Politik

Sohn des von ICE Getöteten: Mein Vater war unschuldig

Tödlicher ICE-Einsatz in Houston: Sohn erhebt schwere Vorwürfe – jetzt fordern Familie und Politiker Ermittlungen.

09.07.2026, 01:16 Uhr

Sohn des in Houston von ICE-Beamten erschossenen Mexikaners erhebt schwere Vorwürfe

Der Mexikaner, der bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Houston getötet wurde, soll nach Angaben seines Sohnes kurz davor gestanden haben, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Bei einer Pressekonferenz sagte Ronaldo Salgado, sein Vater sei ein engagierter Familienvater gewesen, der seit 35 Jahren in der Region Häuser gebaut habe. Damit habe er nicht nur seinen drei Söhnen ein Studium ermöglichen wollen, sondern auch seinen Beschäftigten eine Chance auf den „amerikanischen Traum“ geben wollen. Eine Vorstrafe habe es nicht gegeben.

Lorenzo Salgado Araujo kam einen Tag zuvor bei dem umstrittenen Einsatz ums Leben. Nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums habe er Anweisungen der Beamten missachtet, mit seinem Auto ein Einsatzfahrzeug gerammt und anschließend versucht, einen Beamten anzufahren. Daraufhin habe ein ICE-Mitarbeiter geschossen. Diese Version der Ereignisse konnte bisher nicht unabhängig bestätigt werden.

Sohn: Vater habe aus Angst reagiert

Nach Aussage des Sohnes wusste Salgado genau, wie man sich bei einer Kontrolle durch Einwanderungsbehörden verhalten müsse. Wenn die Beamten klar erkennbar gewesen wären, hätte er demnach angehalten und mit ihnen kooperiert. Stattdessen habe sein Vater Todesangst gehabt und sei vor Fahrzeugen geflohen, die er nicht habe zuordnen können. Ronaldo Salgado beschrieb ihn als einen Mann, der fest daran geglaubt habe, dass harte Arbeit am Ende belohnt werde.

Besonders scharf kritisierte der Sohn, dass die Familie nicht von den Behörden oder dem Krankenhaus informiert worden sei. Vom Tod seines Vaters habe er vielmehr über Berichte in sozialen Netzwerken erfahren, während er selbst verzweifelt nach ihm gesucht habe. In einem dort verbreiteten Video, das einen blutenden Mann am Boden zeigt, der um Hilfe bittet, habe er seinen Vater an der Stimme erkannt. Weder das Heimatschutzministerium noch ICE hätten bislang direkt Kontakt mit der Familie aufgenommen.

Forderungen nach unabhängiger Aufklärung

Die Angehörigen, Bürgerrechtsgruppen und demokratische Politiker verlangen inzwischen eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Roman Palomares, Vorsitzender der Bürgerrechtsorganisation LULAC, erklärte, es sei nicht hinnehmbar, dass ausgerechnet die Behörde, deren Beamte geschossen hätten, auch selbst die Ermittlungen führe. Gefordert wird unter anderem die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen und sämtlichen weiteren Beweismitteln. Der texanische demokratische Kongressabgeordnete Al Green betonte zudem, es müsse ausgeschlossen werden, dass es einen Versuch gebe, den Vorfall zu vertuschen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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