Papst Leo XIV. hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat zu einer Waffenruhe für die Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine aufgefordert. Wie der Vatikan mitteilte, äußerte das Oberhaupt der katholischen Kirche dabei seine tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in der von Russland abgeriegelten Kleinstadt in der Region Cherson. Zugleich erneuerte Leo seinen Appell für Frieden und Dialog.
Nach Angaben des Vatikans soll eine Feuerpause dazu beitragen, Lebensmittel und medizinische Hilfe in das Gebiet zu bringen. Außerdem müsse sie die freiwillige und sichere Evakuierung von Zivilisten ermöglichen.
Das Gespräch führte der 71-jährige Papst aus dem Gemelli-Krankenhaus in Rom, wo er sich seit einer Krebsoperation am vergangenen Dienstag aufhält. Zur Dauer des Telefonats machte der Vatikan keine Angaben.
Der Kreml erklärte, Putin habe dem Papst eine rasche Genesung gewünscht und dem Vatikan für dessen Bereitschaft gedankt, im Ukraine-Krieg zu vermitteln und humanitäre Fragen zu lösen. Zugleich machte Moskau allein die Ukraine für die Lage in Oleschky verantwortlich. Nach Kreml-Angaben unterstützt Putin aber die Bemühungen des Vatikans, die Sicherheit und Versorgung der Bevölkerung in der Stadt zu gewährleisten.
Vatikan seit Jahren ohne Erfolg als Vermittler aktiv
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Unterstützung seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Der Vatikan hat sich in dieser Zeit mehrfach um Vermittlung zwischen beiden Seiten bemüht, bislang jedoch ohne Erfolg. Zwischenzeitlich galt der Kirchenstaat auch als möglicher Ort für Friedensgespräche, was Moskau jedoch ablehnte.
Oleschky liegt auf russisch besetztem Gebiet am Ufer des Dnipro im Süden der Ukraine. Nach ukrainischen Angaben werden dort rund 2.000 Menschen festgehalten. Hilfsorganisationen warnen seit langem vor der angespannten humanitären Lage. Die ukrainisch kontrollierte Gebietshauptstadt Cherson ist nur etwa neun Kilometer entfernt, dazwischen verläuft jedoch die Front.
Nach jahrelangem gegenseitigem Beschuss ist das Gebiet um Oleschky stark vermint, sodass ein Verlassen der Stadt in jede Richtung lebensgefährlich ist. Der Kreml wirft der ukrainischen Armee zudem immer wieder vor, mit Drohnenangriffen die Lieferung von Lebensmitteln nach Oleschky zu behindern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber