Während Kremlchef Wladimir Putin die Treibstoffkrise in Russland als vorübergehend bezeichnet, hat die Regierung in Moskau den Export von Diesel gestoppt und zugleich die Einfuhr von Kraftstoffen angekündigt.
Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak sagte in einer von Putin einberufenen Sitzung zur Lage im Energiesektor, das Exportverbot solle die Versorgung des Binnenmarkts verbessern. Zugleich werde Russland noch in diesem Monat mit dem Import von Treibstoffen beginnen, um die angespannte Marktlage zu entschärfen.
An vielen Tankstellen stehen Autofahrer teils in kilometerlangen Schlangen. Teilweise fehlt Benzin ganz, andernorts wird Kraftstoff nur noch in begrenzten Mengen abgegeben. Bereits im April hatte Moskau ein Ausfuhrverbot für Benzin verhängt.
Hintergrund der Engpässe sind nach russischen Angaben unter anderem ukrainische Drohnenangriffe auf Ölverarbeitungsanlagen. Kiew hat im Abwehrkampf gegen die russische Invasion zuletzt mehrere Raffinerien getroffen und damit einen erheblichen Teil der russischen Verarbeitungskapazitäten beeinträchtigt.
Nach Darstellung Nowaks will die Regierung die Eigenproduktion zusätzlich stabilisieren, indem planmäßige Reparaturen an Raffinerien verschoben werden. Als weitere Belastungsfaktoren nannte er die beginnende Erntezeit sowie die saisonal gestiegene Nachfrage der Autofahrer nach Benzin.
Putin sieht kein größeres Problem
Putin bemühte sich erneut, die wirtschaftlichen Folgen des von ihm befohlenen Kriegs kleinzureden. Er erklärte, die Ukraine versuche mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur der russischen Wirtschaft zu schaden und Unruhe im Land zu erzeugen. Dieses Ziel sei jedoch nicht erreichbar, sagte der Kremlchef.
Russlands Energiesektor verfüge über einen der größten Sicherheitspuffer weltweit, so Putin. Er forderte die Ölkonzerne auf, überschüssige Treibstoffmengen nicht nur für ihre eigenen Tankstellennetze zurückzuhalten, sondern auch unabhängigen Anbietern zur Verfügung zu stellen.
Die derzeitigen Versorgungsprobleme hätten nur vorübergehenden Charakter, betonte Putin. Die zunächst auf der von Russland 2014 annektierten Krim aufgetretene Treibstoffkrise habe sich inzwischen jedoch auf nahezu alle Regionen des Landes ausgeweitet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber