Dämpfer für die DFB-Elf: 0:1 gegen Griechenland bei Klopps Heimdebüt in Augsburg
Das erste Heimspiel unter Jürgen Klopp hat der deutschen Nationalmannschaft einen empfindlichen Rückschlag beschert. Vor 28.945 Zuschauern im ausverkauften Stadion in Augsburg verlor die DFB-Auswahl gegen Griechenland mit 0:1 (0:0) und kassierte damit erstmals überhaupt eine Niederlage gegen den Europameister von 2004. Die Aufbruchstimmung rund um den neuen Bundestrainer bekam damit einen deutlichen Dämpfer.
Nach dem Abpfiff gratulierte Klopp seinem griechischen Kollegen sichtlich konsterniert und schickte seine Spieler anschließend rasch zu den Fans, um sich wenigstens für die große Unterstützung zu bedanken.
„Es ist Teil des Prozesses, absolut“, sagte Klopp in der ARD. „Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel – das geht alles zu 100 Prozent auf meine Kappe.“
Lange tat sich Deutschland gegen den tiefen und kompakten griechischen Abwehrblock schwer. Im Angriff fehlten Tempo, Präzision und Durchschlagskraft. Nach der Pause ging zudem die defensive Stabilität zunehmend verloren. Das nutzten die Gäste in der 74. Minute eiskalt aus: Dimitrios Kourbelis von Asteras Tripolis traf zum entscheidenden 1:0, wobei der Ball noch unglücklich von Kapitän Joshua Kimmich abgefälscht wurde und dadurch für Torhüter Alexander Nübel unhaltbar war.
„Das war kein einfaches Spiel. Um ehrlich zu sein, haben wir es einfach nicht gut genug gemacht“, sagte Abwehrchef Jonathan Tah in der ARD. „Natürlich sind wir enttäuscht und sauer, wenn wir ein Spiel verlieren. Aber das Wichtige ist, dass wir zusammenstehen. Das wird sich nicht ändern, die Euphorie mit dem neuen Trainer. Wenn wir kein gutes Spiel machen und verlieren, ist es klar, dass nicht alle happy sind. Aber das können wir im nächsten Spiel wiedergutmachen.“
Nur ein Punkt aus zwei Nations-League-Partien
Nach zwei Begegnungen in der Nations League steht Deutschland in Gruppe 2 mit nur einem Zähler auf Rang drei. Tabellenführer Griechenland ist bereits fünf Punkte enteilt. Für Klopp bedeutet das: In der zweiten Länderspielwoche wartet viel Arbeit.
Schon tagsüber hatte sich im DFB-Quartier in Herzogenaurach personell einiges getan. Für die kommenden Spiele gegen Serbien am Donnerstag in München und drei Tage später das schnelle Rückspiel in Thessaloniki reiste der zweite Teil des XXL-Kaders an. Dazu gehören auch mehrere Neulinge wie Said El Mala vom 1. FC Köln, Mika Baur von Celtic Glasgow, Brentford-Profi Vitaly Janelt und Felix Keidel aus Elversberg.
Am Abend saßen die Neuankömmlinge in Augsburg auf der Tribüne, drückten die Daumen und konnten Klopps veränderte Spielidee direkt beobachten. Der Bundestrainer setzte seine umfassende Sichtung weiterer Kandidaten derweil konsequent fort. So durfte Bambasé Conté erstmals in der Startelf debütieren.
Deutschland beißt sich an tief stehenden Griechen die Zähne aus
Conté zeigte sich schon vor dem Anpfiff voller Vorfreude. „Ich habe Riesenbock, zu spielen“, sagte der 23 Jahre alte Hoffenheimer in der ARD bei der Ankunft am Stadion. Kurz darauf sorgte er auch früh für das erste offensive Zeichen: Bereits in der 2. Minute gab der Debütant den ersten deutschen Torschuss ab.
Auch Griechenland, das mit einem 2:1 in Serbien in die Nations League gestartet war, meldete sich früh an: Konstantinos Karetsas kam gefährlich zum Abschluss.
Danach entwickelte sich das erwartete Geduldsspiel. Kimmich lenkte das deutsche Spiel und verteilte viele Bälle, echte Lücken öffneten sich aber kaum. Kevin Schade setzte bei einem Konter zunächst zu einem vielversprechenden Antritt an, zögerte im entscheidenden Moment jedoch zu lange.
Mehr Dynamik kam auf, als Karim Adeyemi verstärkt über links auftauchte. Der inzwischen zum FC Barcelona gewechselte Ex-Dortmunder sorgte mit seiner Schnelligkeit für Gefahr, schoss nach einem Sololauf aber über das Tor (27.). Einen wuchtigen Distanzschuss von ihm entschärfte Griechenlands Torhüter Kostas Tzolakis wenig später (32.).
Zur Pause blieb festzuhalten: Nach vorn wirkte vieles noch Stückwerk, defensiv hatte Deutschland die Partie weitgehend im Griff. Nübel musste in seinem vierten Länderspiel zunächst kaum eingreifen. Auch Yann Aurel Bisseck und Josha Vagnoman, die neu in die Abwehr gerückt waren, erledigten ihre Aufgaben ordentlich.
Druckphase ohne Ertrag – dann der entscheidende Gegentreffer
Nach Wiederbeginn erhöhte die DFB-Elf den Druck. Dabei griff Deutschland nach der Pause auf das Tor mit dem Stimmungsblock an – erstmals seit 25 Jahren gab es bei einem Länderspiel wieder Stehplätze. Erneut war es Conté, der nach einer gelungenen Balleroberung gefährlich abschloss, doch wieder war Tzolakis zur Stelle (50.). Kurz darauf lenkte der griechische Keeper auch einen Freistoß von Kimmich zur Ecke (53.).
Deutschland drängte nun stärker auf die Führung, blieb besonders bei Standardsituationen aber zu harmlos. Nach rund 65 Minuten reagierte Klopp und brachte Florian Wirtz sowie Jonathan Burkardt, die nach den Verletzungen von Jamal Musiala und Kai Havertz früher als geplant zum aktiven Kader gestoßen waren.
Doch statt des erhofften Führungstreffers folgte zunächst ein Schreckmoment auf der anderen Seite. Kimmich verlor in der eigenen Hälfte den Ball, Fotis Ioannidis konnte die Einladung jedoch nicht nutzen und verzog links am deutschen Tor vorbei (67.).
In der Schlussphase verlor Deutschland dann immer mehr die Ordnung. Die Partie wurde offener, gemeinsame Lösungen fanden die deutschen Spieler kaum noch. Griechenland erkannte diese Unsicherheit, kam mehrfach gefährlich nach vorn – und schließlich fiel der Treffer, der sich zuvor schon angedeutet hatte. Kourbelis sorgte mit seinem abgefälschten Schuss für die große Enttäuschung im Augsburger Stadion.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber