Die Bundesregierung erwägt den Aufbau eines eigenen Raketenstartplatzes für die Bundeswehr, um militärische Satelliten künftig unabhängig ins All bringen zu können. Das erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch des Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace in Ottobrunn bei München. Für eine verlässliche militärische Kommunikation seien Satelliten unverzichtbar, betonte der SPD-Politiker.
Nach seinen Worten verfügt Deutschland bislang über zu wenige Satelliten – und vor allem über zu geringe eigene Möglichkeiten, diese selbst zu starten. Die vorhandenen Startkapazitäten in Norwegen und Großbritannien dürften aus Sicht des Ministers künftig nicht ausreichen. Deshalb werde auch über einen Startplatz nachgedacht, der eigens für die Bundeswehr zur Verfügung stünde. Die nationale Sicherheit dürfe nicht von langen Wartezeiten bei kommerziellen Anbietern abhängen, sagte Pistorius.
Planungen noch in frühem Stadium
Wo eine solche Anlage entstehen könnte, ließ der Minister offen. Man stehe erst am Beginn der Überlegungen, sagte er. Für die Bundeswehr sei das zudem ein völlig neues Feld. In der Raumfahrt gilt Deutschland wegen seiner hohen Bevölkerungsdichte grundsätzlich als schwieriger Standort für Raketenstarts. Solche Anlagen werden meist an Küsten gebaut, damit abstürzende Raketen nicht auf Land, sondern ins Meer fallen.
Westen stark von den USA abhängig
Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler verwies auf den weltweiten Engpass bei Raketenstarts. Im vergangenen Jahr seien 330 Raketenstarts in elf Ländern erfolgt, aber nur acht davon in Europa. Schon bis 2029 seien die ohnehin knappen Kapazitäten fast vollständig vergeben. Deshalb müsse dringend zusätzliche Startinfrastruktur geschaffen werden.
Der Großteil europäischer Satelliten wird seit Jahren mit Raketen des US-Unternehmens SpaceX von Elon Musk in den Orbit gebracht. In Europas Raumfahrtbranche wird diese Abhängigkeit kritisch gesehen. Ein Grund ist, dass Kunden in den USA technische Details ihrer Satelliten offenlegen müssen.
Isar Aerospace setzt auf kleine Satelliten im Erdorbit
Im Mittelpunkt der Debatte stehen Verbünde kleiner Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen, einige hundert Kilometer über der Erde. Weil einzelne Satelliten in dieser Höhe jeweils nur einen begrenzten Ausschnitt der Erdoberfläche erfassen können, braucht es ganze Netzwerke miteinander verbundener Systeme, um ein umfassendes Lagebild zu erhalten.
Isar Aerospace entwickelt dafür die Trägerrakete "Spectrum", die solche Satelliten in den Orbit transportieren soll. Im vergangenen Jahr gab es bereits einen ersten Teststart. Der zweite Testflug wurde bislang viermal verschoben, soll laut Metzler aber bald stattfinden. Langfristig strebt das Unternehmen 40 Starts pro Jahr an. Nach Firmenangaben sind die verfügbaren Kapazitäten bereits bis 2028 vergeben, obwohl die Rakete noch nicht in Serienproduktion ist. Ob die Bundeswehr bereits Aufträge an Isar Aerospace erteilt hat, sagte Pistorius nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber