Politik

Kreml enthüllt: Putins geheimes Treffen mit Schröder

Geheimes Kreml-Treffen: Was Putin und Schröder besprochen haben sollen – und worüber der Kreml eisern schweigt.

05.06.2026, 20:17 Uhr

Nach Angaben des Kreml hat der russische Präsident Wladimir Putin den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Moskau zu einem Vieraugengespräch empfangen. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bestätigte der Agentur Interfax das Treffen im Kreml und sprach von einem guten Austausch. Nähere Angaben zum Inhalt machte er nicht. Auch zu möglichen Perspektiven für Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union äußerte er sich nicht.

Die Unterredung fällt in eine Phase, in der über mögliche Sondierungen zwischen der EU und Russland gesprochen wird. Die Beziehungen zwischen Brüssel und Moskau gelten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 und der Unterstützung Kiews durch die EU als schwer beschädigt.

Putin bringt Schröder erneut als Vermittler ins Spiel

Kurz vor dem Treffen hatte Putin den Altkanzler öffentlich als möglichen Mittelsmann zwischen der EU und Russland ins Gespräch gebracht. Bei einem Treffen mit internationalen Nachrichtenagenturen in St. Petersburg sagte er, für eine solche Rolle kämen nur neutrale Personen infrage, denen man vertrauen könne. Dass sein Vorstoß in Deutschland so heftig diskutiert worden sei, habe ihn nach eigenen Worten verwundert.

Putin betonte dabei, es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei. Er bezeichnete den Ex-Kanzler vielmehr als Staatsmann, der deutsche Interessen vertrete und eigene Positionen verteidige. Zugleich warf er Deutschland und anderen europäischen Staaten mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine fehlende Neutralität vor.

In der EU überwiegt Skepsis

In Deutschland und anderen EU-Staaten war die Idee eines Vermittlers Schröder bereits zuvor auf deutliche Ablehnung gestoßen. Die Ernennung eines externen Unterhändlers, der keiner Regierung angehört, gilt unter den 27 Mitgliedstaaten derzeit als wenig wahrscheinlich. Bei einem informellen Treffen der EU-Außenminister auf Zypern hatte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas vor weiteren Debatten darüber gewarnt. Russland wolle die Europäer mit einer solchen Diskussion in eine Falle locken, sagte sie.

Neben Schröder wurden zuletzt auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel, Finnlands Präsident Alexander Stubb und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi als mögliche Vermittler genannt.

Bundesregierung sieht Gesprächsfenster in den kommenden Monaten

Trotz anhaltend heftiger Kämpfe im Ukraine-Krieg geht man in der Bundesregierung davon aus, dass es in den nächsten Monaten Kontakte mit Russland über ein mögliches Kriegsende geben könnte. Aus Regierungskreisen hieß es, langsam öffne sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Moskau. Zugleich wurde betont, dass die Gefechte der vergangenen Tage zeigten, dass es dabei eher um Monate als um Wochen gehe.

Wer auf europäischer Seite mögliche Gespräche führen könnte, ist demnach noch offen. Diskutiert werde ein Format, das handlungsfähig ist und von den Europäern als legitim angesehen wird. Regierungskreisen zufolge spricht vieles dafür, dass die sogenannten E3 – Deutschland, Großbritannien und Frankreich – dabei weiter eine wichtige Rolle spielen könnten.

Für Sonntagabend sind nach Angaben aus London Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geplant. Die E3 waren bereits im vergangenen Jahr zusammen mit den USA und der Ukraine an Bemühungen um ein Ende des Krieges beteiligt.

Auch mehrere bevorstehende Gipfeltreffen könnten das Thema weiter voranbringen. In den kommenden Wochen stehen unter anderem Zusammenkünfte der G7 und der Europäischen Union sowie Anfang Juli ein Nato-Gipfel in der Türkei an.

Schröders Nähe zu Moskau bleibt umstritten

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und baute in dieser Zeit enge Beziehungen zu Putin auf. Gegen Ende seiner Amtszeit vereinbarte er mit dem russischen Präsidenten den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter Umgehung der Ukraine. Nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt arbeitete Schröder für russische Energiekonzerne, zunächst als Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und später auch bei Rosneft. Das trug ihm in Deutschland den Ruf eines russischen Lobbyisten ein.

Zu Beginn des russischen Angriffskriegs war Schröder im März 2022 auf Bitten aus Kiew kurzzeitig und ohne Erfolg als Vermittler aktiv. Offen bleibt zudem, ob der 82-Jährige gesundheitlich für eine solche Rolle noch infrage käme. Im Jahr 2025 sagte er mehrfach Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit Nord Stream 2 wegen einer Burnout-Erkrankung ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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