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75 Jahre Zebrastreifen: Wie er die Welt eroberte

Warum heißt der Zebrastreifen so – und seit wann müssen Autos stoppen? Die überraschende Geschichte des Übergangs.

30.10.2026, 06:00 Uhr

75 Jahre Zebrastreifen: Wie die markanten Linien auf die Straße kamen

Schwarz-weiße Streifen auf Asphalt sind weltweit bekannt. Doch wo entstand der erste Zebrastreifen? Die Spur führt 75 Jahre zurück nach Großbritannien und von dort weiter nach Deutschland – bis hinein in Musikgeschichte und Popkultur.

Premiere in England: Der erste dauerhafte Übergang

Als Geburtsort des Zebrastreifens gilt Slough westlich von London. Nach Angaben des dortigen Museums und laut Guinness-Buch der Rekorde wurde dort 1951 der erste dauerhaft markierte Fußgängerüberweg eingerichtet. Er befand sich in der High Street, die heute eine Fußgängerzone ist.

Am 31. Oktober 1951 traten in Großbritannien die offiziellen Regeln für diese Übergänge in Kraft. Darin war festgelegt, dass Fußgängern Vorrang zu gewähren ist, sobald sie sich innerhalb der markierten Begrenzung auf der Fahrbahn befinden.

Dem gingen mehrere Versuche voraus. Bereits Ende der 1940er Jahre wurden in London unterschiedliche Markierungen an Kreuzungen getestet. Diese erwiesen sich jedoch als nicht auffällig genug. Erst breite weiße Balken sorgten für bessere Sichtbarkeit. Zusammen mit dem dunklen Straßenbelag entstand so das typische Muster.

Von der „Dickstrichkette“ zum Zebrastreifen

In der Bundesrepublik dauerte es noch einige Monate: Am 8. Juli 1952 wurde in München der erste Zebrastreifen markiert. Noch früher war allerdings die DDR. Dort entstand schon im März 1952 in Ost-Berlin am S-Bahnhof Schöneweide ein entsprechender Übergang.

Als der Fußgängerüberweg 1953 in Westdeutschland in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde, trug er zunächst die nüchterne Amtsbezeichnung „Dickstrichkette“.

75 Jahre Zebrastreifen
Fußgänger haben auf dem Zebrastreifen zwar in der Regel Vorrang, Blickkontakt mit Rad- oder Autofahrern schadet aber nicht. (Archivfoto) Quelle: Christoph Soeder/dpa

Warum sich stattdessen der Name „Zebrastreifen“ durchsetzte, ist naheliegend: Die weißen Balken erinnern an das Fell eines Zebras. In Deutschland spielte aber wohl noch etwas anderes mit hinein. Das „Hamburger Abendblatt“ rief am 24. April 1954 die „Aktion Zebra“ ins Leben. Dabei beobachtete die Polizei Autofahrer an Übergängen und ehrte besonders rücksichtsvolle Fahrer mit einer Zebra-Plakette. „Zebra“ stand dabei für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Der Begriff blieb im Sprachgebrauch haften.

Vorrang für Fußgänger – aber kein Ort ohne Risiko

Heute ist die Regel eindeutig: Wer zu Fuß über einen Zebrastreifen gehen will, hat in der Regel Vorrang. In der Bundesrepublik war das allerdings nicht sofort so. Erst 1964 wurde der Vorrang für Fußgänger ausdrücklich festgeschrieben.

Heute müssen Autofahrer Menschen das Überqueren ermöglichen, wenn erkennbar ist, dass sie den Fußgängerüberweg nutzen wollen. Das gilt auch für Rollstuhlfahrer sowie Nutzer von Krankenfahrstühlen. Straßenbahnen sind von dieser Wartepflicht ausgenommen.

Trotz klarer Vorschriften kommt es dort immer wieder zu schweren Unfällen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 insgesamt 1.502 Unfälle mit Personenschaden registriert, bei denen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern an Fußgängerüberwegen als Ursache erfasst wurde. 15 Menschen starben dabei. Im Jahr zuvor waren es 1.487 solcher Unfälle, bei denen 9 Menschen ums Leben kamen.

Berühmt in der Popkultur: Beatles und „Silly Walk“

Einer der bekanntesten Zebrastreifen überhaupt liegt in London. Am 8. August 1969 überquerten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Übergang vor den damaligen EMI-Studios für das Cover ihres Albums Abbey Road. Seitdem pilgern Beatles-Fans aus aller Welt dorthin, um das Motiv nachzustellen. 2010 wurde der Übergang sogar in die britische Denkmalliste aufgenommen.

Auch in den Niederlanden gibt es eine kuriose Hommage: In Spijkenisse erinnert ein Verkehrsschild an den berühmten Monty-Python-Sketch „Ministry of Silly Walks“ aus dem Jahr 1970. Zu sehen ist ein Mann mit Melone und Aktentasche, der in typischer übertriebener Gangart ein Bein hochschleudert. Die Idee geht auf einen Fan zurück. An den Verkehrsregeln ändert das natürlich nichts – Autos müssen trotzdem anhalten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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