in den umkämpften Regionen des Donbass. Bis zum frühen Morgen war dort von 45 Attacken die Rede.
Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Wie schon bei früheren Feuerpausen werfen sich Moskau und Kiew auch diesmal wieder zahlreiche Verstöße vor.
Abgespeckte Parade als Spiegelbild des Krieges
Die deutlich reduzierte Militärparade wird auch als Zeichen der aktuellen Kriegslage gewertet. Russland verzichtete auf die sonst übliche umfassende Präsentation schwerer Waffen. Das unterstreicht, wie stark die russischen Streitkräfte durch den ukrainischen Widerstand unter Druck stehen.
Während Putin auf dem Roten Platz demonstrativen Siegesoptimismus ausstrahlte, bleibt die Realität an der Front von zermürbenden Kämpfen ohne klare Bewegung für eine der beiden Seiten geprägt.
Angespannte Lage in Moskau am Tag des Sieges
In der Moskauer Innenstadt galten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen mit einem starken Aufgebot von Polizei und anderen Uniformierten. Die Maßnahmen fielen allerdings geringer aus als im vergangenen Jahr, als wegen rollender Panzer und Raketenfahrzeuge große Teile des Zentrums mit Metallgittern abgesperrt waren. Nach den aktuellen Berichten war zudem das mobile Internet abgeschaltet.
Viele Passanten mussten sich Taschenkontrollen unterziehen, teils auch wegen Terrorwarnungen. Zahlreiche Menschen trugen orange-schwarz gestreifte Georgsbänder als Symbol des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland. Teilweise war darüber zusätzlich ein „Z“ zu sehen, mit dem Befürworter ihre Unterstützung für den Krieg gegen die Ukraine ausdrücken.
Mehrheit der Russen laut Lewada für Verhandlungen
Nach einer Erhebung des unabhängigen Lewada-Zentrums befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Russen einen Übergang zu Friedensverhandlungen. Rund sechs von zehn Befragten sprechen sich demnach dafür aus. Etwa jeder Vierte meint dagegen, die Kampfhandlungen sollten fortgesetzt werden.
Für die Umfrage wurden laut Institut zwischen dem 22. und 29. April mehr als 1.600 Menschen in Russland in persönlichen Interviews befragt.
Keine neue Verhandlungsrunde in Sicht
Direkte Gespräche zwischen Kiew und Moskau über ein mögliches Kriegsende liegen derzeit weiter auf Eis. Auch US-Vermittler haben bislang keinen Durchbruch erreicht, ein Termin für eine neue Runde steht nicht fest.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte jedoch, Moskau sei bereit, eine US-Delegation zu empfangen. Russland verlangt von der Ukraine unter anderem den Abzug ihrer Truppen auch aus jenen Teilen des Donbass, die Moskaus Armee bislang nicht einnehmen konnte. Der Donbass umfasst die Regionen Donezk und Luhansk. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt Gebietsabtretungen weiterhin kategorisch ab.
Krieg dauert im fünften Jahr an
Putin hatte 2022 die großangelegte Invasion in die Ukraine begonnen. Das angegriffene Land verteidigt sich mit westlicher Unterstützung und hat Russlands Vormarsch in vielen Frontabschnitten gestoppt. Auch deshalb steht Putins demonstrativer Siegesgewissheit weiter eine militärisch festgefahrene Lage gegenüber.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion