Pistorius wirbt in Kanada für deutsche U-Boote
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei seinem Besuch in Ottawa für eine engere rüstungspolitische Zusammenarbeit mit Kanada geworben. Auf der Sicherheits- und Rüstungskonferenz Cansec betonte der SPD-Politiker, Deutschland wolle gemeinsam mit dem Nato-Partner für mehr Sicherheit im Nordatlantik, im hohen Norden und in der Arktis sorgen. Es gehe um eine strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern.
Berlin versucht, Kanada für ein gemeinsames U-Boot-Projekt mit Norwegen zu gewinnen. Dabei rechnet sich der Kieler Hersteller TKMS gute Chancen auf einen möglichen Großauftrag über zwölf Boote aus. Allerdings gibt es mit einem Anbieter aus Südkorea ernsthafte Konkurrenz.
Hinter den Kulissen wird zudem über umfangreiche Gegengeschäfte gesprochen, die Teil eines größeren Gesamtpakets sein könnten. TKMS gehört weltweit zu den führenden Unternehmen beim Bau konventioneller, also nicht atomgetriebener U-Boote.
U-Boot-Projekt als Baustein engerer Zusammenarbeit
Während seines Aufenthalts traf Pistorius auch den kanadischen Verteidigungsminister David McGuinty sowie Premierminister Mark Carney. Themen der Reise sind neben Sicherheitsfragen auch mögliche Rüstungskooperationen, die Unterstützung der Ukraine und die Vorbereitung des für Juli geplanten Nato-Gipfels.
Nach den Vorstellungen des Ministers könnten Deutschland, Kanada und Norwegen ihr technisches Know-how, bestehende Infrastruktur und praktische Erfahrungen bündeln. Auf diese Weise ließe sich nach seinen Worten die größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte der Welt aufbauen, was auch für die Nato ein erheblicher Gewinn wäre.
Mit einem Auftrag über zwölf U-Boote könnten laut Pistorius tausende Arbeitsplätze entstehen und langfristig gesichert werden. Für Kanada stellte er einen wirtschaftlichen Nutzen in dreistelliger Milliardenhöhe in Aussicht.
Zugleich hob er die Leistungsfähigkeit der angebotenen Boote hervor. Diese entsprächen dem modernsten Stand der Technik und seien im Einsatz praktisch nicht zu orten. Vergleichbare konventionelle U-Boote gebe es nach seiner Darstellung derzeit nicht.
Entscheidung noch vor dem Nato-Gipfel erwartet
Premierminister Carney kündigte auf der Cansec an, dass über die Beschaffung der U-Boote bis Ende Juni entschieden werden solle. Pistorius geht ebenfalls davon aus, dass die Weichen noch vor dem im Juli in Ankara geplanten Nato-Gipfel gestellt werden.
Carney sagte außerdem, Kanada befinde sich inzwischen in Verhandlungen über den Kauf schwedischer Aufklärungsflugzeuge vom Typ Saab GlobalEye. Auch Deutschland interessiert sich für diese Maschinen. Innerhalb der Nato gibt es seit längerem das Ziel, häufiger auf weitgehend identische Systeme zu setzen, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. In der Praxis gelingt das jedoch bislang nur begrenzt.
Kanada ist seit Juli 2024 gemeinsam mit Deutschland, Norwegen und inzwischen auch Dänemark Teil einer maritimen Sicherheitspartnerschaft. Rüstungsprojekte und industrielle Zusammenarbeit spielen darin eine wichtige Rolle.
Anders als bei früheren Reisen nach Nordamerika wird Pistorius diesmal nicht nach Washington weiterreisen. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nehme derzeit am asiatischen Shangri-La-Dialog teil. Ein Besuch des deutschen Ministers in den USA soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion