Politik

Papst attackiert Sterbehilfe-Gesetze

Paukenschlag in Lourdes: Leo XIV. mahnt Ärzte – legal heißt für den Papst noch lange nicht moralisch richtig.

27.09.2026, 16:33 Uhr

Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch im französischen Wallfahrtsort Lourdes aktive Sterbehilfe erneut scharf kritisiert und zugleich Missbrauchsopfer aus der katholischen Kirche getroffen.

In einer Ansprache wandte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche besonders an Ärztinnen, Ärzte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen. Deren Aufgabe sei es, leidende Menschen zu begleiten und zu versorgen – nicht ihr Leben zu beenden.

Leo sagte, die absichtliche Herbeiführung des Todes dürfe nicht als etwas Normales angesehen werden. Dass etwas gesetzlich erlaubt sei, bedeute noch nicht, dass es auch moralisch vertretbar sei. Aus Achtung vor der unantastbaren Würde jedes Menschen müsse jeder Versuch zurückgewiesen werden, Leben aus vermeintlichem Mitgefühl zu beenden. Zudem warnte der Papst davor, Entscheidungen über Leben und Tod technischen Verfahren oder Algorithmen zu überlassen.

Kritik an europäischen Sterbehilfe-Regelungen

Mit seinen Worten spielte Leo auf Gesetze zur aktiven Sterbehilfe in mehreren europäischen Ländern an, darunter die Niederlande und Belgien. Auch in Frankreich hatte die Nationalversammlung in diesem Sommer nach langer Debatte mit klarer Mehrheit ein Gesetz zur aktiven Sterbehilfe verabschiedet.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Lourdes-Besuch durch ein Treffen des Papstes mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. Nach Angaben des Vatikans sprach Leo dort mit sieben betroffenen Frauen und Männern. Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass sich solches Unrecht nicht wiederhole.

Zuvor hatte der Papst bei einer Messe unter freiem Himmel vor rund 150.000 Gläubigen von tiefen Wunden und schmerzhaften Verfehlungen gesprochen, die in der Kirche begangen worden seien. Die Betroffene Véronique Garnier sagte nach dem Gespräch, man hoffe nun auf echte Veränderungen.

Leo hält sich seit Freitag in Frankreich auf. Wie in anderen Ländern wurden auch dort Missbrauchsfälle durch Priester über Jahrzehnte vertuscht. Einer unabhängigen Untersuchungskommission zufolge gibt es in Frankreich seit 1950 mehr als 200.000 Opfer. Letzte Station der Reise ist am Montag Metz nahe der deutsch-französischen Grenze, wo der Papst eine Rede zu Europa halten will.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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