In Rottenburg an der Laaber herrscht nach dem Tod von Hubert Aiwanger tiefe Bestürzung. Bürgermeister Laurentius Seidl (CSU) zeigte sich am Morgen vor den Kameras sichtlich erschüttert und rang kurz um Fassung. In der niederbayerischen Kleinstadt mit rund 8.500 Einwohnern war Aiwanger fest verwurzelt; sein Bauernhof steht im Ortsteil Rahstorf, nur wenige Kilometer entfernt.
Seidl würdigte den in Berlin verstorbenen Freie-Wähler-Politiker als einen "großen Rottenburger". Der 55-Jährige sei im Ort sehr präsent gewesen. Wann immer es seine Zeit zugelassen habe, sei er bei Veranstaltungen dabei gewesen, habe das Gespräch mit den Menschen gesucht und sei dabei stets zugänglich geblieben.
Bürgernah und überall präsent
Ähnlich äußern sich viele Menschen, die an diesem sonnigen Vormittag in der Innenstadt unterwegs sind. Vor dem Rathaus, an der Bäckerei und an der Bushaltestelle läuft der Alltag zunächst weiter wie gewohnt – wäre da nicht das große Medienaufgebot.
"Es ist tragisch, einfach nur tragisch", sagt Alfons König. Er wirke fassungslos und finde kaum Worte. Aiwanger habe er oft bei Veranstaltungen erlebt. Für ihn sei entscheidend gewesen, dass der Politiker verständlich gesprochen habe. Man habe sofort gewusst, wofür er stehe – und er habe seine Ankündigungen auch umgesetzt.
Ein überzeugter Bayer
Auch Felicitas von Proeck-Zvlcil zeigt sich betroffen. Persönlich gekannt habe sie Aiwanger nicht, sie habe ihn jedoch immer wieder in der Stadt gesehen. Als sie am Vorabend von seinem Tod erfahren habe, sei der Schock groß gewesen. Er habe sich mit Nachdruck für die Menschen und für Bayern eingesetzt. Aus ihrer Sicht ist sein Tod ein schwerer Verlust – weit über die Familie hinaus.

Sie erinnert zudem an Aiwangers markante Art. Besonders geschätzt habe sie, dass er offen zu seiner Herkunft stand und den bayerischen Dialekt selbstverständlich in die Öffentlichkeit trug. Für sie verkörperte er Bodenständigkeit und Humor. Als sie an seinem Büro vorbeifuhr, habe sie nur gedacht: Warum? Noch immer sei das Geschehene kaum zu begreifen.
Ein älterer Mann fragt unterdessen, woran Aiwanger gestorben sei. In den Nachrichten habe er dazu noch nichts gehört. Die Ursache war zunächst unklar. Aiwanger hatte sich in Berlin aufgehalten, einen Termin wegen Unwohlseins abgesagt und war später leblos in seinem Hotelzimmer entdeckt worden. "Heute früh habe ich es erfahren und zuerst gedacht: Das kann doch nicht sein", sagt der Mann.
Viele vermuten Überlastung
In Rottenburg wird auch darüber gesprochen, ob der enorme Arbeitsdruck eine Rolle gespielt haben könnte. Bürgermeister Seidl beschreibt Aiwanger als außerordentlich engagierten Politiker. Ein Passant stimmt zu und sagt, der Freie-Wähler-Chef sei nahezu ständig unterwegs gewesen – ob auf Volksfesten oder bei Feuerwehrfeiern. Sein Eindruck: Aiwanger habe sich regelrecht aufgerieben. Vielleicht, so mutmaßt er, habe er dabei zu wenig auf sich selbst geachtet.
Äußerlich habe man ihm nach Einschätzung des Bürgermeisters allerdings nichts angemerkt. Wenn man ihn getroffen habe, sei er stets fit, voller Energie und Tatendrang gewesen. Kaum jemand habe damit gerechnet, dass ihn plötzlich etwas aus der Bahn werfen könnte. Umso größer sei nun das Entsetzen darüber, wie schnell sich alles ändern könne.
"Es ist sehr schade", sagt eine Frau, die mit zwei Tüten Brot aus der Bäckerei kommt. Eine junge Passantin fasst die besondere Rolle Aiwangers in der Stadt knapp zusammen: "Er war unser Promi."
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber