Politik

Neue Attacken in Nahost – trotzdem wird verhandelt

Waffenruhe wackelt: Neue Attacken, Israels Drohnen versetzen Beirut in Angst – nachts bricht teils Panik aus.

26.05.2026, 14:54 Uhr

Neue militärische Aktionen im Iran und im Libanon überschatten die laufenden Bemühungen um eine Beilegung des Kriegs in Nahost. Nach Angaben des US-Militärs wurden iranische Raketenstellungen sowie Boote angegriffen, die in der Straße von Hormus Minen verlegen wollten. Ein Sprecher des zuständigen US-Regionalkommandos sprach von „Angriffen zur Selbstverteidigung“, die amerikanische Truppen vor Bedrohungen durch das iranische Militär schützen sollten. Die iranischen Revolutionsgarden warnten ihrerseits vor jedem Bruch der Waffenruhe durch die USA und pochten auf ihr Recht auf Gegenschläge.

Zugleich hat Israel seine Einsätze im Nachbarland Libanon ausgeweitet und nach eigenen Angaben auch die Bodeneinsätze verstärkt. Ein Militärvertreter sagte, Ziel sei es, direkte Bedrohungen für israelische Bürger und Soldaten abzuwehren.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, schwere israelische Angriffe im Süden des Landes deuteten auf eine mögliche Ausweitung der Bodenoffensive in Richtung Norden hin. Seit dem Evakuierungsaufruf für die Stadt Nabatija habe es dort mindestens 20 Angriffe gegeben. Im Libanon wächst damit die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besatzung des Südens. Israel war 1982 in den Libanon einmarschiert und zog sich erst 2000 wieder zurück.

Netanjahu innenpolitisch unter Druck

Bei Angriffen auf Ziele im Libanon waren nach libanesischen Angaben zuvor elf Menschen getötet worden. Nach Darstellung der israelischen Armee wurden in der jüngsten Angriffswelle mehr als 100 Hisbollah-Ziele in der Bekaa-Ebene und in weiteren Gebieten im Süden des Landes attackiert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht innenpolitisch unter Druck, die Angriffe auszuweiten – auch wenn dies Spannungen mit US-Präsident Donald Trump auslösen könnte.

Im Libanon wächst angesichts der jüngsten Entwicklungen die Furcht vor einer weiteren Eskalation. In Beirut sind seit Montag wieder laut israelische Drohnen über der Stadt zu hören. Viele Bewohner der südlichen Vororte verließen in der Nacht aus Angst vor neuen Luftangriffen ihre Wohnungen.

Fluchtaufruf löst Panik aus

Die israelische Armee forderte die Bewohner von Nabatija auf, den Ort zu verlassen. Der Aufruf löste nach Angaben aus der Region Panik aus. Mona Abu Zeid, Leiterin eines örtlichen Krankenhauses, sagte der Deutschen Presse-Agentur, einige Patienten würden vom Roten Kreuz evakuiert. Das Krankenhaus bleibe jedoch geöffnet. Manche Patienten weigerten sich demnach, die Stadt zu verlassen. „Wir müssen ihnen wenigstens medizinische Versorgung anbieten, auf die sie angewiesen sind“, sagte sie. Auch der Leiter des staatlichen Nabih-Berri-Krankenhauses bestätigte, dass Patienten nach der israelischen Warnung die Klinik verlassen hätten.

Beobachter befürchten, dass eine weitere Intensivierung der Kämpfe im Libanon auch die derzeitigen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran erschweren könnte. Teheran verlangt, dass ein mögliches Rahmenabkommen nicht nur den Krieg mit den USA und Israel, sondern auch Israels Konflikt mit der Hisbollah einschließt.

Iranische Medien: Teilfreigabe eingefrorener Gelder gefordert

Während die Gespräche andauern und die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zunehmen, drängt Teheran auf den Zugang zu blockierten Vermögenswerten. Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine ungenannte Quelle aus dem iranischen Vermittlerteam soll mit Inkrafttreten eines Rahmenabkommens die Hälfte von insgesamt 24 Milliarden US-Dollar – umgerechnet rund 21 Milliarden Euro – freigegeben werden.

Die restliche Summe müsse dann innerhalb einer Frist von 60 Tagen überwiesen werden, wie Tasnim weiter berichtete.

Iranisches Vermögen in Katar eingefroren

Bereits am Montag hatte eine hochrangige iranische Delegation unter Leitung des Verhandlungsführers und Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf im Golfstaat Katar Gespräche geführt. Nach Informationen von Tasnim ging es dabei auch um die Durchsetzung dieser Forderung. In Katar sind iranische Einnahmen aus dem wegen Sanktionen eingeschränkten Ölgeschäft eingefroren.

Sowohl aus Washington als auch aus Teheran hatte es in den vergangenen Tagen Signale gegeben, dass ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs möglich sein könnte. Dabei spielt auch die derzeit praktisch blockierte Straße von Hormus eine wichtige Rolle.

Trump: Angereichertes Uran soll zerstört werden

Die USA und Israel verfolgen nach eigenen Angaben das Ziel, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Aus Sicht der US-Regierung ist vor allem die Urananreicherung im Iran problematisch, da das Material als Grundlage für den Bau von Bomben dienen könnte. Der Iran verfügt über mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, das vergleichsweise leicht in waffenfähiges Material umgewandelt werden könnte. Die Führung in Teheran betont dagegen seit langem, Uran nur für zivile Zwecke anzureichern und keine Atomwaffen anzustreben.

Rubio: „Entweder einen guten Deal oder keinen Deal“

US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich am Dienstag am Rande seines Indien-Besuchs zu den Gesprächen in Katar. Laut übereinstimmenden Medienberichten sagte er, es müsse sich erst zeigen, ob echte Fortschritte erzielt würden. Präsident Trump werde „entweder einen guten Deal machen oder gar keinen“, zitierte ihn unter anderem die „New York Times“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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