USA und Venezuela vereinbaren weitreichenden Öl-Deal
Die Vereinigten Staaten sichern sich Zugriff auf gewaltige Teile der venezolanischen Ölvorkommen. Für US-Präsident Donald Trump ist das nach der Festnahme des früheren Staatschefs Nicolás Maduro der nächste Schritt, um direkten Einfluss auf den wichtigsten Wirtschaftszweig des südamerikanischen Landes zu nehmen. Für Venezuela bleibt das Ölgeschäft die zentrale Quelle für Staatseinnahmen und Devisen. Das Land verfügt Schätzungen zufolge mit rund 303 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven der Welt.
Was wurde zwischen Caracas und Washington vereinbart?
Nach Angaben Trumps erhalten die USA die Mehrheitskontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel Ölreserven. Das entspräche ungefähr einem Fünftel der gesamten vermuteten venezolanischen Vorkommen. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter.
Damit würden die Vereinigten Staaten ihre Ölreserven auf dem amerikanischen Kontinent praktisch verdoppeln und ihre Versorgung deutlich ausbauen. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA lagen die US-Reserven Ende 2024 bei 46 Milliarden Barrel. Schon heute sind die USA der größte Erdölproduzent der Welt mit einer täglichen Förderung von durchschnittlich fast 14 Millionen Barrel Rohöl.
Welche Einzelheiten sind bisher bekannt?
Nach Darstellung der venezolanischen Regierung umfasst das Abkommen 17 Ölfelder. Aus den USA heißt es, dass mehr als 100 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen in die venezolanische Ölindustrie fließen sollen. Caracas rechnet im Gegenzug mit Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden US-Dollar.
Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte CNN, die USA sollten 55 Prozent der tatsächlichen Produktion eines neuen privaten Gemeinschaftsunternehmens erhalten. Das solle sowohl über Unternehmensanteile als auch über garantierte Abnahmen des geförderten Öls zum Selbstkostenpreis geschehen. Für die betroffenen Felder seien Vereinbarungen mit einer Laufzeit von 100 Jahren vorgesehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Ein Großteil der venezolanischen Bestände besteht aus Schweröl. Dessen Förderung und Verarbeitung ist technisch anspruchsvoll und erfordert spezielle Anlagen. Raffinerien an der US-Golfküste sind genau auf diese Rohölsorte ausgelegt. Laut CNN könnten steigende Importe aus Venezuela dort die Effizienz erhöhen.
Welchen Nutzen hat Venezuela?
Für Venezuela verbindet sich mit dem Abkommen vor allem die Hoffnung auf frisches Kapital und eine höhere Fördermenge. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez setzt auf einen Neustart der seit Jahren angeschlagenen Branche. Damit verbindet sie Erwartungen an neue Jobs, höhere Einkommen und wirtschaftliches Wachstum.
Rodríguez erklärte, die Vereinbarung könne nicht nur die Beschäftigung stärken, sondern auch Handel, Bauwirtschaft und öffentliche Dienstleistungen beleben.
Ob die Bevölkerung davon tatsächlich spürbar profitiert, bleibt allerdings offen. Die venezolanische Wirtschaft leidet seit Jahren unter Krise und dem Rückgang der Ölproduktion. Die Regierung hofft deshalb, dass ausländisches Geld und technisches Know-how die Förderung wieder deutlich ankurbeln. Ein venezolanischer Ölexperte sagte der Zeitung El Nacional, ohne Investitionen aus dem Ausland könnten die betroffenen Felder womöglich noch zehn bis 15 Jahre ungenutzt bleiben.
Was bringt der Deal Trump?
Innenpolitisch kann Trump das Abkommen als Erfolg verkaufen. Er betont, die amerikanischen Steuerzahler müssten dafür keinen Penny aufbringen. Außerdem verspricht er sinkende Spritpreise in den USA, nachdem diese im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg stark gestiegen waren.
Die Ankündigung kommt für Trump zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Aussicht auf eine stärkere Stellung der USA auf dem weltweiten Energiemarkt dürfte ihm politisch helfen. Im Inland steht er wegen des zähen Verlaufs des Iran-Kriegs unter großem Druck. Hinzu kommen die Zwischenwahlen im November, bei denen die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern des US-Kongresses verlieren könnten.
Seit wann richtet Trump seinen Blick auf Venezuelas Öl?
Das Interesse besteht schon länger. Kritiker aus dem demokratischen Lager hatten Trump wiederholt vorgeworfen, Venezuela vor allem wegen seiner gewaltigen Ölreserven ins Visier genommen zu haben. Wenige Tage nach der Festnahme Maduros machte Trump das Thema Öl dann selbst zum Schwerpunkt und kündigte an, den venezolanischen Ölverkauf auf unbestimmte Zeit unter US-Kontrolle zu stellen.
US-Unternehmen sollen demnach investieren und beim Wiederaufbau der maroden venezolanischen Ölindustrie helfen.
Trump hatte in den USA immer wieder für wirtschaftlichen Aufschwung durch fossile Energie geworben. Sein bekannter Slogan dazu lautet: „Drill Baby Drill“.
Was könnte sich langfristig ändern?
Trump dürfte versuchen, die Rolle der USA auf dem globalen Ölmarkt weiter zu stärken. Bereits zuvor hatte er Länder, die unter den Folgen der im Krieg blockierten Straße von Hormus leiden, dazu ermutigt, künftig stärker auf amerikanisches Öl zu setzen.
Langfristig könnten die USA das Öl aus Venezuela auch nutzen, um ihre eigenen Reserven auszubauen. Wie wichtig solche Lagerbestände sind, zeigte der Iran-Krieg: Wegen der Preissprünge versuchte die US-Regierung damals, mit der Freigabe von Reserven den Markt zu beruhigen.
Was bedeutet das Abkommen für die Beziehungen beider Länder?
Für das Verhältnis zwischen Washington und Caracas steht der Deal für einen deutlichen Kurswechsel. Nach Jahren der Konfrontation und dem Vorgehen gegen Maduro setzt die Regierung von Rodríguez nun auf Zusammenarbeit mit den USA, um die Ölindustrie des Landes wieder in Gang zu bringen.
Rodríguez spricht von einem „Weg der Diplomatie“ und präsentiert die Vereinbarung als Chance, Venezuela erneut zu einem wichtigen Energieakteur zu machen.
Zugleich bemüht sich die Führung in Caracas darum, nicht den Eindruck zu erwecken, nationale Interessen preiszugeben. Rodríguez betont, Venezuela behalte Eigentum und Souveränität über seine Ölressourcen. Genau darin liegt jedoch das politische Spannungsfeld: Das Land ist auf ausländisches Kapital angewiesen, öffnet damit aber zugleich seinen wichtigsten Wirtschaftssektor in großem Umfang für US-Interessen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber