Politik

Neuer Feiertag: Warum ganz Italien Franz feiert

Seit 800 Jahren tot – und in Assisi allgegenwärtig: Warum Kirche und Staat Franziskus jetzt mit Extras feiern.

01.10.2026, 05:56 Uhr

Assisi lebt seit Jahrhunderten von seinem berühmtesten Sohn

In der Via San Francesco im umbrischen Assisi steht eine Gestalt in brauner Kutte neben einer weißen Taube – ganz so, als wäre sie eine Statue des heiligen Franziskus. Erst wenn die Figur plötzlich mit den Augen zwinkert, wird klar: Es handelt sich um einen Straßenkünstler.

In der Stadt mit rund 27.500 Einwohnern, etwa drei Autostunden von Rom entfernt, ist Franz von Assisi allgegenwärtig. Sein Name prägt das Stadtbild, den Tourismus und das Geschäft vieler Menschen – von Künstlern auf den Straßen bis zu Laden- und Hotelbesitzern. Assisi zieht Pilger ebenso an wie Urlauber. Nach offiziellen Zahlen kamen im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Übernachtungsgäste. Einschließlich Tagesbesuchern dürften es sogar etwa fünf Millionen Menschen gewesen sein.

Auch 800 Jahre nach seinem Tod ein Publikumsmagnet

Der Gründer des Franziskanerordens, Franziskus von Assisi (1181/82–1226), starb den Überlieferungen zufolge am Abend des 3. Oktober vor genau 800 Jahren. Da in der kirchlichen Zeitrechnung der Abend bereits zum nächsten Tag zählt, gilt der 4. Oktober als sein Todestag. Bis heute zählt Franziskus zu den bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Seine Heimatstadt mit der Basilika San Francesco, in der er bestattet ist, gehört zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten weltweit.

Aus Anlass des 800. Todestages hat Papst Leo XIV. ein „Franziskus-Jahr“ ausgerufen. Das sorgt für zusätzlichen Andrang: Allein im Februar und März kamen 400.000 Menschen nach Assisi. In dieser Zeit waren erstmals seit Jahrhunderten auch seine sterblichen Überreste zu sehen.

Kirche feiert Heiligen Franz von Assisi
Millionen Besucher kommen jedes Jahr nach Assisi. Quelle: Malin Wunderlich/dpa

Der 4. Oktober wird erneut landesweiter Feiertag

Nicht nur die Kirche würdigt den Bettelheiligen. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat beschlossen, den 4. Oktober dauerhaft wieder zum nationalen Feiertag zu machen. Beobachter sehen darin auch einen möglichen politischen Hintergrund, da Italien im kommenden Jahr voraussichtlich wählt – möglicherweise ebenfalls im Oktober.

Dabei war der Tag schon früher einmal arbeitsfrei: von 1958 bis 1977. Danach wurde der Feiertag abgeschafft. Meloni begründet die Rückkehr mit der besonderen Rolle des Heiligen für das Land. Franziskus sei ein von allen geliebter Heiliger, in dem sich das Volk wiederfinden könne. Der neue Feiertag solle jedes Jahr an einen außergewöhnlichen Menschen erinnern und daran, was die Italiener im Innersten verbinde.

Die Stadt profitiert – und stößt an Grenzen

Für Assisi bedeutet das Gedenkjahr zusätzliche Besucherströme. Der Künstler Antonio Minzolini, der in der Altstadt eigene Bilder verkauft, sagt, er verdanke Franziskus alles. Für ihn sei der Heilige nach Jesus und Maria die wichtigste Gestalt des Glaubens. Auch viele andere Geschäftsleute freuen sich über Kundschaft aus aller Welt.

Doch der Andrang hat auch seine Schattenseiten. Laura Ferreti, die in einer Eisdiele arbeitet, sagt, die vielen Gäste seien zwar gut fürs Geschäft, zugleich aber auch anstrengend. Viel Zeit zum Reden bleibt ihr nicht – schon warten die nächsten Kunden.

Ein Heiliger des Friedens mit bewegter Biografie

Viele Besucher kommen nicht nur wegen der historischen Kulisse, sondern auch aus spirituellen Gründen. Pfarrer Benjamin Rinkart aus Limburg möchte am Grab beten und die besondere Atmosphäre erleben. Franz von Assisi sei eine prägende Gestalt der Kirchengeschichte, sagt er – ein Heiliger, der Erneuerung wollte, ohne sich gegen die Kirche zu stellen. In Assisi werde sichtbar, wie unterschiedliche Kulturen einander bereichern könnten, statt sich voneinander abzugrenzen.

Franziskus gilt heute als Symbol des friedlichen Zusammenlebens. Dabei war sein Leben zunächst ganz anders verlaufen. Als junger Mann zog er in den Krieg zwischen Assisi und dem rund 30 Kilometer entfernten Perugia. Auch ein einfaches, entbehrungsreiches Leben war ihm nicht in die Wiege gelegt: Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, sein Vater war Tuchhändler.

Die Vision, die alles veränderte

Der entscheidende Wendepunkt kam der Überlieferung nach durch eine Vision. In einer verfallenen Kirche soll Francesco die Stimme Gottes gehört haben mit dem Auftrag: „Geh und baue mein Haus wieder auf.“ Zunächst nahm er diese Worte wörtlich und begann, zerfallene Kirchen zu renovieren. Später habe er erkannt, dass die Botschaft im übertragenen Sinn gemeint war. Daraufhin sagte er sich von Besitz und weltlichem Leben los und wurde zum Bettelprediger.

Seine radikale Einfachheit beeindruckte viele Menschen. Immer mehr Anhänger schlossen sich ihm an. Im Jahr 1209 reiste Franziskus mit seinen Gefährten zu Papst Innozenz III. nach Rom, wo ihre Gemeinschaft anerkannt wurde. Der Franziskanerorden besteht bis heute fort.

Feierlichkeiten mit Staatspräsident, aber ohne Papst

Zu den Feiern am 4. Oktober wird Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella erwartet. Papst Leo XIV. hingegen wird nicht teilnehmen – er hatte Assisi bereits im August besucht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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