EKD-Spitze zeigt Verständnis für Jugendproteste vor Synodentagung
Vor der EKD-Synode in Würzburg hat die Führung der Evangelischen Kirche in Deutschland den Demonstrationen junger Menschen vom vergangenen Wochenende Rückhalt signalisiert. Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich erklärte bei einem Pressegespräch in Berlin, hinter den Forderungen stünden sehr reale Zukunftssorgen. Viele junge Menschen wollten nicht irgendwann, sondern schon jetzt mitreden und Verantwortung übernehmen.
Heinrich betonte, es sei völlig legitim, wenn Schülerinnen und Schüler die Politik unter Druck setzten, Fragen stellten und Forderungen formulierten, auch wenn sie nicht sofort fertige Lösungen präsentierten. Zwar habe es am Rand der Proteste auch einzelne Ausschreitungen gegeben, sagte sie. Diese kleinen Gruppen dürften jedoch nicht mit der großen Mehrheit der friedlich Demonstrierenden gleichgesetzt werden.
Kirche soll Sorgen junger Menschen aufnehmen
Nach den Worten der 30-Jährigen ist die Kirche gefordert, die Ängste und Nöte der jungen Generation ernst zu nehmen. Sie müsse selbst Orte schaffen, an denen Jugendliche mit ihren Anliegen Gehör finden könnten, etwa in der Jugendarbeit, in diakonischen Angeboten oder in Schulen. Aufgabe der Kirche bleibe es, Menschen Orientierung und Halt zu geben. Wenn eine ganze Generation auf die Straße gehe, betreffe das deshalb auch die Kirche unmittelbar.
Die Synode zählt zu den drei leitenden Organen der EKD. Ihre 128 Mitglieder beraten über kirchliche Themen und entscheiden in grundlegenden Fragen. Die Präses führt das Präsidium, leitet die Synode und vertritt sie nach außen.
Steinmeier soll an Tagung teilnehmen
Die diesjährige Synodentagung läuft von Sonntag bis Mittwoch und umfasst zahlreiche Foren und Arbeitsgruppen. Sie steht unter dem Leitgedanken: „Gemeinsam weiter – Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationelles Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“. Für Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Gast erwartet.
Im April 2027 kommt das Gremium in neuer Zusammensetzung zusammen. Heinrich wird nach sechs Jahren im Amt nicht noch einmal kandidieren. In Medienberichten wird der frühere Bundesverkehrsminister Volker Wissing als möglicher Nachfolger genannt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber